Vorabinfo:
Machen wir's kurz und schmerzlos, mein Reiseablauf sah letzten Endes folgendermaßen aus:
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Teilnahme an der RUB Summer School in Stirling/Schottland (mit Tagesausflügen nach Edinburgh, St. Andrews, Glasgow und in die Highlands) (2 1/2 Wochen) -> nach Abreise meiner Mitstudenten: Treffen mit Freund Keith in Stirling (1 Tag) -> Treffen mit Freundinnen Marie und Kim und gemeinsamer Besuch einiger Veranstaltungen des Festivals in Edinburgh (2 Tage) -> Weiterfahrt (ohne Begleitung) nach Cardiff/Wales (3 Tage) -> weiter nach Porthmadog und Snowdonia (3 Tage) -> Wiedersehen mit Marie in Hartlepool/England (very thrilling town) und auch Kim in Newcastle upon Tyne (3 Tage) -> großes Treffen mit Legolas/Orlando Bloom-Fans in London (2 Tage) -> zurück nach Haus mit dem Bus
Das Transportmittel meiner Wahl vor Ort: Die gute alte Eisenbahn.
Meine Lizenz zum Billigfahren: Der Britrail Flexipass (198 Euro für acht Tage unbegrenzten Fahrens in ganz Großbritannien)
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Meine Route bildlich dargestellt:
25.07.02
Donnerstag
11h40
Ruhr-Universität Bochum/Parkplatz vor GB
Hier stehen wir also nun (bzw sitzen im Bus) und warten. Warten. Man kann auf vieles warten *Vorsicht, philosophischer Anfall* Warten auf Godot. Warten auf Rettung. Warten auf das Signal. Warten auf Freigabe. Warten bis man schwarz wird. Warten auf die Telekom... Warten auf Mr. Right. Hm, wir kommen der Sache schon näher... Aber genaugenommen warten wir hier natürlich bloß auf die Abfahrt (Neeiiiiin, sach doch sowas nich! - Jaja, ich weiß, ich weiß, ich bin ein Meister der überraschenden Wendungen *verbeugt sich vor der Leserschaft* Reisetagebuch? Was? Ach ja...).
Also, reden wir mal Klartext: Wir, das sind so ca 45 +/- n'paar Studenten der Ruhr-Uni, sowie drei Englisch-Dozenten selbiger Bildungsanstalt.
Unser Ziel: Die alljährliche, zweiwöchige Summer School in Stirling. Unsere Vehikel: Ein Bus, drei Autos, eine Fähre. Unser Zeitrahmen: 15 Tage plus zweimal ca 24 Stunden Fahrt (es sei denn, man hat andere Pläne, so wie ich *harhar*). Uhrenvergleich! Alles paletti. Na dann mal los.
War das Klartext? Hm, naja, weiß nich... Es folgt ein weiterer Versuch wieder auf den Boden der nackten und ungeschminkten Tatsachen zurückzukommen: Mein Rucksack ist sauschwer. Wörterbuch, CDs, Wegwerfsocken und natürlich haufenweise Verpflegung - das alles werde ich auf dem Rückweg nicht mehr drin haben... JIPPIE! Aber, wie ich mich kenne, wird das natürlich durch anderen Schnickschnack ersetzt werden. Nun, wir werden sehen, das Geld sitzt dieses Mal deutlich weniger locker als sonst.
Und jetzt warten wir mal weiter. Auf eine Eingebung. Eine Hiobsbotschaft. Den Weihnachtsmann. Ach, Warten kann so schön sein.
12h05
Endlich abgefahren! Nur ne halbe Stunde zu spät.
13h05
Willkommen in den Niederlanden! Und sofort hat's rechts und links hunderte von Gewächshäusern... ich glaube, auf meinen bisherigen Fahrten war's auf dem Teil der Strecke immer schon dunkel. Oder hab ich geschlafen? Ist mir jedenfalls noch nie so aufgefallen.
26.07.02
Freitag
Spruch des Tages: "Dei Mudda ischje Mann."
6h50
P&O-Fähre Norsun
Kabine 1036, Bett C
Guten Morgen! Nach einer gar nicht mal so schlechten Nacht an Bord dieses unglaublichen Luxusliners (das erkennt man daran, dass das Bordkino vier Pfund kostet, und dass das Piano in der Bar zur Not auch alleine die Tasten klimpern lässt), sind wir jetzt fast bereit, uns an der Snackbar eine CADBURY'S INSTANT HOT CHOCOLATE einzuverleiben. Wie hab ich das vermisst!
Und da nun sogar Jütte es aus dem Bett geschafft hat (unsere Kabinen- (und hoffentlich auch Flat-)Belegschaft: Jütte, Kerstin, ich), können wir wohl wirklich bald aufbrechen.
Ach ja, ganz nebenbei, gestartet sind wir in Zeebrügge, und zwar um ca 19h, Ankunft in Hull soll ca 8h sein (inklusive einer Stunde Schwund dank englischer Zeit). Macht also 14 Stunden Fahrt, wenn ich mich nicht verrechnet hab. Wie gut, dass man die meiste Zeit bequem gebettet verpennen konnte (nicht so wie auf der Fahrt nach Schweden auf ner Bank in der Cafeteria, Fuß an Fuß mit irgendeinem unbekannten alten Herrn...).
19h10
vorm TESCO-Supermarkt in Stirling
Habe gerade für unsere gesamte Flatbelegschaft eingekauft - läppische 40 Pfund hat's gekostet. Nun sitz ich hier mit ein paar anderen mir noch nicht namentlich bekannten Teilnehmern der Summer School, und warte drauf, dass Herbert (die Dozenten werden von jetzt ab geduzt... übungsbedürftige Sache) mit dem Auto zurückkommt, uns und unsere Einkäufe schübchenweise einlädt und zur Uni zurückbringt.
Wir haben übrigens schon einen kleinen Rundgang über den Campus gemacht - recht schicke Angelegenheit mit nem kleinen See, umliegenden Bergen, grünen Grashängen und ein bisschen Baumbestand. Nur die Gebäude sind leider pottenhässlich. Aber daran sind wir ja von zuhaus gewöhnt.




Auf unserem Flat sieht's übrigens jetzt ungefähr folgendermaßen aus:
Naja, so *ungefähr* halt... Wie man sieht (oder auch nicht, wenn man keine Grafiken anzeigen kann/will) bin ich tatsächlich wie gewünscht in einem Flat mit Kerstin und Jütte. Außerdem haben wir noch zwei männliche Wesen adoptiert. Micha und Tobi - wie geht es weiter in der neugeborenen Wohngemeinschaft? Werden sich die Müllberge auftürmen und Kämpfe mit Spüllappen ausgefochten? Werden die fünf Kandidaten ihr Nervenkostüm beisammenhalten können? Bleiben Sie dran, es wird sich bald herausstellen...

27.07.02
Samstag
Spruch des Tages: "Nur Touristen bleiben an roten Ampeln stehen..."
10h30
im Bus Richtung Edinburgh
Auf auf zum ersten unserer vier Tagesausflüge - habe schon viele Einkaufs- und sonstige Pläne für Edinburgh: bei LUSH wird schon mal ganz sicher Station gemacht, außerdem bei Cult Clothing auf der North Bridge und beim High Street Hostel, um den Erfolg meiner Reservierung für den 12. August zu checken... und vielleicht noch auf einen kurzen Sprung zu Arthur's Seat? Das Wetter hält sich qualitätsmäßig etwas in Grenzen, aber ganz schlecht ist es nicht. Nur die Aussicht rundum dürfte doch etwas getrübt sein.
Übrigens haben wir heute morgen schon ganz traditionsgemäß Möwen, Enten und Kaninchen vom Wohnzimmerfenster aus mit verkohltem Toast gefüttert.
Herbert hatte uns ja gewarnt - der Toaster (bzw Grill und Bestandteil des Ofens) ist ein bisschen schwierig zu handhaben. Oder besser gesagt, es könnte alles so einfach sein, wenn man nur nicht ständig seinen Toast da drin vergessen würde. Die vier ersten Toasts sind ja wunderbar geworden, da war man halt noch wachsam, aber dann... die heimische Fauna hat sich offenbar schon auf das morgendliche Ritual des Toastverbrennens eingestellt und freut sich drüber. Kaum macht man das Fenster auf und ruft (irgendwas), schon kommen die Viecher angeschossen und kloppen sich um die "Köstlichkeiten". Kein schöner Anblick, geschweigedenn eine Freude für das Ohr. Sehr aggressive Möwen hier, sind mir höchst unsympathisch. Wie gut, dass mein Fenster zur Parkplatzseite liegt *beneidet Jütte und Kerstin nicht um das Grün vor ihren Fenstern*.
Gestern abend waren wir zum ersten, wohl aber nicht zum letzten Mal im Pub des Meadow Park Hotel, ungefähr zehn Minuten zu Fuß von den Wohnheimen. Ist ganz nett, mit so einer Art Wintergarten (bloß ohne Pflanzen) von wo aus man einen schönen Blick aufs abendlich angestrahlte Castle hat. Dann gibt's noch einen großen Raum mit Bar und kleiner Tanzfläche, sowie einen kleineren Raum, auch mit Bar und einer abgetrennten Fläche für Livebands. Draußen sitzen geht auch.
16h20
Princes Street Gardens
Genug geshoppt (wir sind pleite), jetzt wird sich gesonnt - jawoll, die Sonne scheint (und gleich nebenan lauern fette Wattewolken). Wir waren natürlich bei LUSH (darf gar nicht dran denken, was ich da wieder ausgegeben habe... aber man kommt ja nicht alle Tage an dieses göttliche Zeug ran (mein Gott, ich kling ja wie ne Drogensüchtige! Keine Bange, es handelt sich lediglich um himmlisch duftende und wirkende Kosmetika. Sehr, sehr teure Kosmetika...)). Gegessen haben wir bei Pizza Hut, was auch eher schlecht für die Geldbörse war, aber gut und reichhaltig für den Magen. Und Jütte weiß jetzt auch, was Strohhalm auf Englisch heißt *heheheheheheheschlagmichnicht*.
Und nun noch ein amüsantes Geschichtchen darüber was sich während unseres Stadtbummels zutrug. Wir standen gerade an einer roten Ampel und warteten ordnungsgemäß auf grün (wer meine möglicherweise etwas irrationale Angst vor Autos und allen sich schnell bewegenden Dingen noch nicht kennt, der werde ihrer jetzt gewahr). Von hinten näherten sich zwei der Redaktion namentlich bekannte Lehrpersonen. Ich nenn jetzt keine Namen und so wenige Details wie möglich ;oP - aber es war einfach zu schön, um nicht hier verewigt zu werden... Also, eine der der Redaktion namentlich bekannten Personen bedachte uns Wartende mit einem leicht bemitleidenden Blick, und sprach (ganz Weltmann): "Nur Touristen bleiben an roten Ampeln stehen." Als die der Redaktion namentlich bekannte Person mit diesen Worten auf die Straße trat, bot sich den Wartenden ein nicht wenig schockierender Anblick: "PASS AUF! EIN BUS!"
Ist nochmal alles gut gegangen, aber was lernen wir daraus? Ob Tourist oder nicht, vorher nach rechts und links und wieder rechts schauen hat was für sich.
Beinahe hätt ich's vergessen zu erwähnen! Vorbuchen in britischen Hostels mit Scheck läuft nicht gut! Echte technische Fakten kann ich jetzt leider nicht liefern, aber jedenfalls konnten die meinen Scheck nicht einlösen. Zwar war meine Buchung trotzdem soweit gültig - man ging wohl davon aus, dass ich, wenn ich schon nen Scheck schicke, da auch wirklich übernachten will - aber die Dame an der Rezeption war ganz erleichtert, dass ich jetzt persönlich vor ihr stand. Sie hatte nämlich versucht mich zu kontaktieren, kannte aber weder meine Telefonnummer noch meine vollständige Adresse (haben wir wohl das "Germany" vergessen, upps), und Internetanschluss hat das High Street Hostel offenbar noch nicht. Also hab ich dann da vor Ort meine Buchung mit einer Barzahlung besiegelt, und bin nun endlich beruhigt. Ohne Bett und Dach überm Kopf in Edinburgh während des Festivals! Der Stoff aus dem meine Albträume sind!
Wird Zeit, dass die Briten den Euro annehmen...
17h55
wieder im Bus (Richtung Stirling)
Jütte, Kerstin und ich hatten gerade eine Begegnung der dritten Art - auf dem Weg zurück zum Bus schauten wir noch mal kurz in einen Laden namens "Toscana" auf der Princes Street rein (das SALE-Schild war schuld), in dem so ca drei bis vier schickgekleidete italienische Herren auf Kunden warteten. Wir waren die einzigen Kunden. Folglich haben die sich rüüüüührend um uns gekümmert, inklusive bäh!nass!-Handkuss für Kerstin.
Nachdem zunächst mal festgestellt worden war, dass wir Deutsche sind (und noch dazu aus der Nähe von Dortmund *!!!*), wurde der Oberchef hinzugerufen und von dieser faszinierenden Erkenntnis unterrichtet. Der Oberchef verkündete, er habe irgendwie ne Verbindung zu Dortmund (kann mich an diesen Teil der Unterhaltung nur verschwommen erinnern)... aber wie auch immer, jedenfalls wollte er dann wissen, ob wohl Kerstin mit ihrem leicht südländischen Aussehen griechische Vorfahren gehabt hätte. Hatte sie aber nicht. Na gut, dann halt nicht, aber Jütte stamme doch sicher von Holländern ab? Nö, auch nicht wirklich. Und ich? Ich säh ja mal ganz eindeutig deutsch aus... *hmpf*... *grummel*... dabei ist doch damals dieser französische Soldat mehrfach durchs das Kellerfenster meiner Ur-ur-ur-oma... naja egal. Ob wir denn heute abend mit den Herren feiern möchten? Wir haben auch ganz viel Wein. Kein Wein? Nein, klar, ich mag den auch nicht, was mögt ihr denn? Irn Bru, aha, geht klar. Und das kleine Entfernungsproblem (Stirling-Edinburgh) stört uns auch nicht, wir haben ja schnelle Autos......... bla... bis hierhin wurde auf Englisch palavert, aber ganz unvermittelt fragte unser üüüberaus charmanter ähh Kundenberater in perfektem Deutsch: "Wollen die jungen Damen denn vielleicht auch etwas bei uns kaufen?" Aha. Dortmund. Das erklärte ja dann einiges.
Wir gaben zwar sofort unsere finanzielle Flaute zu, aber Jütte zeigte dennoch sehnsüchtiges, wenn auch hoffnungsloses, Interesse an einer Tartan-Handtasche, die aber leider leider mal eben 80 Pfund kostete. Der Hauptmann wies dann seinen Untertanen an, der Lady eine ganz spezielle special offer zu geben, speeeecial offer, Fabio, aber auch das niedrigste Angebot von 30 Pfund ist für arme Studenten ein bisschen zu heftig. Fabio (oder so ähnlich halt) wollte das zwar nicht glauben, er meinte, Jütte säh ihm sehr reich aus (reich, Holländerin, was kommt noch?), aber keine Chance.
20h20
im Wohnzimmer unseres Flats
Jetzt habe ich gerade meine eigenartige Telefonkarte zum ersten Mal ausprobiert, und war sogleich erfolgreich. Ist aber wirklich ungewohnt... nix mit reinschieben und lostelefonieren, man muss erstmal die auf der Karte angegebene "Freecall"-Nummer eintippen (ellenlang), hört dann ein nettes Frauenstimmchen sagen: "Thank you for choosing *budget* phonecard, pleeease enter your pin number..." - man gibt also seinen Pin ein, und hört dann zur Abwechslung eine Männerstimme: "Please press *one* to make a telephone call..." mehr wollt ich ja gar nicht wissen, also flugs die Eins gedrückt... wieder eine Frauenstimme: "You have blablabla pounds on your account, please enter the number you wish to call *now*"......... Jetzt kann man sich ja vielleicht vorstellen, was passiert, wenn man sich einmal irgendwo in dieser Prozedur vertut. Man darf ganz von vorne anfangen. Ist schon ein bisschen nervig... aber die Karte hat auch Vorteile, sie hat nämlich nur 10 Pfund gekostet, aber es sind, aus irgendeinem kundenschmeichelnden Grunde, 13 drauf. Das gefällt.
1h40
im Bett
Welch ein Abend! Vor allem ein teurer, aber auch recht interessant und witzig. Wir waren mit ca 20 Mann in einer Stirlinger Disco namens "Enigma". Taxi hin und wieder zurück und außerdem sechs Pfund Eintritt - gar nicht schön, vor allem weil die Musik absolut nicht mein Fall war (Club, oder wie nennt man das? Jedenfalls sehr eintönig), und ich mich auch als einzige weibliche Person im stinknormalen T-Shirt (hätte ich mal nicht mein Top vergessen...) mächtig unwohl fühlte. Theoretisch wär ich da auch so gar nicht reingekommen, ebenso wie all unsere Turnschuhträger auf eigene Faust schlechte Karten gehabt hätten, aber die wirklich sehr netten Türsteher machten für die ahnungslosen Deutschen mal ne Ausnahme. Touristen = money. Oder vielleicht waren die auch einfach nur so richtig nett. Einmal in der Disco angelangt, konnte man gut Leute beobachten. Sehr sehr leichtbekleidete Mädels und teilweise recht süße schottische (?) Jungs. Mit Betonung auf Jungs.
Aber irgendwann wurd's uns einfach zu nervig, also beschlossen Jütte, Kerstin und ich, zu gehen. Etwas ziellos latschten wir so durch die nächtlichen Straßen, und dann hatte Jüttelein die glorreiche Idee, Leute anzulabern und denen einen vom Pferd zu erzählen. Namentlich: Wir sind drei Mädels aus Stockholm... in Dänemark.
Ich bin ja der Welt mieseste Schauspielerin wenn's nicht gerade um Parodien geht, aber Jütte hat das echt voll drauf. Sie lachte uns also zwei einsam dahinziehende schottische Jungs (wiedermal Betonung auf Jungs) an, und startete die Maskerade. Ja, hallo, sie war jetzt also die Olga aus Stockholm. Dänemark. Kennt ihr doch sicher, Jungs, gelle? *smile* Kerstin stellte sich als Helga vor, und ich, ich war halt mal total kreativ und sagte, ich heiße Annika. In der Eile ist mir nun mal kein Ersatzname eingefallen. *hmpf* Nächstes Mal.
Die Jungs hießen Paul und Clinton (oder so ähnlich), und auf die Frage, was für Fremdsprachen sie denn gelernt hätten, behaupteten sie, sie hätten in der Schule Deutsch *!* und Französisch gehabt. Aber *unsere* gelegentlichen deutschen Einwürfe hielten sie trotzdem für unverständliches Dänisch. *harhar* Die armen Lämmchen. Und wir Skandinavier sprechen ja so gut Englisch, ja, da danken wir schön.
Weiß nicht, ob den Jungs irgendwann ein Lichtlein zu dämmern begann, oder ob die einfach keine Lust mehr hatten, sich mit uns zu unterhalten, aber jedenfalls kündigten sie schließlich an, sie müssten jetzt weiter, und uns wünschten sie noch viel Spaß in Schottland. Aber *hoho*, so einfach konnten sie uns ja nicht davonkommen. Jütte schnappte sich Pauly (oder Clinton?) und gab ihm ein Küsschen rechts, Küsschen links (Hey! I want two!), worauf Kerstin und ich dann ebenfalls bestanden. Dänisches Abschiedsritual *harharharharhar*. Arme, arme Lämmchen...

28.07.02
Sonntag
Spruch des Tages: "Gummybears! Bouncing here and there and everywhere! High adventure that`s beyond compare!"
16h25
im Bus von St. Andrews University zurück nach Stirling
Nun kenne ich also auch die berühmten Highland Games...
20h30
im Bett
War vorhin im Bus zu wackelig zum Schreiben. Außerdem musste ich mal ne Runde pennen. Nun aber wieder zum Thema Highland Games - das weltbekannte Baumstammwerfen haben wir gekonnt ignoriert, und uns stattdessen den zuckersüßen Tänzern und Tänzerinnen des Highland Fling gewidmet. Wobei da wesentlich mehr Tänzerinnen anwesend waren als Tänzer. Aber putzig waren sie alle!
Es gab verschiedene Tanzdisziplinen - erstmal ein "simpler" Hüpftanz im Tartankostüm, dann schon ein etwas komplizierterer, den ich aber leider nur aus der Ferne betrachten konnte, dann wurde das Outfit (kein Tartan, nur rot, weiß und grün) gewechselt, und ein Schäfertanz zum Besten gegeben. Der Tanz war echt cool, da mussten die Tänzer offenbar eine Art Kampf gegen einen imaginären Tunichtgut imitieren, was besonders bei den richtig Rauflustigen genial aussah. Als letztes kam dann noch ein Seemannstanz in Matrosenanzügen, bei dem so Tätigkeiten wie Segeleinholen nachgemacht wurden, aber der war irgendwie langweilig.
Der Prügeltanz war definitiv der beste.
Ansonsten gab's noch Hammerwerfen, Spurten, Radrennen und selbstverständlich Baumstammwerfen, was ich wiegesagt nicht wirklich gesehen habe. Ich *habe* die Baumstämme fliegen sehen, aber nicht die Werfer beim Werfen. Macht nüscht, die Schäfer waren's wert.
29.07.02
Montag
Spruch des Tages: "Der hat ja sicher auch einige Scheiße.. am Stock..." - "Äh... Dreck am Stecken?"
18h30
Nachdem sich gestern so ziemlich alle einen netten kleinen Sonnenbrand im Gesicht geholt haben, wurde dieser heute angenehm durch einen konstanten Feinstfizzel gekühlt. Der Regen kam buchstäblich von allen Seiten gleichzeitig "angeschwebt", und sorgte ganz nebenbei auch noch für romantische Nebelstimmung. Besonders gestern abend rund um den Universitätsloch war's herrlich. Wir drei Mädels sind deshalb noch ein bisschen drumrumgewandelt. Und wo wir grad dabeiwaren, haben wir auch gleich noch nen Hielan' Charge auf der Wiese vorm Haus erprobt - soweit recht gut, keinen hat's hingehauen, nur hat Jütte leider bei dieser Aktion ihren Flatschlüssel verloren. Als uns das bei der Rückkehr in die gute Stube auffiel, trieb's uns gleich wieder raus. Doch trotz intensiver Taschenlampensuche im nassen Gras - nichts. Jütte war natürlich höchstfrustriert. Doch mittlerweile ist alles wieder im Lot - Kerstin hat ja morgens keinen Kurs (im Gegensatz zu Jütte und mir), und hat diese freie Zeit genutzt, den Schlüssel nochmals zu suchen, und, dank allgegenwärtiger Helligkeit, auch zu finden.
Vom Unterricht schreib ich jetzt mal weniger, dies ist ja schließlich ein Reisetagebuch. Aber dennoch ein paar Infos: Jütte und ich haben morgens eine Doppelstunde Communication Course bei Claus. Nachmittags haben wir dann Cultural Studies (ebenfalls bei Claus), woran auch Kerstin teilnimmt. Für den Communication Course müssen wir unter anderem jeweils einen Kurzvortrag über eine Sehenswürdigkeit in Stirling vorbereiten (und dann während einer allgemeinen Stadtführung auch live performen), außerdem einen Kurzvortrag über ein bestimmtes schottisches Thema, und *oh Graus, oh Horror* ein Essay schreiben, welches für die BA-Studenten unter uns (so welche wie ich) den letzten noch ausstehenden Teil der Sprachpraxisklausur darstellt.
Für Cultural Studies müssen wir uns eingehend mit einer schottischen Tageszeitung beschäftigen, und diese im Unterricht vorstellen. Außerdem, was im Rahmen dieses Tagebuchs sehr viel interessanter sein dürfte, müssen wir eine möglichst große Menge an Leuten ansprechen, und die über ihre Einstellung zum schottischen Nationalbewusstsein befragen. Genauer gesagt wollen wir rauskriegen, ob die Schotten ihre gesprochene Sprache für einen Akzent, einen Dialekt oder eine eigene Sprache halten, ob sie Gälisch können und ob sie mit der bisherigen Arbeit des schottischen Parlaments (seit dessen Etablierung 1999) zufrieden sind. Eine weitere Aufgabe im Rahmen des Landeskundekurses ist Folgende: jeweils die Leute, die zusammen in einem Flat wohnen, müssen ein schottisches Nationalgericht zubereiten und nett arrangiert für jedermann zum Probieren aufstellen. Da das in allen Flats gleichzeitig passieren soll, ist das Ziel also im Prinzip die Erschaffung einer mehrstöckigen Fressmeile.
Nachdem ich das alles nun so fein aufgelistet habe, muss ich wohl auch noch mitteilen, was genau unter meinen Aufgabenbereich fällt. Das ist einmal die alte Highschool in Stirling (jetzt Highland Hotel), über die ich zusammen mit Jütte berichten werde. Den zweiten Kurzvortrag halte ich zusammen mit Jütte und Petra übers schottische Neujahrsfest, das Hogmanay. Als Tageszeitung haben wir den Scotsman ausgewählt, und unser zuzubereitendes Gericht sind Scones. *hmmm* Scones *yummy*...
Das Essaythema ist logischerweise noch nicht bekannt.
Noch ne kleine Information am Rande, betreffend die Universitätswäscherei (falls da mal jemand hinkommt und nicht weiß was tun): Leider musste ich feststellen, dass meine kurz vorm Urlaub fast nicht mehr gefundene, dann aber doch und flugs gekaufte blaue Kordhose abfärbt. Und zwar kräftig. Also blieb nur noch der Gang zur Wäscherei, wo man am Automaten direkt neben der Tür für drei Pfund eine "Waschkarte" mit 12 Kreditpunkten kauft. Einmal Waschen kostet vier Kreditpunkte, 20 Minuten Trocknen zwei. An den Waschmaschinen und Trocknern gibt's für die Karte einen Schlitz - hat man sie da reingesteckt, wird sie nur kurz eingezogen, die Kreditpunkte abgebucht, und die Karte wieder ausgespuckt. An manchen Trocknern kann man sie auch zweimal direkt nacheinander reinstecken, dann trocknet die Wäsche 40 statt 20 Minuten. Waschpulver kann man beim Personal in Form von zwei Tabletten per 30 Pence kaufen.
Meine Hose färbt immer noch.

01.08.02
Donnerstag
im Zimmer
Nun sind wir schon fast eine Woche hier, und fühlen uns schon beinahe heimisch. Zum Tagebuchschreiben komme ich offensichtlich nicht sehr oft - gibt immer viel und gut zu tun.
Gestern abend zum Beispiel waren wir in Stirling im Kino (Scooby Doo), was erfreulicherweise für Studenten nur drei Pfund kostet! Davor waren Kerstin, Jütte und ich noch ein bisschen in Stirling City; einmal, um uns das Highland Hotel, über das wir ja morgen einen Vortrag halten müssen, anzusehen, und in meinem Fall auch noch um eben die Nacht vom 11.8. auf den 12.8. in der JuHe von Stirling vorzubuchen.
Im Gegensatz zum letzten Besuch in Stirling haben wir diesmal kein Taxi genommen, sondern den Bus. Kostet 0.75 Pence pro Strecke (für Studenten). Und wenn man in Großbritannien aus dem Bus aussteigt, dankt man dem Fahrer recht höflich. Haben wir mal wieder was dazugelernt.
Am Abend davor, also Dienstag, waren wir im Meadow Park Hotel, wo's diesmal nicht nur richtig geile Mucke gab, sondern auch Getränke zu Studentenpreisen (immer dienstags). Folglich war`s brechend voll, heiß und schwül, sowie feuchtfröhlich. War ein richtig schöner Abend mit viel Tanzerei zu so Klassikern wie YMCA, You`re the One that I Want, Rock Your Body und so weiter.