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GROSSBRITANNIEN 2002    Teil 4


 
 

 

noch immer... 14.08.02
Mittwoch

22h45
Cardiff Backpacker, Raum 33 (6-Bett-Zimmer)

Mein erster halber (oder eher viertel) Tag in Wales - ganz schön aufregend, ganz schön anders... fing schon am Bahnhof an: Jeder Kommende und auch Gehende wird am Übergang zu den Gleisaufgängen auf gültige Tickets überprüft.
Ich sah das Ganze so von Weitem, wie die alle ihre Tickets bei dem Typen am Ausgang abgaben, und dachte irgendwie nur: "Ich kann dem doch nicht meinen Flexipass geben, den brauch ich doch noch!", was ich ihm dann auch erstmal lang und breit zu erklären versuchte... schlau gedacht, gelle? Man kann seine Fahrkarte abgeben, muss man aber natürlich nicht. In Fällen wie dem meinigen reicht auch ganz schlichtes Vorzeigen. Aber so logisch muss man erstmal denken können... manchmal kann man, glaube ich, fast die einzelnen Zähne meiner Gehirnmaschinenräder knirschen hören...
Also, was lernen wir daraus, außer, dass geistige Kurzschlüsse tunlichst zu vermeiden sind? In Großbritannien, und ganz besonders wenn man nach Cardiff fährt, behalte man seine Bahntickets gefälligst bis man in sicherer Entfernung vom Bahnhof ist. Besser is das.
Einmal in der Bahnhofsvorhalle, kaufte ich mir im Zeitungsladen eine süße kleine Taschenkarte von Cardiff - eigentlich hatte ich die Karten in meinem Lonely Planet Reiseführer benutzen wollen, aber den hatte ich zu tief im Rucksack vergraben... dachte ich... wie sich dann etwas später rausstellte, ist er gänzlich verschwunden *schniefel*... hab ihn irgendwo verloren oder jemand hat ihn geklaut oder was weiß ich. Auf jeden Fall ganz schön frustrierend, der war nämlich nicht ganz billig, und jetzt muss ich mir nen neuen kaufen. Natürlich muss ich nicht wirklich, man kann ja auch ohne Reiseführer ganz gut überleben, aber ich will ja nicht nur rat- und ziellos durch die Gegend laufen, sondern von den Kenntnissen anderer Reisebegeisterter profitieren. Ich liebe solche reiseführerbedingten Erleuchtungen wie nach meinem Schottlandurlaub 2000, als ich hinterher in meinem Velbinger den Namen der Katze entdeckte, die ich eines Nachts in Inverness gestreichelt hatte! (siehe entsprechendes Reisetagebuch)
O.k., nun stand ich also da, mit meiner tollen kleinen Karte, und wusste dennoch erstmal nicht, wohin. Cardiff hat so ein bisschen was von Düsseldorf, finde ich, da kommt man auch aus dem Bahnhof raus und fragt sich: "Und wo ist jetzt die Innenstadt? Wo geht man denn hier shoppen? Wo is der Fluss? Wo BIN ICH HIER?!?"
Außerdem hatte ich nach wie vor Sand im Denkgetriebe, und ertappte mich ständig bei so blödsinnigen Gedanken wie "Guck nicht so auffällig in die Karte, sonst merkt noch wer, dass du hier fremd bist!"... Ja klar. Ich renn da mit Riesenrucksack hinten und Minirucksack vorne kopflos durch die Gegend, aber Hauptsache, ich fall nich auf... also, zu meiner Verteidigung muss ich sagen: Ich fühlte mich rund um Cardiffs Bahnhof einfach nicht wohl. Irgendwie komische Leute da. Prinzipiell genau wie bei uns zu Hause am Bahnhof, wo mir das eigentlich weniger was ausmacht, aber allein in der Fremde, mit allem was man so besitzt am Leib, da kann man schon mal nervös werden.
Glücklicherweise hatte ich immerhin instinktiv die richtige Richtung eingeschlagen, und erreichte schon sehr bald den Fluss samt Brücke. Direkt neben dem Fluss, auf Bahnhofsseite: Das Millenium Stadium - kaum in Cardiff angekommen, schon stolpere ich unversehens über die erste Sehenswürdigkeit. Wirklich ein mächtiges Dingelchen.

Mein Hostel liegt auf der anderen Seite vom Fluss, also wurde die Brücke überquert, auf die Uferpromenade abgebogen, und dann nach einer Straße namens "Despenser Street" Ausschau gehalten. Schon bald wurde mir klar: Hier in Cardiff darf man nicht einfach nur den Anfang eines Straßennamens lesen, und dann den Rest für selbstverständlich annehmen. Es gibt hier nämlich in ziemlich vielen Fällen gleich drei Straßen, meistens nahe beieinandergelegen, die denselben Anfang haben, aber auf entweder Street, Road, Lane oder Place enden. Und wenn man sowieso schon nervös und reisegeschafft ist, kann das für unangenehme Verwirrung sorgen. War in meinem Fall aber von sehr kurzer Dauer, da sowohl der Despenser Place als auch Despenser Street letztendlich zu der Straße führen, an der das Hostel liegt. Aber ich kam mir ein bisschen doof und überaus beobachtet vor, als ich mich mit meinem Sack und Pack durch eine reine Wohnstraße voller kleiner, neugieriger Jungs schleppte.
Übrigens ist die Gegend rund ums Hostel von ausgesprochener kultureller Vielfalt und Kinderreichtum geprägt. Auf dem Spielplatz gegenüber wimmelt es von kleinen Jungs und Mädels, viele mit Kopftuch, manche mit Sari, andere "ganz normal". ---(Wieder am heimischen Computer angekommen, und mittlerweile auch wieder im Besitz eines Lonely Planet Reisehandbuchs, möchte ich einige Fakten über eben die Umgebung des Cardiff Backpacker Hostels nicht verschweigen: Ich habe in dieser Gegend keine schlechten Erfahrungen gemacht - immer wenn ich mit einer Frage oder einem Wunsch (Aspirin!) in einen der Shops gegangen bin, wurde mir sehr freundlich weitergeholfen. Aber der Fairness halber sollte man wissen: Riverside ist keine Nobelgegend. Genaugenommen ist es einer der wirtschaftlich am schlechtesten entwickelten Stadtbezirke von ganz Wales (hier der Link zur entsprechenden PDF-Datei, falls sich jemand für Details interessiert), und taucht auch (zumindest als South Riverside, wohingegen sich das Hostel in North Riverside befindet) in der Liste der Stadtbezirke mit recht hoher Diebstahlrate auf. Und es steht auch ganz oben auf der Liste der Gegenden, in denen Verbrechen mit rassistischem Hintergrund geschehen. Drogenmissbrauch ist ebenfalls ein bekanntes Problem. Ich will jetzt nicht den Teufel an die Wand malen, aber ich persönlich habe es immer vermieden, des nachts alleine durch Riverside zu wandeln, und man sollte vielleicht auch nicht öffentlich mit tausend Goldkettchen und Diamantencolliers rumklimpern. Kurz gesagt: Man sollte die Armut der Leute respektieren, und nicht demonstrativ den reichen Touristen raushängen lassen).

So, ich hoffe, ich habe damit niemanden verschreckt, denn das Cardiff Backpacker Hostel ansich ist toll! O.k., die Zimmer sind ein bisschen beengt, und unsere Türklinke macht's bestimmt nicht mehr lange, aber erstens mal gefällt mir die verschachtelte Architektur (um zu meinem Zimmer zu kommen muss ich durch die Haustür (kommt man nur durch Klingeln rein), geradeaus durch die Flurtür (gesichert durch einen Zahlencode), die Treppe rauf, 180° links rum, wieder Treppe rauf, 90° nach links, eine Stufe hoch, 90° nach links, drei Schritte durch nen Gang bis 90° nach rechts eine Tür kommt, dann durch die Tür und wieder links abbiegen, durch nen Flur mit ner Tür am Ende, da wiederum durch, 90° nach links schwenken, Treppe runter, da is ja schon meine Zimmertür (d.h. die erste von zweien), jetzt nur noch irgendwie aufkriegenverdammteKlinke, Mist, aha, klappt ja doch, dann durch nen kurzen, dunklen Flur (Licht gibt`s zwar, funzt aber nich), und am Ende endlich endlich die eigentliche Zimmertür. Im Zimmer selbst gibt's dann noch eine weitere Tür, die zu einer kleinen Küche mit Spülbecken aber ohne Ofen, sowie einer nicht abschließbaren Toilette führt).
Zweitens gibt's nen hübschen kleinen Dachgarten mit Hängematte und Grillmöglichkeit.
Drittens einen sehr schönen Ess- und Aufenthaltsraum mit offener Küche (gute Küche auch, besonders weil die Geschirrtrockentücher ausnahmsweise mal fast immer sauber waren (ist nicht immer Standard in Hostels...)) und einer Bartheke. An zwei Seiten des Raumes sind große Fenster, durch die man herrlich beobachten kann, was auf der Straße grad so abgeht. Außerdem gibt`s ne mittelgroße Video- und Fernsehleinwand in einer Ecke. Nebenan geht`s dann zum Fernseh-, Internet- und Billiardzimmer, sowie zu einer Toilette und der "Wäscherei" (eine Waschmaschine, ein Trockner - Waschen kostet zwei Pfund, Trocknen (60 Minuten) ein Pfund). Im Fernsehzimmer gibt`s sehr sehr bequeme Sofas *seufzel*.
Die Mitarbeiter des Hostels sind sehr nett, die Räume gut gepflegt, zum Frühstück gibt`s gratis Toast und Marmelade soviel man will - was will man mehr?
Werde jetzt wohl besser Licht ausmachen. Andere Leute wollen schlafen...

 

15.08.02
Donnerstag

13h
Cardiff Castle, Innenhof
Wie schon mal erwähnt, die Gegend rund um den Bahnhof von Cardiff gefällt mir mal gar nicht besonders. Bis jetzt bin ich auch noch in keine so richtig vom touristischen Standpunkt attraktive Umgebung gekommen, aber zugegebenermaßen war ich auch erst in zweieinhalb Straßen, und soweit ich auf meiner Karte erkennen kann, liegt das eigentliche Stadtzentrum rechts vom Castle (wohingegen ich links vom Castle residiere). Das Castle ist sozusagen der Knackpunkt. Naja, und die Straßen, die ich bisher gesehen hab, geben mir halt so ein bisschen den Eindruck einer "armen" Stadt. Aber einer armen Stadt mit viel noch ungenutztem Potential und offensichtlich dem Willen, sich zu verbessern. 2008 wird Cardiff eventuell für ein Jahr europäische Kulturhauptstadt - so steht's hier am Castle auf großen Plakatbannern angepriesen. Und wenn man sich ansieht, wie hervorragend Glasgow diesen Titel und die damit verbundenen Fördergelder genutzt hat, dann denk ich mir, wird Cardiff spätestens 2010 sicher ne Perle von Stadt sein.

Schöne Parks, ein klasse Castle und ein beeindruckendes Stadion hat`s hier ja mindestens schon. Und Pfauen. Die laufen im Innenhof des Castles rum, dann und wann auf der Flucht vor Kindern und anderen, die sie gerne mal betatschen wollen. Wie ich gerade auf der Führung durchs Schloss hörte, müssen die armen Tierchen gelegentlich in Kur geschickt werden, weil das Castle-Leben so stressig ist. Aber Cardiff Castle ohne Pfauen wäre wie der Tower von London ohne seine Raben.
Wo ich gerade die Führung erwähnte: Ohne geht's wohl nicht, d.h., man kommt gar nicht erst auf eigene Faust ins Gebäude rein. Man würde aber auch einige wissenswerte Details verpassen, besonders weil sich die Gestalter der aktuellen Innenausstattung (aus dem 19. Jahrhundert, sehr farbenfroh und verspielt) ne Menge bei der Wahl der Motive und Designs gedacht haben. Da gibt`s z.B. einen Raum, der die Zeit zum Thema hat, in dem Darstellungen der Wochentage, Monate, Jahres- und Tageszeiten zu sehen sind. Es gibt einen arabischen Raum, ein Spielzimmer mit Illustrationen verschiedener Märchen an den Wänden, inklusive dem Bildnis eines unsichtbaren Prinzen, den man ohne einen entsprechenden Hinweis leicht übersehen würde. Es gibt einen Festsaal mit Familienstammbaum an der Decke, und ein luxuriöses Esszimmer, an dessen Wand ein interessantes kleines Holzäffchen eine ganz bestimmte Aufgabe hat... aber die verrate ich jetzt nicht, sonst ist ja der Überraschungseffekt dahin.
Wenn man keine Führung mitmachen und überhaupt das Castle nur von außen sehen will, kann man sich auch ein "Grounds Only"-Ticket holen. Das ist dann auch logischerweise billiger, und ermächtigt seinen Besitzer zum Besuch des Innenhofs mit seinem Café, seinen Pfauen und auch des separaten Gebäudes "The Keep" - das ist eine Art Burgfried, denke ich. Auf jeden Fall ein einzeln stehender kleiner Turm mit Burggraben und Zugbrücke, in den sich die Schlossbewohner bei Gefahr geflüchtet haben. Von oben hat man einen netten Ausblick auf die umliegende Stadt. Besonders beeindruckend dabei der Blick Richtung Millenium Stadium - krasser Kontrast mit dem Castle direkt davor...

Übrigens habe ich jetzt wieder einen Lonely Planet Reiseführer, und erstaunlicherweise war der hier ganze 5 Euro billiger als in Deutschland. Immerhin ein kleiner Trost...
Jetzt krieg ich aber mal mächtig Hunger. Ich denke, ich werde nun die eigentliche Shoppingmeile besuchen, hoffentlich auch ein günstiges Internetcafé finden, und vor allem irgendwo Verpflegung einholen. Ansonsten sehen wir mal, was mein Lonely Planet mir so empfiehlt.

19h40
im common room
Kopfschmerzen... ich hasse Kopfschmerzen... aber wenn ich so aus dem Fenster auf die Straße schaue, glaube ich, es gibt Menschen, denen geht`s grad deutlich dreckiger als mir. Ich weiß ja nich, ob die eigentlich recht gepflegt aussehende junge Dame da draußen auf nem Drogentrip ist, oder ob die einfach nur totmüde ist... was ich bezweifle... wie auch immer, auf jeden Fall hängt die da an der Hauswand rum (stehend) wie ein wiederholt abbrechendes Fragezeichen. Ein Hoch auf die kreative, situationsbedingte Anpassung von Sprichworten.
Aha, die Dame ist aufgestanden, und bewegt sich nun erstaunlich schwankungsfrei Richtung Newsagent.
Mir ist schlecht... scheiß Kopfschmerzen. Schon mal gemerkt? Kopfschmerzen sind ein wiederkehrendes Motiv in meinen Reiseberichten. Kommt davon, wenn man sowieso schon dauerverspannte Schultermuskeln noch zusätzlich mit Rucksäcken belastet. *urgs* So spart man sich Abendessen...

22h30
im Bett
Habe mich zwischenzeitlich mit viel Aspirin (vom Newsagent gegenüber) und Fernsehen zugedröhnt. Jetzt geht`s mir besser, die Kopfschmerzen sind nur noch marginal spürbar, aber dafür bin ich nun doch ein bisschen hungrig.
Aber schnell, schnell noch von den Ereignissen des Tages erzählt, bevor ich wieder das Licht löschen muss, zum Wohle meiner Mitbewohnerinnen... sehr bald nach dem Besuch von Cardiff Castle betrat ich erstmals die echte Innenstadt (gleich auf der anderen Straßenseite gelegen) - und ich war überaus positiv überrascht und eingenommen! Prinzipiell eine ganz normale Shoppingmeile, aber mit auffallend vielen Malls, vielen Blumen, Wegweisern und aus irgendeinem Grunde (Kirmes oder permanente Einrichtung?) vielen Karrussels. Natürlich gibt`s auch nen LUSH-Shop, aber, möchte ich doch mal anmerken, ich hab da diesmal keinen Penny gelassen! Bin nur kurz zum Energie schnüffeln reingehüpft...

Dummerweise bin ich auch auf ein paar Buchläden gestoßen, einer davon sehr billig, der andere gewohnt teuer. In beiden konnte ich mich nicht ganz beherrschen - aber zumindest der brandneue Thesaurus für ein Pfund (weil im Inhaltsverzeichnis Tehsaurus stand) ist ja wohl ne echt vernünftige Anschaffung, gelle? Und dem Treasure Island-Hörspiel + Kurzromanfassung mit Aufgabenbuch konnte ich als Sammlerin selbstverständlich auch nicht widerstehen...
Aber aus diesen (und ein paar anderen, nicht erwähnten) Ausrutschern muss ich leider eine bedauerliche Konsequenz ziehen: Eigentlich wollte ich ja morgen in die Stadt der Second-Hand-Buchläden, Hay-on-Wye, fahren. Könnt ihr euch vorstellen, wie ich da wüten täte? Nee, also, das kann ich mir beim besten Willen in diesem Urlaub nicht mehr leisten. :o(
Aber macht nichts. Cardiff hat ohnehin viel mehr zu bieten, als ich an diesem einen Tag schaffen konnte. Also gehe ich morgen das National Museum anschauen. Allein das kann schon locker einen ganzen Tag füllen. Ist nämlich riesengroß, klingt verdammt interessant, und noch dazu ist der Eintritt frei!
Diesmal werde ich aber nicht den Fehler machen, wie damals im Castle Museum von York - ich bin auf einen langen Tag gefasst, und werde mir haufenweise Verpflegung mitnehmen! Was mich daran erinnert, wie hungrig ich gerade bin. Aber jetzt ist wieder Zeit zum Licht ausmachen, und geschmaust wird dann halt morgen früh.

 

16.08.02
Freitag

13h
im Restaurant des National Museum in Cardiff
Menschenskinder, ich hab keine Kondition! Ich lauf hier erst seit ungefähr einer Stunde rum, schwächel aber schon total. Brauchte ne Cola, sitze daher hier im Museumsrestaurant. Aber leider trau ich mich hier nicht, meine Kekse auszupacken. Muss ich wohl gleich ein bisschen vor die Tür gehen, frische Luft wär ja ohnehin nicht das Schlechteste. Besonders weil's hier im Restaurant tierisch nach diesem vermaledeiten Soda-Backmittel stinkt! Von dem Geruch krieg ich Pocken! Nicht wirklich, natürlich...
Aber was hab ich denn bisher für Eindrücke gesammelt? Also, zuerst mal hab ich die Erdgeschichte chronologisch durchlaufen. Das war sehr nett gemacht und es gab auch viele, viele Informationstexte zu lesen, und Exponate zum Anfassen (vor allem Gesteinsproben, aber ausdrücklich bitte nicht Bert das Bison, weil der schon genug Glatze hat, danke sehr), aber ich fürchte, allzuviel Neuwissen ist nicht hängengeblieben. Obwohl ich im Gegensatz zu den meisten anderen Besuchern tatsächlich einen Großteil der Tafeln gelesen hab, und auch alle Filmchen hab ich mir angeschaut. Sowohl die Tafeln als auch die Filme sind übrigens konsequent zweisprachig gehalten - Walisisch und Englisch. Das fällt mir hier viel deutlicher auf als bisher in Schottland - die Ursprache des Landes ist in Wales definitiv präsenter. Und klingt verdammt cool, auch wenn ich natürlich leider kein einziges Wort verstehe... Doch zurück zur Erdgeschichtsausstellung.
Vieles kannte ich schon aus der Schule, die Entstehung der Erde, Vulkane, Lava, Erdzeitalter, vom Einzeller zum Vielzeller, Urwald in Urzeiten, Dinosaurier, Mammuts (die Mammut-Mami müsste mal geölt werden, die quietscht *hehe*)... Aber es war halt doch mal ganz interessant, die ganze Geschichte am Beispiel eines einzigen, kleinen Teils der Erde, nämlich Wales, zu sehen. Zu sehen, wie Wales mal Teil dieses Kontinents, mal jenes Kontinents war; wie es größtenteils unter dem Meeresspiegel lag, wie sich Gebirge formten, und wie die Eiszeit übers Land kratzte. Und Dinosaurierskelette sind ja auch immer sehr beliebt.
Zeit, wieder aufzubrechen.

18h
im Bett
Chillen ist angesagt. Werde jetzt keine Romane schreiben (hoffe ich), sondern mich zurücklehnen und lesen. Muss ja auch noch das Buch fertigkriegen, das Marie mir bis zu unserem Wiedersehen geliehen hat.
Vom National Museum hab ich längst nicht alles gesehen - irgendwann konnte ich einfach nicht mehr. Die Kunstabteilung hab ich komplett weggelassen. Stattdessen hab ich mir die archäologischen und biologischen Räume angesehen, wobei besonders die Archäologischen klasse waren. Bei der Biologie gab's zum Beispiel ein original Walskelett - das arme Tierchen, damals vermutlich ca vier Jahre alt, war 1982 tot an den Strand gespült worden. Und was sagt uns das? Der Wal ist im selben Jahr geboren worden wie ich! ;oP Lacht ruhig, aber irgendwie hab ich mich dadurch mit ihm besonders verbunden gefühlt. Außer dem Skelett gab's noch eine Audio- und eine Videovorführung über Wale. Und so ungefähr das Gleiche gilt für Schildkröten, wobei da auch viel Wert auf deren Bedrohung durch den Menschen gelegt wurde.
In der Archäologie gab's ebenfalls ein Minikino, und das hat mich ja mal total in seinen Bann gezogen! Mann, ich liebe Ausgrabungen! Und ich hoffe, dass Marie, wenn sie denn fertige Archäologin ist, mich mal zu einer mitnimmt =0). Das Interessanteste an dieser Sache im Museum war, dass man die im Film gezeigten Fund"stücke" - d.h., die bei den Ausgrabungen gefundenen Skelette - dann auch im Museum sehen konnte, und, was das Beste war, man hat ihre Gesichter rekonstruiert. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht freakig, aber ich finde sowas ganz toll ;oP.
Und das war dann auch genug freudige Aufregung für den Tag, also hab ich danach, um ca 15h, aufgegeben.
Hinterher bin ich nochn bissken durche Stadt getappert, hab's Internetcafé (in der Church Street, halbe Stunde = ein Pfund) besucht, dann ein bisschen im Bute Park abgehangen. Herrliches Wetter, herrlicher Park, herrlich, herrlich.
Oh, noch ne Observation: Nationalstolz und vor allem Englandfeindlichkeit sind hier in Wales sehr viel deutlicher ausgeprägt als in Schottland. Oder, sagen wir mal, aggressiver und offener.
Nur so als Beispiel mal ein paar Sprüche von verschiedenen Gegenständen (T-Shirts, Teller, Untersetzer, Schlabberlätzchen, Mützen) aus dem Souveniershop:

  • You can take the boy out of Wales, but you can`t take Wales out of the boy.
  • Born to play for Wales. (Rugby-Schlabberlatz, auch gern auf Kinder-T-Shirts)
  • I only support two teams - Wales and anybody who plays England.
  • Every morning I wake up and thank the Lord I'm Welsh.
  • Never forget you`re Welsh.
  • To be born Welsh is to be born priviledged... (dem folgt ein ganzer Text in der Art)
Und dann die roten Drachen überall. Hier könnte man glatt ne Rote Drachen-Allergie entwickeln. Es sei denn, man steht auf Drachen, so wie ich, oder das Ganze geht einem prinzipiell sowieso völlig am A vorbei.
Lesen jetzt...