17.08.02
Samstag
19h
Snowdon Lodge, im common Room
Nun hab ich doch noch nen Hausberg bestiegen (der hinter der Stirling University ist mir ja leider aufgrund von Zeitmangel und Schlechtwetterverhältnissen entgangen). Da ich erst um ca 15h hier in der Snowdon Lodge ankam, hatte ich schon befürchtet, der Tag sei fortan nur noch zum Rumgammeln zu gebrauchen. Ich mein, klar zu nem vernünftigen Ausflug in den Nationalpark hätte es nicht mehr gereicht. Mal ganz davon abgesehen, dass ich dann keine Ahnung gehabt hätte, was so ganz alleine da tun. Kann ja nicht einfach auf den erstbesten Wanderweg einbiegen, und mal drauf hoffen, dass ich mit meinen uralten Doc's, nem halben Liter Wasser und ner handvoll Kekse den Weg zu nem hübschen Gipfel und zurück überlebe.
Für den Trip rauf nach Blaenau Ffestiniog und den Schieferminen braucht man auch einen kompletten Tag. Was also tun? Eventuell hätte ich mir einfach Porthmadog (wo mein Zug angekommen ist) und Tremadog (wo das Hostel steht) angeschaut, aber dann wär ich nur wieder in Versuchung gekommen, Geld auszugeben, dass ich nicht habe...
Glücklicherweise kam aber alles ganz anders.
Kaum hatte ich das Hostel betreten, und mich mittels der Rezeptionsklingel bemerkbar gemacht, schon wurde ich allerliebst umsorgt. Carl, der Besitzer, fragte mich, was ich denn so vorhätte, und ich sagte was von Bergen und Wandern für Dummies (inhaltlich, nicht wörtlich...), woraufhin mich Carl in den Garten führte, und mir einen nahegelegenen, schnell zu erklimmenden Hügelberg zeigte. Aufstieg und Abstieg jeweils ca eine halbe Stunde, meinte Carl, gelegentlich ein bisschen steil, aber ein klasse Einstieg, um mal einen Überblick über die Umgebung zu kriegen.
Voller Begeisterung machte ich mich sogleich auf den Weg... naja, fast. Erstmal gab's ne kleine Hostelführung (alle anderen Gäste waren gerade ausgeflogen) - es gibt ne kleine, gemütliche Bar, ein supergemütliches Kamin- und Fernsehzimmer, eine wunderbar ausgestattete Küche, ein großes Esszimmer, Internet, ein Payphone, einen Garten mit Grillmöglichkeit und einem Gartentor... und dieses Gartentor ist wichtig, denn es führt in einen Wald hinein, in dem man herrlich spazierengehen kann (unter anderem auch auf dem Weg zum Hausberg). Die Zimmer sind auch sehr schön (ich bin in Zimmer 2, einem 8-Bett-Zimmer), pro Bett gibt es einen Spintschrank, und außerdem haben die Zimmer Waschbecken. Toiletten und Duschen sind auf dem Flur. Auf einer der Toiletten wurde angeblich Lawrence von Arabien geboren, und wenn schon nicht da, dann doch zumindest irgendwo sonst im Haus.


Tja, nach der Hostelführung hieß es dann noch zwei wichtige Dinge zu erledigen - einmal das Gepäck ins Zimmer schleppen (Danke für die tatkräftige Mithilfe, Carl! :o)), und vor allem Essen fassen! Ich machte mir also wiedermal eine dieser tollen Fertigtütennudelsuppen, und plauschte derweil mit Carl und seiner mittlerweile hinzugekommenen Partnerin Anja. Wie sich herausstellte, sind die beiden erst seit ca drei Monaten hier, und kommen ursprünglich aus England (Carl) und Deutschland (Anja). Und beide sind sehr, sehr nett!
Dann ging's aber endlich ab auf den Berg... Hügel... wie auch immer. Der Aufstieg dauerte tatsächlich nur ungefähr eine halbe Stunde, war aber ordentlich schweißtreibend. Und matschig. Und wunderwunderschön!!! Aber noch viel schöner war natürlich der Ausblick von der Spitze. Erst wollte ich gar nicht bis ganz oben, d.h. bis auf die Spitze der Felsen, die noch als so eine Art extra Miniaturberg auf der Hügelspitze thronen. Da kletterten nämlich ein paar "echte" Bergsteiger mit Seilen und so dran rum, und die wollte ich nicht stören. Aber nachdem ich ein bisschen die Gegend erkundet hatte (und feststellen musste, dass man wirklich nur von da ganz oben in die andere Richtung sehen können würde), fand ich auch den Pfad zum Gipfel, und da die Kletterer auf der genau gegenüberliegenden Seite rumkraxelten, machte ich mich auch auf den Weg nach oben. Und was soll ich sagen? GEILER Ausblick! Halb im Dunst versunkene Berggipfel in der Ferne, 40 shades of green im Vordergrund.

Hunger!
Schnell noch ein paar Worte zum Rest des Tages: War relativ ereignislos. Zugfahren halt... zwei Mal umsteigen (in Shrewsbury und Machynlleth), heftig viele laute Leute, habe mehrere Dutzend Seiten meines aktuellen Lesestoffs konsumiert, bin zwischendurch mal fast von einer aus der Gepäckablage fallenden Reisetasche erschlagen worden... die war zum Glück nicht mal halb so schwer wie mein Rucksack, obwohl von der Größe her durchaus ähnlich, sonst hätt ich jetzt wahrscheinlich nen Genickbruch... oder wenigstens ne schwere Gehirnerschütterung. So blieb`s bei einem lauten Scheppern und einem kleinen, stillen Schock. Ich will gar nicht wissen, wie dumm ich im ersten Moment aus der Wäsche gekuckt haben muss. So'n kleiner Junge ein paar Sitze weiter hat sich jedenfalls köstlich amüsiert. Mein Sitznachbar dagegen, ein netter, junger Waliser, war eher besorgt, und erkundigte sich sofort nach meinem Wohlbefinden. So kann man auch ins Gespräch kommen. Wir haben uns zwar jetzt nicht wirklich ausführlich unterhalten - aber immerhin wusste ich am Ende meiner Reise, wohin der junge Mann unterwegs war (Holyhead, also noch ein Stückchen weiter im Norden als ich), und dass auch er in Gegenwart von Bienen nervös wird (wohingegen die Dame vor uns ganz ungeniert nach dem Tierchen schlug, uns somit *noch* nervöser machte, aber letzten Endes die Biene wohl plattmachte. Hm.). Außerdem wurde über den niedrigen Sauerstoffgehalt im aufgeheizten Zug geklagt. Und vor allem wäre ich wohl ohne die Mithilfe dieses netten Jungen (und auch einiger anderer) nicht da angekommen, wo ich hinwollte, denn das Umsteigen in Machynlleth ist nicht wirklich ein Umsteigen, sondern mal wieder lediglich eine Frage des richtigen Waggons - ganz wie in Crianlarich/Schottland wird auch hier der Zug auseinandergekoppelt, und die Waggons fahren in unterschiedliche Richtungen weiter. Da der Zug ziemlich voll war, sorgte das natürlich mal wieder für heilloses Chaos. War ja absehbar. Da sind die planmäßigen fünf Minuten Abkopplungszeit echt ein bisschen optimistisch gerechnet. Letzten Endes waren`s dann 15.
Ich geh dann jetzt mal essen...

18.08.02
Sonntag
22h30
im Zimmer 2
Bin viel zu müde, jetzt noch groß was zu schreiben. Aber damit hier keine unnötige Lücke entsteht: Es war ein sehr sehr schöner, wenn auch teurer Tag. Habe allein 14 Pfund für die Fahrkarte der Ffestiniog Eisenbahn, und nochmal 10 Pfund Eintritt für die beiden Schieferminentouren hingeblättert. Der Britrail Flexipass ist auf der Ffestiniog Railway leider nicht gültig...




O.k., ums ganz kurz zu machen:
Bin Zug gefahren, saß mit einer englischen Großfamilie (bzw einer Gruppe von Kindern mit ihren Eltern, Tanten, Onkels und Großeltern) im Waggon, habe mich später (auf dem Weg zur Schiefermine) mit denen unterhalten und bin dann von ihnen zum Lunch eingeladen worden (Brot? Käse? Wie wär's mit ner kleinen Tüte Chips zum Nachtisch? Noch ne Banane? Ein Bonbon?).
Die erste, "kleine" Minentour (Mine Tramway) haben wir gemeinsam gemacht, und dann waren die Leuts mir so ans Herz gewachsen, dass ich ein Foto von ihnen machen musste, und Adressen getauscht haben wir auch.
Danach machte sich die Familie schon wieder auf den Heimweg, aus Angst, den letzten Zug zu verpassen, aber obwohl ich selbige Angst teilte, wollte ich nur ungern mein bereits gekauftes Ticket für die Deep Mine-Tour verfallen lassen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich die Tour wirklich gerne machen wollte.
Zum Glück war mittlerweile die Warteschlange deutlich kürzer geworden (als ich an den Minen ankam, betrug die Wartezeit für die Deep Mine-Tour 1 1/2 Stunden, für die Tramway 1/2 Stunde, später dann für die Deep Mines nur noch ca 30 Minuten). Und da ich ja nun allein unterwegs war, wurde ich noch eben in die Grubenbahn reingequetscht, sonst hätte ich nochmal 10 Minuten warten müssen.
Die Tour war super! Richtig schön tief, tief, tief nach unten ging`s, kalt war's, dunkel und man spazierte durch herrlich weitläufige Gewölbe und niedrige Gänge... genau mein Ding! Wäre bestimmt ein guter Zwerg geworden *hehehe*. Naja, vielleicht dann doch auch wieder nicht, denn die beschriebenen Arbeitsbedingungen sagten mir nicht wirklich zu. Die Jungs da unten hatten früher lediglich Kerzenlicht, und wenn dann ne Sprengung anstand, und man innerhalb von drei Minuten außer Reichweite sein musste... und dann die langen Arbeitszeiten. Dazu passt sehr gut ein Lied der Oysterband, auch wenn es inhaltlich eigentlich um die stillgelegten Kohleminen im Süden von Wales geht (im Rhymney Valley): "It stands so proud, the wheels so still, a ghost-like figure on the hill. It seems so strange, there is no sound. Now there are no men underground. What will become of this pit-yard? Where men once trampled, faces hard? Tired and weary, their work done. Never having seen the sun. Will it become like sacred ground? Foreign tourists gazing round. Asking if men once worked here, way beneath this pit-head gear..."

Gänsehautatmosphäre pur. Teilweise stand man für einige Sekunden im Stockdunkeln, was zum Glück keines der anwesenden Kinder in Schreikrämpfe versetzt hat. Allerdings fiel etwa alle zwei Minuten ein Helm scheppernd zu Boden. Man muss ja auf den Touren Schutzhelme tragen (was auch durchaus nicht nur symbolischen Wert hat, denn die Decken in den Gängen sind wiegesagt manchmal recht niedrig), und den Kleinsten passen die halt nicht vernünftig.
Auf jeden Fall lohnt sich diese Tour sehr! Wunderschöne Lichteffekte, und natürlich viele interessante Einblicke in das Arbeitsleben der Bergleute.
Den letzten Zug hab ich auch noch locker gekriegt, und im Hostel angekommen gab`s dann Kartoffelpamps und Erbsen à la Annika (=darf man keinem ernsthaft von anbieten... schmeckt sch...bescheiden), und zum Ausspannen Mission Impossible im Fernsehen. Außer mir, Carl und Anja sind nur noch zwei Chinesen (oder Japaner?) im Hostel. Und da die nicht in Zimmer 2 nächtigen, hab ich acht Betten und zwei Waschbecken komplett für mich. *hahaa* Betten... das Wort erinnert mich an Schlafen... schlafen... jaaaa!
Aber vorher noch eben schnell ein fettes Dankeschön an Carl und Anja, dank deren Service ich mir hier fast schon wie in nem Hotel mit Familienanschluss vorkomme! Danke, danke, danke! :o)

19.08.02
Montag
14h40
am Hang des Snowdon, die Füße im Bach

Es ist hier ein bisschen wie aufm Rummelplatz - nicht weniger als vier Familien teilen sich ca 20m Gebirgsbach mit mir, aber es ist trotzdem wunderschön! Eventuell vorhandenes Kindergeplärre wird vom rauschenden Wasser übertönt, es regnet nicht (aber die Sonne scheint auch nicht so richtig), und die Umgebung ist einfach umwerfend. Und was das Beste ist: klares, tiefes, aber nicht zu tiefes, Wasser!!! Am liebsten würde ich ja hier schwimmen gehen, aber dieser Wunsch steht und fällt mit der schwankenden Intensität der Sonneneinstrahlung. Momentan ist's mal eher kalt. Außerdem habe ich keinen Badeanzug dabei, obwohl ich's ja hätte wissen müssen, ich Arsch. Anja hat mir extra diesen Weg empfohlen, weil der an so einem schönen Bach entlangführt... arg... ich *Arsch*. Naja egal. Zur Not könnt ich mich auch in Unterwäsche hier reinstürzen (da hab ich immerhin dran gedacht... *harhar* nein, das meinte ich jetzt gar nicht, der Satz geht nämlich noch weiter: ..., keine *weiße* Unterwäsche anzuziehen. Denn wie jedermann weiß, wird die ja in nassem Zustand durchsichtig. Und zu welch drastischen Maßnahmen dieses Wissen, gepaart mit dem unbändigen Wunsch, schwimmen zu gehen, führen kann, sahen wir ja bereits im Schottlandurlaub 2000...). Aber es ist doch verdammt kalt... nicht tödlich kalt, sonst wär der kleine, dicke Junge da ein Stückchen weiter oben am Bach nicht mehr so quicklebendig. Der macht hier immer den Rundlauf: rein ins Wasser, am anderen Ufer wieder raus, rennen, rennen, über das Steinbrückchen ans andere Ufer, rennen, rennen, reinspringen...
Sonne, komm doch wieder! Doch wieder! Zurück! Puleeeeeeeeeaze! Anyway...
Der Weg, auf dem ich hier so gemütlich (wenn auch leicht frierend) raste, heißt der "Watkin Path", und ist prinzipiell mal der schwierigste Weg rauf zum Gipfel des Snowdon. Aber schwierig wird er erst ein Stückchen weiter oben - bis hierhin zum Bach und den Ruinen der Minengebäude (auch hier wurde Schiefer abgebaut) ist er noch absolut familientauglich. Offensichtlich.




Wie gesagt hat mich Anja auf diese für Alleinreisende ideale kleine Wandertour hingewiesen. Wieder einmal ein Grund, mich ganz herzlich zu bedanken! Was hätte ich nur ohne euch beiden gemacht?
Und es geht ja noch weiter! Ich hatte nämlich dank mangelnder Planung den ersten Bus Richtung Snowdon schon verpasst - es war ca 11 Uhr, und der nächste Bus sollte erst um ca 13h fahren. Kein Beinbruch, aber irgendwie doof. Aber wieder retteten mich Carl und Anja, indem sie mir eine Mitfahrgelegenheit organisierten. Da war nämlich dieser Typ, der alle paar Wochen oder Monate vorbeikommt, um die Auslagen der Informationsblätter auf schwarze Schafe zu überprüfen (da darf nur drin stehen, wer auch einen Vertrag hat). Und da der zufällig als nächstes nach Beddgelerth musste, was auch mein Ziel war, hat Carl ihm mein Problem vorgetragen, und - schwupps - schon durfte ich mitfahren!
Auch ein sehr netter Mann - unterhalten haben wir uns übers Wetter (in den letzten Jahren wurde ich ja immer gleich auf München, Oktoberfest und Autobahnen angesprochen, wenn ich mich als Deutsche outete, dieses Jahr kommt immer gleich: "Ach Gott, die Flutkatastrophe! Ist ja schlimm, was da bei dir zuhause gerade passiert..."), über den Niedergang des Bergbaus und die zunehmende Krise des Tourismus und überhaupt der Wirtschaft... schwierige Zeiten.
Uh, es sieht nach Regen aus...
16h
am Parkplatz bei Pont Bethania
Mein Abstieg wohl ein bisschen verfrüht - bisher kein Regen, aber mir wurd's eh kalt, also hab ich mich wieder auf den Weg nach unten gemacht. Hier ist es aber zugegebenermaßen auch nicht viel besser... weit und breit kein Café - was ja eigentlich gut ist, sonst wär's ja mal wieder typisch touristisch ausgebaut, aber jetzt gerade fänd ich das nicht schlecht... denn bis der Bus Richtung Porthmadog kommt, muss ich noch lange warten. Lange lange. So bis ca 17h30. *seufz*
Ich könnte auch nach Beddgelert zurücklaufen, aber eeeeeh... will nich... bin grad so schön wohlig müde.
Solang's nicht anfängt zu regnen, kann ich's hier auf der Mauer wohl auch ganz gut aushalten. Ich könnte auch per Anhalter fahren... *schluck*... trau mich nich... lieber noch ein bisschen Schreiben: Der nette Herr Prospekteüberprüfer hatte mich ja wiegesagt in Beddgelert rausgelassen. Dort bin ich einer weiteren Empfehlung Anjas gefolgt, und habe den berühmten Eisladen, Glaslyn Ices, mit der halbrunden Theke voller hausgemachtem Spezialeis aufgesucht. Habe mir eine Kugel Ferrero Rocher-Eis für ein Pfund gegönnt. Ein kulinarischer Orgasmus, wie Jütte sagen würde ;oP.
Von Beddgelert selbst hab ich nicht viel gesehen, wohl aber genug, um sagen zu können: sehr pittoresk. Bestimmt ein netter Urlaubsort für ein paar Tage.
Ich bin dann ungefähr eine Stunde lang die Straße entlang Richtung Nant Gwynant gelaufen. Gelegentlich war das Ganze ein bisschen beängstigend, weil's keinen Bürgersteig gab, und die Autofahrer so taten, als gäb`s auch generell keine Fußgänger, ganz besonders nicht hinter uneinsehbaren Kurven. Davon aber mal ab, ein herrlicher Spaziergang.



21h
TV-Zimmer im Hostel
Ööh... kann mich nicht wirklich konzentrieren... catchy TV-Serie... ach ja, wollte eh nur erwähnt haben, dass mir auf der Busfahrt vorhin zurück nach Tremadog ordentlich schlecht geworden ist - wirklich schlecht. Wenige Minuten und haarsträubende Absackerkurven mehr, und ich hätt's garantiert nicht mehr bei mir halten können. Böser böser Fehler, diesen Fahrern Minibusse zu geben - die irischen Busfahrer mit ihren großen Reisebussen sind ja schon schlimm - dachte ich... aber mit so kleinen, flinken Bussen kann man auf diesen engen, beidseitig mit Mauern umschlossenen Achterbahnstraßen noch viel unheilverheißender fahren.
Darauf gab's dann ein angemessen "köstliches" Abendessen - die kalten Reste von Kartoffelpamps und Erbsen von gestern. Yum yum.
20.08.02
Dienstag
15h40
im Virgin Voyager Birmingham-Edinburgh (den ich in Newcastle verlassen werde)
Scheiße. Telefone sind scheiße. Ganz besonders dann, wenn man auf sie angewiesen ist, aber nix funzt.
Ich hab zwar Marie gestern online eine Nachricht über mein heutiges Kommen hinterlassen, aber ob sie diese Nachricht gesehen hat, ist so die Frage. Um sicher zu gehen, wollte ich sie gestern abend noch auf ihrem Handy anrufen. Hab ich auch gemacht, aber die Verbindung war nach dem ersten "Hello..." wieder futsch. Und weil ich blödes Kind dann erstmal die Schnauze voll vom Telefonieren hatte, hab ich mir gedacht "Morgen anrufen reicht auch noch." Das ich heute komme, stand ja theoretisch schon vor einer Woche fest. Aber ich hätte doch ganz gerne eine Bestätigung, dass ich nicht bei Ankunft einsam und verlassen am Bahnhof stehen werde.
Leider leider hat dann heute halt telefontechnisch gar nichts geklappt. In Porthmadog gab`s in Bahnhofsnähe kein Telefon (hab zumindest keins gesehen), und es war wohl eh noch ein bisschen früh am Tag (ca 10 Uhr). Aber in Birmingham New Street hatte ich ja theoretisch 23 Minuten Zeit zum Umsteigen und Telefonieren. Dummerweise war aber Maries Handy gerade besetzt, als ich anrief, und nachdem ich mir dann noch dringend benötigte Verpflegung gekauft hatte, hatte ich nur noch sieben Minuten Zeit, was ich ein bisschen knapp fand. Ich hass das, wenn die Telefone am Bahnhof nicht auf dem Bahnsteig, sondern irgendwo im hintersten Eck rumstehen. Überhaupt nicht praktisch gedacht... Aber in so einem modernen Zug wie dem Virgin Voyager wird`s ja bestimmt Telefon geben...
Naja, der Zug kam dann erstmal ne halbe Stunde zu spät, aber immer nur häppchenweise angekündigt (expected time of arrival 14:48... 15:05... 15:09... 15:12... 15:13...), also traute ich mich nie runter vom Bahnsteig zu den Telefonen.
Als der Zug endlich kam, fand ich im letzten Waggon immerhin einen Sitzplatz - nach Murphy's Gesetz musste das Zugtelefon nun zwei Bedingungen erfüllen: a) es muss sich möglichst weit weg befinden, und b) es darf nicht funktionieren. Was natürlich auch der Fall war. Jedenfalls mit *meiner* tollen Telefonkarte funktionierte es nicht.
Tja, jetzt schaumer mal bissi dumm auße Wäsche, gelt? Weil, in Newcastle hätte ich theoretisch 43 Minuten Aufenthalt, bevor's weiter nach Hartlepool geht. Aber wenn man bereits drei Stunden vorm Ziel 33 Minuten Verspätung hat, dann wird's gewöhnlich auf der noch zu bewältigenden Strecke eher noch schlimmer. Ich weiß nicht recht, was ich hoffen soll - dass Marie meine Nachricht gekriegt hat, und dann eventuell umsonst auf mich wartet, weil ich den Zug in Newcastle verpasse und ihr nicht mehr rechtzeitig Bescheid sagen kann, oder ob sie noch gar nichts von ihrem Glück weiß, und ich umsonst warte...
Könnte ich doch nur sms-en... (was das betrifft eine kleine technische Info: Ich hab keine Ahnung von Handys, und habe mir auch sowieso nur eins angeschafft, weil ich sonst auf dem Uni-Campus keinen Menschen finden könnte - alles was ich weiß, ist, dass ich mit meinem Handy hier in Großbritannien zwar sms empfangen, aber nicht versenden kann. Telefonieren könnte ich theoretisch auch, aber wäre erstens schweineteuer, und zweitens wär unter den gegebenen Umständen hinterher mein Handy tot, weil ich mindestens 15 Euro Guthaben drauf haben muss, damit's überhaupt Empfang hat. Und ich habe momentan 16 Euro Guthaben... fragt sich nur, warum Marie mir noch keine Bestätigungsnachricht geschickt hat. Aber mit dem miesen Empfang hier überall, ist das auch nicht wirklich verwunderlich...)
Davon mal ab, hier noch eine kurze Notiz zum Thema Bahnfahren in Großbritannien: Besser nicht den Verbindungsangaben der deutschen Internetbahnauskunft vertrauen, lieber den Schaffner fragen. Ich wäre nämlich auf der Strecke von Porthmadog nach Birmingham beinahe ausgestiegen, weil ich laut meiner Informationen bei Dovey Junction umsteigen musste. War aber nicht so. Der Zug fuhr durch bis Birmingham New Street. Und hätte ich das nicht zufällig vorne auf dem Zug gelesen, und daraufhin mich beim Schaffner erkundigt, dann wäre dieser Tag wohl noch mieser gelaufen als ohnehin schon.
Nun aber zur Abwechslung mal wieder ein bisschen erfreulichere Dinge. D.h., in einem gewissen Sinne ist das auch nicht erfreulich... was ich meine, ist der Abschied von Carl und Anja. War sehr herzlich, und ich durfte sogar ein deutschsprachiges Willkommensschild fürs Hostel gestalten. Soll bald eins in jeder Sprache geben. Wo die dann mal zu bestaunen sein werden, weiß ich leider nicht, aber achtet mal drauf, wenn ihr zufällig da sein solltet. Habe mein Schild mit ein paar Bergen (=Snowdonia), einem Haus (=Hostel), einem Pferdekamel (=Lawrence von Arabien) und einem Hundeschaf (=kommt man ja in Wales nicht drumrum) verziert.
Einen letzten, großen Dank an Carl und Anja! Ihr seid super! Ich komme wieder! Und danke auch für den netten Eintrag in mein Gästebuch ;oP