19h55
Newcastle Station, im Zug nach Middlesborough über Hartlepool
Alles wird gut. Man beachte die antithetische Qualität dieser Aussage.
Zwar habe ich einige unvorhergesehene Anstrengungen hinter mir (unter anderem ein Sprint vom Telefon zum Fahrplan, mit anschließender hektischer Suche nach speziellen Informationen und einem Sprint zurück, genau im richtigen Moment, um den verabredeten Rückruf anzunehmen), aber nun erwartet mich definitiv ein gutes Abendessen und ein warmes Bett im Hause meiner Marie.
Bei Ankunft in Newcastle hatte ich wie erwartet deutlich mehr Verspätung als bei Abfahrt in Birmingham - eine ganze Stunde hatte sich angesammelt. Tja, da hatte ich ja dann mal wenigstens wieder jede Menge Zeit zum Telefonieren in Newcastle. Noch im Zug war ich mehrere Male kurz davor, doch mein Handy zu benutzen, obwohl ihm dies ja wie schon gesagt für den Rest des Urlaubs den Todesstoß versetzt hätte. Und wer weiß, ob man das nicht doch nochmal dringender braucht? Und dann war da ja noch die Sache mit dem schwankenden Empfang. Mal ganz davon abgesehen, dass ich es hasse, im Zug zu telefonieren, ganz besonders per Handy in einem Waggon voller schweigender Leute. Da hört einen ja jeder... gah, und Telefone sind ja sowieso böse *gnarl - geifer - sabber*... *ahem*... aber das wissen wir ja längst. :o)
Übrigens hab ich auch schon wieder Kopfschmerzen, was aber nicht wirklich verwunderlich ist, nach ungefähr 10 Stunden Zugfahrt ins Ungewisse mit reichlich wenig Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.
Aber zurück zum roten Faden. Eine Stunde Verspätung, immer noch kein Kontakt mit Marie. Mehrmaliges Anklingeln ihres Handys vom Newcastler Bahnhof half auch nichts, es war immer besetzt, bzw ging keiner ran. Also rief ich erstmal die Kommandobasis an. Mit anderen Worten, mein trautes Heim. Dort, irgendwo in meinem Reisetagebuch 2001, musste nämlich noch Maries Festnetznummer stehen, und ihre Adresse zu wissen, erschien mir mittlerweile auch ganz nützlich (brauchemer ja alles nich, dachte ich mir bei den Reisevorbereitungen). Glücklicherweise arbeitete meine Mami sehr schnell und effizient an diesem Problem, und übermittelte mir sofort die benötigten Informationen. Darum an dieser Stelle ein schon lange fälliger, alles umfassender Dank an die heimische Backup-Team. *schmatz*
Ich rief dann also bei Marie zuhause an, und wurde zunächst mal mit frenetischem Hundegebell begrüßt (=Patch).
Dann von Maries Dad. Der konnte mir zumindest versichern, dass Marie schon unterwegs war, um mich abzuholen (*iiiek!* Die Arme!), und wenn ich später käme, wäre ja nicht so schlimm, dann müsste sie halt ein bisschen auf mich warten. So is das.
Dann versuchte ich's doch nochmal auf Maries Handy. Und siehe da! Es klappte! Bloß das Marie mit den Worten "I'll call you back" sofort wieder auflegte. Akku is alle. Sie rief mich also von Telefonzelle zu Telefonzelle zurück, beauftragte mich, mal eben auf dem Fahrplan zu schauen, ob der nächste Zug nach Hartlepool auch in Seaton Carew hält, weil sie mich da besser abholen könnte, und sie würde dann in vier Minuten zurückrufen. Darauf folgte oben schon erwähntes Sprinten, Suchen, Zurücksprinten.
Ja, und jetzt sitze ich endlich im letzten Zug des Tages, noch eine halbe Stunde von Seaton Carew entfernt, wo ich nach 11 Stunden Fahrt finally in die Arme meiner Marie fallen werde. Sehr schön.
21.08.02
Mittwoch
23h30
in Maries Gästezimmer
Nur mal so der Vollständigkeit halber (die Ereignisse der letzten 24 Stunden+ haben nicht viel Relevanz für ein Reisetagebuch):
Bin wunderbar bei Marie untergebracht, konnte endlich wieder meine Klamotten waschen, und ohne Zeitdruck durchs Internet brausen. Heute Tagesausflug (*harhar*) in die "aufregende" Innenstadt von Hartlepool (mir schon vom letzten Besuch bekannt), wo wir Anna (eine weitere Internetfreundin) getroffen haben und ein bisschen durch Geschäfte gestreift sind. Außerdem sind Marie und Anna Greenpeace beigetreten. Das war recht amüsant, weil der Greenpeace-Typ ziemlich gut aussah, und wir seine Gegenwart, dank eines gewissen Widerstrebens der armen, mittellosen Studentinnen, schön lange genießen durften. Der arme Kerl war schon fast am Verzweifeln - er hat uns alle seine Lollis versprochen, und jedem noch einen schönen "Don`t buy Esso" Aufkleber. Und denkt doch an die Regenwälder... und die Wale (darauf Marie wie aus der Pistole geschossen: "No, no, no, don`t try the whales on me!" *hehehe*). Letzten Endes hat er dann beide Mädels rumgekriegt (ich kam ja als Nicht-Britin eh nicht in Frage, habe aber trotzdem einen Lolli und einen Aufkleber bekommen *hahaaa*).
Dann waren wir noch bei Anna zuhaus, wo ihr lustiger kleiner Hund Treacle (Treacle = "Zuckersirup"... jepp, es ist ein süßer Schoßfiffi) nicht von uns lassen wollte (und leider hat das Tierchen gerade Flöhe... wenn's uns jetzt juckt, fällt uns das natürlich gleich ganz anders und weitaus unangenehmer auf... naja, hoffen wir das Beste).

22.08.02
Donnerstag
20h
aufm Bett
Heute waren wir in Newcastle. Vom touristischen Standpunkt her kann ich über diese Stadt aber leider nicht sehr viel sagen, außer, dass sie garantiert interessanter ist als Hartlepool. Hartlepool ansich strotzt so dermaßen vor Langeweile, dass die Kinder da ganz hässlich schräge Sachen machen... kleines Beispiel noch von gestern: Wir saßen in der örtlichen Bibliothek rum, und warteten darauf, dass Maries Kumpel Mittagspause hat. Da kamen ungefähr sechs Jungs mit nem Ghettoblaster rein, setzten sich auf und unter die Tische, und machten volles Rohr Technomusik an. Die Bibliothekstante hat die nach bestem Vermögen zur Sau gemacht, was aber die dummen Bratzen natürlich nur umso mehr amüsiert hat.
Im letzten Jahr haben Jugendliche in Hartlepool eine Ente bei lebendigem Leib verbrannt. Kann mich noch gut erinnern, wie Marie und Anna deswegen am liebsten gleich weggezogen wären... ich möchte da auch nicht wohnen. Am Schwimmbad haben mal irgendwelche total Hirnkranken von außen Nägel in die Wasserrutsche geschlagen. Nein, also, das ist wirklich kein guter Ort zum Leben. Aber, auch wenn Marie die ganze Zeit Gewissensbisse hatte - *ich* habe mich *nicht* gelangweilt. War ja auch nur einen Tag da, und auch nicht zur Stadtbesichtigung, sondern um etwas Zeit mit lieben Freunden zu verbringen. *hugs* to Marie. You never bore me, hun ;o)
Aber ich wollte ja von Newcastle erzählen. Was einem (vom Zug aus) als erstes ins Auge fällt, sind die vielen, architektonisch interessanten Brücken. Besonders berühmt ist da ja diese augenförmige Brücke. Hab ich aber alles nicht weiter aus der Nähe gesehen - wir haben uns halt mit Kim getroffen, und sind dann, mal wieder, shoppen gegangen. Und da meine heißgeliebten, aber uralten Doc Marten's mittlerweile wirklich von innen auseinanderfallen, hab ich mir heute neue gekauft. Sowas kriegt man ja glücklicherweise noch von den Eltern bezahlt :o). Traurig nur, dass ich meine alten Schuhe nicht mit nach Hause werde nehmen können... hab kein Platz mehr im Rucksack, und ins Handgepäck gehen sie ja auch nicht. Einfach wegschmeißen will ich sie aber nicht. Die waren schließlich treue Begleiter - gekauft in Cambridge 1996, getragen und auf Wasserfestigkeit geprüft in den Rinnsteinen von Paris 1996, in den Bächen und Loughs von Irland 1997, in Schweden 1998, London 1999... und dann dreimal hintereinander in Schottland. Wo sie sich jetzt, im Jahre 2002, zum ersten Mal als nicht mehr wasserfest entpuppten. Aber einfach auf den Müll kicken geht nicht. Mal sehen, was ich diesbezüglich für ne Lösung finde...
Aber wollte ich nicht von Newcastle erzählen?........ Wie auch schon in Cardiff, gibt es in Newcastle einen ganzen Haufen Malls - Einkaufen geht hier gut. Wenn man Geld hat. Man kriegt aber auch mit wenig Geld ein paar sehr schöne Sachen, z.B. keltische Fensterbilder für zwei Pfund das Stück in einem Laden namens Katmandu. Kann mich leider nicht an die genaue Adresse erinnern, aber er befindet sich am Rande eines großen Platzes, etwas links vom Grey Monument (links, wenn man vom Bahnhof kommt). Da gibt's auch abgedrehte Klamotten, krasse Kerzen, ausgeflippte Wohnaccessoires, Haarfarben... lohnt sich, allein schon zum Gucken und Staunen.
Morgen fahren Marie und ich nach London, zu einem Treffen von Orlando Bloom alias Legolas-Fans. Glaubt jetzt ja nicht, dass sei ein Treffen von hechelnden Kreischweibern. Es ist mehr so eine freudige Begegnung mehrerer gleichgesinnter, junger Damen, die Legolas (verständlicherweise?) sehr öhm nett anzuschauen finden, und sich aufgrund dieser Tatsache im Internet kennen- und schätzengelernt haben.
Ich kenn zwar keine einzige dieser Damen so richtig (Marie ist hier die treibende Kraft), aber wird sicher trotzdem witzig. Und ich kann jetzt schon sagen: Ich werde keine Gelegenheit haben, während dieses Treffens Tagebuch zu führen. Also bis voraussichtlich Sonntag abend dann!
25.08.02
Sonntag
19h
Victoria Coach Station, Gate 18
Wieder einmal sitze ich hier - noch ne halbe Stunde bis zum Check-In. Bin nicht wirklich bange drum, aber hätt's schon ganz gerne hinter mir. Nicht, dass mir wieder so ein stressiger Mist passiert, wie in Edinburgh damals im Sommer 2000... wo ist denn Ihr booking receipt, eh? Ack. Am liebsten säße ich schon im Bus. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, mir zu wünschen, dass ich sofort *schnipps* zuhause wäre. Das wäre dann irgendwie nicht mehr stimmig. Ich bin ja einer dieser verrückten Menschen, die Busfahren tatsächlich in gewissem Maße für einen angenehmen Zeitvertreib halten. Und ich freu mich schon drauf, meinen Walkman anzuschmeißen, und die Gegend zu beobachten. Aber der Himmel weiß, ich freu mich auch auf die Heimat... *seufzel*.
Ja, und nun mal ans Aufarbeiten der letzten Tage. Aaaalso: Obwohl's nicht wirklich reiserelevant ist, muss ich trotzdem noch eben die Aktivitäten des Donnerstagabend bei Marie erwähnen. Wir haben nämlich Flash Gordon gekuckt - was ein geiler Trashfilm! Ich muss den unbedingt haben, und unbedingt auf Englisch! Gordon's ALIIIIVE??? YES! *hahaaaa* DIIIIVE!!! Sehr empfehlenswert, wirklich. O.k., soviel dazu.
Am Freitagmorgen sind wir dann mitm Zug von Hartlepool nach York, und von York nach London gefahren. Ca vier Stunden Fahrt in einem ziemlich vollen Zug. Aber nach einiger Warterei konnten wir schließlich doch noch sitzen. Wer definitiv nicht stehen will, sollte allerdings lieber reservieren.
Am London King's Cross angekommen, gab`s erstmal ein paar Probleme bezüglich des Auffindens unserer Abholer, aber irgendwann fand man sich doch, und dann ging`s mit der U-Bahn weiter zur Victoria Station, wo der Rest ankommen sollte. Grob gesagt war die Phase des Zusammenfindens ganz generell das reinste Chaos. Der Flug unserer Holländerin hatte drei Stunden Verspätung, und eine der teilnehmenden Engländerinnen kam nicht an der Victoria Train Station, sondern an der Victoria *Coach* Station an, was für ziemliche Verwirrung sorgte, da sie den Unterschied nicht kannte. Es hieß halt immer nur, "wir treffen uns an der Victoria Station".
Zwei der Mädels kamen aus Wales, davon hatte eine eine schöne große Wales-Flagge bei sich, die sie wie einen Umhang trug - ein gutes Erkennungszeichen in einem Bahnhof voller rumwuselnder Leute. Sowas lockt aber auch andere Leute an. Vor allem komische Vögel. Einer war scheinbar ein ausgewanderter und ziemlich breiter Waliser, dessen Aussprache keine von uns so richtig verstand, ein anderer fing beim Anblick der Flagge an zu singen "You are my sunshine, my only sunshine...", und meinte dann, das sei aber eine sehr schöne kanadische Flagge... da hat er wohl den roten Drachen für ein rotes Kleeblatt gehalten.
Macht schon Spaß, stundenlang an Bahnhöfen rumzuhängen.
Als wir dann letzten Endes doch mal alle beisammen waren, machten wir uns *endlich* auf den Weg zum Hostel St. Christopher's Inn in Camden Town. Endlich konnte ich mal wieder meine Taschen loswerden. Furchtbar nervig, sich damit durch die U-Bahnen zu kämpfen.
Das Hostel liegt sehr praktisch zwischen den Haltestellen Camden Town und Mornington Crescent. Schade nur, dass das ja schon Zone 2 von London ist. Direkt unterm Hostel, bzw zum Hostel gehörig, ist eine Bar - Belushi's. Im Prinzip sehr nett, und toll zum Party machen. Aber wenn man dann doch mal wirklich vorhat, erholsamen Schlaf zu finden, kann das schon ein Störfaktor sein. Die Bässe wummern nämlich deutlich hörbar bis genau zwei Uhr morgens. Zumindest wenn man im ersten Stock schläft (wir waren in Zimmer 3). Keine Ahnung, wie`s weiter oben ist. Und unter der Woche ist's wahrscheinlich auch nicht so schlimm. Das einzig wirklich Blöde am St. Christopher's Inn ist meiner Meinung nach, dass es anscheinend keine Küche gibt. Man kann sich was zu Essen in der Bar bestellen, aber selber kochen is nich.
20h
im Bus
Der Bus ist erfreulich früh da - ist aber leider kein Eurolines-Bus, sondern irgendsowas wie Kettler's Reisen, oder so. Immerhin ein deutsches Unternehmen, also vermutlich keine unangekündigte nächtliche Rausschmeißaktion in Brüssel wie im Sommer 2000...
O.k., weiter im Text:
Nachdem wir Freitagabend unser Zimmer im Hostel belegt hatten, hingen wir dort noch ein wenig ab, und machten uns dann auf den Weg zum Abendessen im Planet Hollywood am Picadilly Circus. Susanne, die Organisiererin, hatte uns dort einen Tisch reserviert. Untergebracht wurden wir im Adventure-Room, wo unter anderem Indiana Jones' Peitsche und der heilige Gral an der Wand hängen. Ich muss sagen, im Großen und Ganzen kann ich ganz gut auf solchen Schnickschnack verzichten, obwohl's irgendwie schon witzig war. Aber der Service war mies. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht immer so ist, wir hatten halt Pech.
Erstens war unsere Kellnerin eine wirklich selbtsgefällige Zicke. Zweitens sollte mein Gericht (Roasted Vegetable Flatbread with Chips), glaube ich, ein warmes Gericht sein, aber stattdessen war nur der Teller knallheiß, und der Rest kalt. Hat ca 10 Pfund gekostet, und immerhin ist man gut satt geworden (hab sogar noch was liegenlassen). Leider ist das Essen aber nicht allen bekommen - Fran hatte irgendein Nudelgericht, und in der darauffolgenden Nacht hat sie alles wieder rückwärtgegessen. Blödes Wort. Aber andere sind auch nicht viel besser... wie auch immer, ich nehme fast an, Fran hat sich einfach überfressen. Sie hatte sich nämlich über die Kellnerin geärgert, die uns anderen unsere Reste ziemlich schnell vor der Nase weggeschnappt hat (sie hat schon auch gefragt, ob wir fertig wären, aber da hatte sie die Teller schon in der Hand). Und Fran wollte sich das nicht gefallen lassen, und hat darum alles aufgegessen, obwohl sie bereits mehr als satt war.
Am nächsten Tag (Samstag) stand schon wieder Shopping auf dem Programm. Und spätestens seit diesem Tag hab ich ziemlich gründlich die Schnauze voll von hektischen Großstädten. London gehörte ja mal zu meinen Lieblingsstädten, aber irgendwann reicht's einfach. Zugegeben, unter anderen Umständen mag London nach wie vor großartig sein - aber Shopping an einem Samstag auf der Oxford Street, ohne Geld und mit neun Leuten im Schlepptau... das ist ein absoluter Albtraum. Kann ich nur von abraten. Noch dazu hatte ich bis ca 16 Uhr keine Gelegenheit zum "Frühstücken" - ich hatte zwar morgens ein ordentlich kalorienreiches Kaffeemixgetränk bei Starbucks zu mir genommen, aber fortan suchte ich vergeblich nach einem Supermarkt (die anderen schlugen sich bei Burger King die Bäuche voll, aber das is mal nix für mich. Schon allein, weil's zu teuer ist) - an der Oxfordstreet gibt es meines Wissens nur einen einzigen Supermarkt (in der Nähe vom Hyde Park), und in dessen Nähe sind wir nie gekommen. Naja, ein bisschen Hungern bringt einen ja nicht gleich um (steigert aber auch nicht gerade die Laune), und so hab ich dann halt notgedrungen gewartet, bis wir wieder in Camden waren. Da gibt`s nämlich gleich mehrere Supermärkte.
Abends war die Welt dann wieder vollkommen in Ordnung, wir pflanzten uns nämlich in die Hostelbar, und gaben uns nach bestem Vermögen die Kante. Nun ja, ich bin eigentlich nicht grundsätzlich Freund von systematischen Besäufnissen, aber gelegentlich hilft sowas ja schon, unnötige Hemmungen abzubauen. Es ist nämlich nicht ganz einfach, sich als Nicht-Muttersprachler am Gespräch zu beteiligen, wenn acht Muttersprachler drauflosdiskutieren. Das haben sowohl ich als auch Ev, die Holländerin, gemerkt. Aber kaum waren wir ein bisschen angeschwippst, konnten wir reden wie die Wasserfälle. Und das war dann sehr spaßig.

Ich musste mir auch keine Sorgen um mein nicht mehr vorhandenes Geld machen - konnte nur ungefähr drei Pfund beisteuern, aber die anderen Mädels bestellten immer und immer wieder diese riesigen Cocktailkrüge (enthalten, glaube ich, zwei Pints) à ca neun Pfund, und füllten fleißig mein Glas auf. Und es wurde dann auch drauf geachtet, dass ich das brav leertrinke. Was soll man da machen? ;o)
Heute (Sonntag) waren wir noch kurz alle Mann hoch auf dem Camden Market (ein weiterer Pflasterstein auf meinem Weg zum Großstadt- und Menschenmassenhasser - aber hatte einen Vorteil: Ich konnte meinen alten Doc's einen einigermaßen stilvollen Abgang bescheren - habe sie einfach unauffällig auf ein Doc Marten's Regal auf dem Freiluftmarkt gestellt. Vielleicht kauft sie ja tatsächlich jemand?). Danach wurde unsere Gruppe graduell kleiner und kleiner. Ein paar der Mädels wollten noch länger auf dem Markt bleiben, und dann zum Notting Hill Carnival gehen. Der Rest, unter anderem auch ich, ging zurück zum Hostel, wo wir unser Gepäck gelassen hatten, und fuhr dann in die Innenstadt, zu verschiedenen Bahnhöfen, dann auch zum Busbahnhof, wo Amy und ich unsere Taschen in die Gepäckaufbewahrung gaben (2,50 Pfund für einen großen Rucksack), und dann waren nur noch Susanne, Kat, Amy und ich da. Da wir, bzw ich, kein Geld mehr für irgendwelche großartigen Unternehmungen hatten, ließen wir uns mal wieder bei Starbucks nieder, und quatschten noch ein bisschen. Dann machten auch Susanne und Kat sich auf den Weg nach Hause, und Amy und ich fuhren zurück zur Victoria Coach Station, um gemeinsam auf unsere Busse zu warten. Um 18 Uhr war dann nur noch ich übrig. Und nun sitze auch ich endlich im Bus Richtung Heimat.
Wir fahren übrigens mit der Fähre. Juchhu! :oD
23h25
auf irgendeiner Fähre im Hafen von Dover
Bin richtig stolz auf meinen Busfahrer - er hat es doch tatsächlich geschafft, uns auf die 23h30 Fähre zu kriegen. Obwohl alles dagegen sprach, inklusive Ersatzfahrer.
Vorhin, kurz vor Dover gab`s mal wieder einen dieser herrlich chaotischen Umsteigeaktionen. Es trafen sich alle Richtung Deutschland fahrenden Busse, gestartet in allen möglichen Landesteilen Großbritanniens, und die Passagiere sollten nun nach Zielstädten neugeordnet auf die verschiedenen Busse verteilt werden. Erste Frage der Organisationsbeauftragten: "Haben Sie denn alle Ihr gelbes Informationsblatt bekommen?" Allgemeines Kopfschütteln. Hm, na gut, geht auch so. Muss ja.
Der Bus in dem ich saß fuhr leider nicht nach Essen, also musste ich zum Bus Nummer 38 überwechseln. Dort angekommen fragten mich erstmal beide Busfahrer wiederholt, ob ich denn wirklich nach *Essen* wolle, und nicht nach Bocholt oder so. Nein, ich will ganz ganz wirklich nach Essen. Die sind wohl Schlimmes gewohnt... und in der Tat gab's auch diesmal wieder einen dieser nervenaufreibenden Zwischenfälle, die der Albtraum eines Busfahrers sind - jemand hatte sein Gepäck verloren. Aber da Bus Nummer 38 mit dem Unglücklichen nichts zu tun hatte, beschloss unser Fahrer, jetzt einfach schon mal loszufahren. Er wollte halt unbedingt noch die Fähre mitkriegen. Es war aber schon 23 Uhr.
Der Zweitfahrer meinte: "Vergisset, dat schaffst du nie." Der Fahrer meinte: "Na watte ma, Waldä, ich geb ma'n bissken Gass, o.k.?" ... Ich saß in der zweiten Reihe hinter den beiden, und konnte mir ein Dauergrinsen kaum verkneifen. Meine erste längere Begegnung mit der deutschen Sprache seit fast einer Woche, und ich erwische die ultimativen Pottproleten.
Jedenfalls kamen wir dann so ca 23h15 am äußersten Rand des Fährhafens an. Die folgenden ca fünf Minuten waren der reinste Krimi. Bis man da mal an den Fähren angekommen ist, muss man noch ewig lange auf dem Gelände rumkurven (allein wär ich da hoffnungslos verloren... gerade im Dunkeln). Aber da lag tatsächlich noch eine Fähre mit einladend offener Klappe vor Anker... wir wurden ohne Zögern an Bord gewunken, wo außer uns nur zwei Lastwagen standen. Das konnte also doch unmöglich die Fähre sein, die in zehn Minuten ablegen sollte? "Waldä", der Ersatzbusfahrer, war überzeugt davon, dass das bereits die nächste Fähre sei. Näh, meinte der Busfahrer, eine Stunde vor Abfahrt fangen die doch noch nich mit Aufladen an. Werden wir ja bald sehen, ob die ablegt oder nicht, meinte Waldä.
Sie legt aber ab. Es kam nämlich gerade ne Willkommensdurchsage.
Und nun noch ein paar Eindrücke und Anekdoten von der Busfahrt:
Ich hatte in den letzten Stunden bisschen kleine Schwierigkeiten bezüglich der Orientierung. Muss wohl ein paar Mal doch leicht eingenickt sein, denn wenn ich dann total verdöst wieder aufwachte und aus dem Fenster schaute, war ich für ne Sekunde ganz sicher, schon wieder in Deutschland zu sein. Auch die Sache mit dem Lenkrad und den Bustüren auf der "falschen" Seite ist eine beständige Quelle der Verwirrung. Und ganz besonders schwierig ist es mit der Sprache. Ich lausche einer deutschen Unterhaltung, jemand macht ne Pause, und wenn sie wieder anfangen zu sprechen, bin ich ganz überrascht, weil's nicht wie erwartet auf Englisch ist. Interessantes Phänomen. Oder auch nicht? Naja gut, Schluss mit den wissenschaftlichen Betrachtungen. Kommen wir zu den Kuriositäten:
Wenn man bei Nacht das London Eye (also das Riesenrad an der Themse) beobachtet, sieht man alle paar Sekunden Blitzlichter aufleuchten. Ich frag mich, ob die betreffenden Leute realisieren, dass man ihre fotografischen Aktivitäten noch Kilometer entfernt bemerkt. Vermutlich nicht, ist ja auch fast schon wieder eine dieser unnützen wissenschaftlichen Betrachtungen ;oP.
O.k., dann halt jetzt mal was ganz und gar Banales: Ich sah ein Verkehrsschild mit der Aufschrift "Humped Pelican Crossing". Mag ja sowas harmloses (wenn auch irgendwie seltsames) heißen wie "Kreuzung des buckligen Pelikan". Aber was mir spontan in den Sinn kam, war eher "Kreuzung des gefickten Pelikan".
*nargl* Sorry, je später die Stunde, desto seltsamer die Leute...

Wieder daheim
Tja, wieder einmal ist ein schöner und erlebnisreicher Urlaub vorüber. Zuhause angekommen, habe ich erstmal meinen Rucksack auf die Waage gestellt, der kam mir nämlich verdächtig schwer vor... und was muss ich da sehen? 18 Kilo wog er! Und dazu kam ja noch mein Tagesrucksack voller Fresszeugs... So ganz nebenbei bemerkt ist ein derartiger, mehrwöchiger Rucksacktrip mit geringem Budget die beste aller Diäten *hehehe*....................