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Ein Trip nach KirunaTeil 2 |
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30.1.04
Freitag Zimmer 8 Unser Tag begann wie folgt: Um 10 Uhr wurden wir von einem Mitarbeiter des Tourenanbieters Kiruna Sleddog Tours am Hostel abgeholt. Mit dem Auto fuhren wir zur wenige Minuten entfernten Schlittenhundefarm. Dort angekommen wurden wir erstmal in den Umkleideraum geschickt. Es gab dicke Stiefel, Overalls, Mützen und Fäustlinge in allen möglichen Größen. Dennoch ist es eigentlich erstaunlich, dass ich mit all meiner Masse noch in so einen Overall reingepasst habe. Ich hatte mich nämlich schon im Hostel nach dem Zwiebelprinzip dick eingepackt. Am Ende trug ich eine Strumpfhose, ein paar Wollsocken, ein Unterhemd, ein langärmliges Hemd mit Rollkragen, einen diiiicken Wollpulli, eine Jogginghose, eine Skihose mit Latz, meinen Wintermantel, den Overall, dicke Lederstiefel, meine Handschuhe, Lederfäustlinge, Melody's Sturmhaube, meine Ohrenklappenmütze, sowie die Leder- und Fell-Ohrenklappenmütze aus dem Fundus der Umkleidekabine. Letztere ersetze ich dann aber mitten auf Fahrt durch meine eigene weiße Oma-Wollmütze, da die Fellmütze wohl etwas zu klein war (ich hab einen Mordsschädel) und durch den Fahrtwind ständig wegzufliegen drohte. Das alles hatte ich also an. Und tatsächlich sogar noch mehr, denn ich habe ja noch gar nicht meinen extrem langen und breiten lila Wollschal erwähnt. Ganz recht, ganz recht, ich konnte mich kaum bewegen, vor allem nicht seitlich. Großartig umschauen ging gar nicht. War aber schon ok, ich hab kein bisschen gefroren, und zu warm war mir auch nicht. ![]() ![]() Nach dem Umziehen ging es dann richtig los. Zwei von uns sollten zuerst mit dem Hundeschlitten fahren, die anderen beiden mit dem Motorschlitten. Da ich die Sache mit dem Scooter so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte, entschied ich mich für die zweite Variante. Zusammen mit Thomas und Jan (einem der Tourguides... ich sollte sagen, dem hübschesten der Tourguides) machte ich mich dann auf den Weg. Thomas fuhr als erster, ich saß hintendrauf, leicht nervös an meinem Chauffeur festgeklammert. Jan hatte natürlich seinen eigenen Schlitten. Axel und Heiko machten sich derweil mit den Hunden bekannt und halfen auch dabei, ihnen die Geschirre anzulegen. Da sowas ja einige Zeit in Anspruch nehmen kann, waren wir dann im Endeffekt rund 50 Minuten eher in der Berghütte als die Hundeschlittenfahrer. Aber so weit sind wir ja noch gar nicht in unserer Erzählung... ![]() ![]() Zunächst einmal hieß es für uns unter der Leitung von Jan in die Wildnis düsen. Dazu musste man im Großen und Ganzen bloß die Straße vorm Hof überqueren, und schon war man auf einem dieser ausgeschilderten Motorschlittenwege. Teilweise sind diese Pisten ganz schön buckelig. Bei ausreichender Geschwindigkeit hebt man da schon mal ein wenig vom Schlitten ab. Im Prinzip ganz lustig, solange man auch wieder auf dem Schlitten landet. Glücklicherweise ist keiner von uns während der Fahrt vom Schlitten gefallen, wohl aber ein Mal der Schlitten während der Fahrt von der Piste. Das passierte natürlich, wie schon oben erwähnt, unter meiner Regie. War aber überhaupt nicht schlimm, denn direkt neben der Piste war der Schnee bestimmt nen Meter tief und puderweich. Also sind wir bloß so mehr oder minder hinabgeglitten und halbwegs untergegangen, haben uns aber nicht wehgetan. Es war nicht einfach, in dieser Lage vom Schlitten "abzusteigen" - eine völlig neue Erfahrung, sich durch so hohen, aber nachgiebigen Schnee zu bewegen. Jan kam dann nach einiger Zeit zu uns zurück (er musste erst irgendwo wenden), und half uns, den Schlitten wieder auf den Weg zu bringen. Danach gab er mir einige Tipps, wie man den Absturz von der Piste auch im letzten Moment noch vermeiden kann, nämlich indem man sein eigenes Körpergewicht einfach ganz rigoros in die andere Richtung schmeißt. Kurz drauf passierte mir das gleiche nochmal, aber diesmal habe ich es gekonnt aufgefangen und bin weitergeheizt. Jan hatte das Ganze beobachtet (es war eine berüchtigte Stelle) und zeigte mir daraufhin anerkennend den Daumen. Was war ich stolz. Mein Held hat mich gelobt! Alles in allem war also diese Motorschlittentour sehr unterhaltsam, ein echtes Abenteuer. Aber die Dinger sind verdammt laut und verpesten die schöne klare Winterluft mit ihrem Gestank. Von daher ziehe ich dann doch Hundeschlitten vor. Wobei die natürlich auch nicht geruchsfrei sind... aber immerhin ist man mit dem Aroma von Hundekacke definitiv noch näher an der Natur dran als mit Auspuffgasen. Die Fahrt mit dem Scooter dauerte ungefähr eine Stunde, dann kamen wir an einer kleinen Berghütte an. Die anderen kamen wiegesagt erst etwa 50 Minuten später. Unterdessen bereitete Jan eine heiße Fleischbrühe, Käsebrote, Kaffee, Tee, etwas Kuchen, und - für unseren Vegetarier Axel - einen Joghurt vor. Thomas und ich vergnügten uns derweil damit, Atemwolken zu blasen (es war recht kalt in der Hütte - mir ist buchstäblich der Saft in der Tasse gefroren). Als dann die zwei Hundeschlitten endlich ankamen, hatten wir eine Begegnung der dritten Art: ein kleines, handliches Chinesenmädchen (ca 2 Jahre alt) im ultimativen Schneeoutfit. Irgendjemand hatte sie in eine Erwachsenenjacke gesteckt, was zur Folge hatte, dass man sie quasi im Schnee "abstellen" konnte, wo sie sich weder bewegen konnte, noch umfallen - sie sah aus wie E.T.! Das gute Kind war auch sichtlich mitgenommen von der Tour. Entweder war sie steifgefroren, oder aber einfach nur hundemüde. Jedenfalls bewegte sie sich die ersten 20-30 Minuten in der Hütte kaum, doch dann wurde sie nach und nach immer munterer, und sang dann am Ende "Blinke, blinke kleiner Stern" auf Chinesisch. Sehr putzig. Axel und Heiko waren übrigens weit und breit nicht zu sehen, als die Schlitten ankamen. Des Rätsels Lösung: Sie mussten das letzte Stück des Berges hochlaufen, da die Hunde den Anstieg sonst nicht gepackt hätten. Tjaja, unsere zwei Dicken. ;oP Für ihren tapferen Einsatz zum Wohl der Hunde wurden sie dann in der Hütte auch gleich mit Speis und Trank gepäppelt. Nach dem Essen versammelten sich alle um den Ofen und ließen die Socken dampfen. Heißer Tee und Kaffee flossen in rauen Mengen. Wir tauschten unsere Eindrücke von der Fahrt aus. Axel und Heiko erzählten uns, dass zwei der Hunde in einer scharfen Kurve zu dicht aneinandergekommen waren, wodurch eine Rauferei entstand bei der einer der Hunde von einem anderen ins Ohr gebissen wurde. Armes Schätzchen. Das wurde dann kurz mit Schnee gekühlt, und weiter ging's. A propos weitergehen, nach etwa 1-1 1/2 Stunden stand der Aufbruch Richtung Tal an. Axel und Heiko bestiegen diesmal den Motorschlitten, während Thomas und ich uns zusammen mit zwei Schweden auf einen der Hundeschlitten klemmten. Klemmen ist hier wirklich das richtige Wort, denn die Bewegungsfreiheit war gleich null. Man musste sich mit beiden Händen an den über den Schlitten gespannten Seilen festhalten, und das möglichst schnell, denn sobald der Vordermann sich setzte, hieß es "bye bye, Hände, ich hoffe, wir sehen uns wieder". Unser Schlitten wurde von einem Tourguide namens (ebenfalls) Thomas gelenkt. Der zweite Schlitten fuhr unter der Führung einer Frau.
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![]() Nach dem etwas anstrengenden Scootern war diese Schlittenfahrt angenehm entspannend, obwohl man sich auch hier hin und wieder ganz schön in die Kurve legen musste, um den Schlitten in der Balance zu halten. Dabei mussten die Füße immer schön auf den Kufen stehenbleiben, denn wenn sie einmal drunter landen sollten, wäre das sicher nicht angenehm. Bei zwei Gelegenheiten mussten wir auch mal alle kurz absteigen, und kleinere bis mittelgroße Hindernisse überwinden. Das eine Mal war es lediglich ein klitzekleiner Anstieg, der den Hunden erspart werden sollte, aber beim zweiten Mal entdeckte unser Steuermann ein paar Metallplatten im Schnee (Schrott, also), und konnte diese nur mit Mühe und Not umschiffen. Bei dieser Aktion landeten die Hunde leider im Tiefschnee, und ihre Geschirre drohten sich an einem Laternenpfahl zu verheddern. Thomas II bat daraufhin alle Passagiere, sich einen x-beliebigen Hund zu schnappen, und ihn an der Laterne vorbeizulotsen. Glücklicherweise waren die Hunde zu allen diesen Gelegenheiten absolut gelassen und superlieb. Mögen sie sich auch gelegentlich gegenseitig anknabbern, so waren sie doch gegenüber den Menschen einfach nur brav. Alles in allem war diese Tour ein Traum. Schade nur, dass mein Blickfeld so eingeschränkt war. Dank meiner winterfesten Ausstattung konnte ich nicht mal den Kopf drehen, und aus den Augenwinkeln sah ich vor allem die Ränder der Sturmhaube. Kam noch dazu, dass meine Wimpern nach und nach vereisten, was nicht gerade hilfreich war. Es waren übrigens je nach Position zwischen -16 und -20/-25 Grad. Heute abend werden wir noch einen netten Schneespaziergang machen, in der Hoffnung, dass wir vielleicht doch noch das Nordlicht zu Gesicht bekommen. Der Himmel ist heute recht klar, die Chancen stehen also gar nicht so schlecht. Zur großen Schneefestival-Party könnten wir natürlich auch noch gehen, aber ich glaube, das schenken wir uns. Der Tag war auch so schon lang genug. 2.2.04
Montag Växjö Unser Spaziergang am Freitagabend begann recht erfolglos - es war zwar eine schöne Tour (einmal rund um einen der Hügel in Kiruna), aber der Himmel blieb schwarz (wenn auch sternenklar). Außerdem hatte ich mich auf einer eisglatten Straße richtig schön ordentlich auf den Hintern gesetzt. Das tat weh, weh, weh... vielleicht hatte das Schicksal deshalb Erbarmen mit uns, denn als wir dann schon wieder auf dem Rückweg waren, tauchte es endlich auf! Das Nordlicht! Alle Schmerzen waren vergessen (für den Moment, jedenfalls). Es sah aus wie ein einfarbiger Regenbogen in blassgrün. Nicht besonders spektakulär, aber wir freuten uns wie die Kinder. Etwas später sahen wir auch noch weitere, ebenfalls grüne Lichter, die sich wellenartig über den Himmel bewegten. Bei dem Anblick hätte ich doch tatsächlich fast geweint. Es war einfach traumhaft schön! Ich bin mir zwar sicher, dass es auch noch sehr viel eindrucksvollere Darbietungen der Aurora Borealis gibt, aber für mich hat's gereicht. ![]() Diesem erhebenden Erlebnis folgte am nächsten Morgen ein wundeschöner Sonnenaufgang am Flughafen von Kiruna. Schon während des Fluges wurde dann allerdings klar, dass in Stockholm richtiges Scheißwetter (pardon my French) herrschte. Unsere Maschine musste drei Schleifen fliegen, bis wir endlich grünes Licht für die Landung bekamen. Und dabei hatten wir auch noch ganz umsonst gewartet, denn ursprünglich sollte wohl die Landebahn geräumt werden, aber letzten Endes ließ man uns dann doch auf dem Schnee landen. Nicht sehr vertrauenserweckend, wenn einem in der Luft gesagt wird, dass das Landen wegen dem vielen Schnee gerade zu gefährlich wäre, oder, naja, vielleicht auch nicht, könnte doch klappen, probiern wir's halt mal. Aber wie man ja sieht, sind wir wohlbehalten auf dem Boden angekommen. Dort war es dann kuschelige +2 Grad warm, der Schnee der letzten Tage hatte sich in knöcheltiefen Schneematsch verwandelt, und obendrauf gab's noch eine schöne Dosis Schneeregen. Ein Elend. Besonders die Pfützen am Straßenrand trübten mein Shoppingerlebnis sehr. Ich hatte mir nämlich vorgenommen, noch ein wenig Geld in Stockholm rauszuwerfen, bevor ich später am Tag den Zug zurück nach Växjö nehmen würde. Die drei Jungs dagegen wollten sogar noch eine Nacht in Stockholm verbringen und erst am nächsten Tag nach Växjö fliegen. Wir verabschiedeten uns also am Riksdagshuset, wo ich mich in Richtung Einkaufsstraße aufmachte, und die Jungs gen Gamla Stan zogen. Ich bin dann auch, trotz des schlechten Wetters, einiges an Geld losgeworden. Aber am Ende war ich einfach nur froh, wieder in Växjö angekommen zu sein, meine nassen Socken und klammen Klamotten auszuziehn und mich in mein schööönes grooooßes Bett zu verkrümeln. Ich hab hier nämlich eine Art Ehebett (bzw zwei zusammengestellte Einzelbetten) ganz für mich alleine. *wohlig seufz* Da macht's dann auch nichts, dass das Wetter in Växjö genauso bescheiden ist wie in Stockholm. The End Zurück nach oben
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