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SCHOTTLAND 2000    Teil 3


 
 
 
22.7.0
Samstag

8Uhr40
Ich bin ja so nervös. Noch ungefähr 5-10 Minuten bis zum Check-In für die Tour. *röchel*
Hab mich eben von Junko verabschiedet, und noch ein Foto mit ihr schießen lassen.

  • Darf ich vorstellen?:

Mehr gibt es eigentlich noch nicht zu berichten. Ich geh jetzt Einchecken.
Oh, es läuft grad Van Diemen's Land in der Jukebox. Mein ewiges Lieblingslied. Wenn das mal kein gutes Omen ist!

19 Uhr
Oban, Tesco Supermarkt, Parkplatz

  • Mein neues Rumreise-Vehikel:

Meine Gruppe von 19 Leuten + Fahrer (11 Mädels darunter) tingelt noch durch den Supermarkt. Ich hab ja eigentlich alles, hab mir nur noch etwas Hüttenkäse, Milch und Kirschtomaten besorgt. Heute abend gibt's eh ein cookup für die ganze Gruppe.
Erwähnte ich schon, das es geil ist? Es ist, oh ja. Der Fahrer, Roger, ein hübscher, blonder Schotte im Kilt, ist superwitzig und hat einen ganz wunderbaren schottischen Akzent.

  • Isser nich nett?:

Der Rest setzt sich aus haufenweise Australiern, paar Neuseeländern, Malayen, einer Amerikanerin, einem (etwas seltsamen) Spanier, einem Singalesen und einer Koreanerin zusammen. Bin die einzige Deutsche.
Tja, als ich draußen vor dem Hostel saß, heute morgen, auf den Bus wartend, da hatte ich noch nicht wirklich das nötige Urvertrauen. Irgendwie schienen alle auf die 3-day-tour zu gehen, bis auf mich. Und alleine mit dem Fahrer wollte ich nun wirklich nicht... obwohl's vielleicht sogar nett geworden wäre *harhar*
Wie auch immer, der erste Bus kam, der Fahrer, natürlich auch im Kilt, war offensichtlich supercool drauf: Zunächst parkte er den Bus, wandte sich dann an die schon vorhandenen Insassen und erzählte ihnen irgendwas. Dann öffnete er die Tür und sagte ganz freundlich: "Hi there, this is the 3-day-highland-romp-jump-on-jump-off-bus and I'm blablabla (hab ich vergessen)". Dann schlug er die Tür wieder zu, wandte sich wieder an seine Gruppe und laberte die zu, während er auf uns da draußen zeigte. Drinnen wurde viel gelacht, und draußen auch ("Oh Gott, er hat auf mich gezeigt!!!"). Schon war mir der ganze Laden überaus sympathisch, aber das ungute Gefühl blieb als so gut wie alle in eben diesen Bus einstiegen, und schließlich nur noch ich und jede Menge asiatisch aussehende Menschen übrigblieben. Nichts gegen Asiaten, aber ich wollte doch nicht unbedingt in einem ganzen Bus voller Japaner enden, die sich die ganze Zeit in ihrer Muttersprache unterhielten!!!
Aber Sekunden später kam auch schon der nächste Bus, schon halb voll mit (nicht asiatischen) Leuten. Erleichterung.
Roger ging das Ganze etwas gelassener und weniger abgedreht an als der Fahrer des ersten Busses, aber dafür sah er auch besser aus. *hähä*
Zunächst mussten noch einige kleinere Problemchen gelöst werden: Ein Mitglied der Tour war noch nicht aufgetaucht (es stellte sich heraus, das Javier, unser Spanier, noch im High Street Hostel war - hatte wohl die Abfahrt verpasst), und Rogers Mikro funktionierte auch nicht. Also sind wir zum High Street Hostel gefahren, haben Javier eingeladen, Roger bekam ein neues Mikro und los ging der Spaß.
Ich hatte übrigens noch einen Fensterplatz ergattert, ziemlich weit hinten.
Neben mir sitzt Wu, ein Malaye, der sich die ganze Zeit nur mit seinem girlfriend auf der andere Seite des Ganges unterhält. Vielleicht sollte ich mal mit ihr den Platz tauschen...
Übrigens mussten wir uns alle einzeln vorstellen, und zwar vorne beim Fahrer stehend, mit dem Gesicht zu unseren Mitfahrern und a-u-s-f-ü-h-r-l-i-c-h. Roger wollte insbesondere wissen, ob man schonmal in London war, ob man es dort genauso scheiße fand wie er, warum man denn jetzt ausgerechnet hier und in diesem Bus gelandet ist, wie lange man schon unterwegs ist und was man so im normalen Leben macht und schon gemacht hat. Als ich ihm dann sagte, dass ich Tischlerlehrling bin, meinte er in einem etwas anzüglichen Ton "Oh, so you like to work with your hands...", worauf ich sagte "Ah, well, I like wood..." was natürlich genau die falsche Antwort war *grins*. Aber ich hab's dann einfach mal auf sich beruhen lassen...
Versuchsweise jetzt mal eine Liste der Mitfahrer:
Roger (29) aus Edinburgh, geboren auf irgendeiner Farm nördlich davon, wo angeblich William Wallace seinen letzten Unterschlupf in einem kleinen Vorratshaus fand ("soooo proud of that"), ehemaliger Tänzer für eine Popgruppe, ehemaliger Besitzer einer Disco, ehemaliger was weiß ich noch, jetzt MacBackpackers-Fahrer für mindestens ein Jahr, nebenher auch noch Comedy-Stripper (Bühnenname: The Gimp...., Begleitmusik: Summer Lovin' aus "Grease"...)
Sarah (ca 21) aus Chicago, Diätassistentin
Sarah (irgendwo um die 25), Sportirgendwasstudentin aus Australien
Michelle (... alle waren so um die 25), Geschichtslehrerin (Roger (in freudig überraschten Ton): "History?... *nüchternerTon* ooooh, shit...") aus Neuseeland
Jozette (siehe alle anderen), irgendwas mit Computern, aus Neuseeland
Melissa, Lehrerin, aus Australien.
Nicole, Sally, Wu, Beh (bedeutet: Horse), Esther und Chiee Chew aus Malaysia, allesamt momentan in London studierend
Joyce aus Korea, Beruf hab ich vergessen
Sam, auch genannt "Force" (weil nur die Macht ihm noch helfen kann, eine Frau zu finden), desperate PE-teacher, hatte seit 4 Monaten keinen Sex mehr und ist offensichtlich total durchgeknallt. Aber witzig. Australier.
Daniel, genannt "Jacko", Sams Freund, Beruf hab ich vergessen, aber natürlich auch durchgeknallt und auch Australier.
Mark aus Australien... stark tätowiert und sieht aus wie ein Hawaiianer. Oder Samoaner? Oder Phillipino??? Egal, sieht gut aus, und ist nett. Beruf, hmmm, er war mal DJ in London...
Natasha, Beruf vergessen, Australien
Owen, studierter Architekt aus Singapur
Javier, Forstwirtschaftler (oder so?) aus Madrid, ewiger Zuspätkommer
War's das?
Ich schätze, ich schreibe alles andere später. Ist ne Menge. Und ich will jetzt Tomaten essen. Also, tschö.

Und nun greife ich mal ein wenig voraus, um einige der Mitfahrenden optisch vorzustellen:

 

23.7.0
Sonntag

Oban, Backpacker Hostel, Gemeinschaftsraum

Schön bunt, genau wie ich es mag:

Oh, so viele neue Eindrücke. Ich glaub, da komm ich gar nicht nach...
Also, vielleicht besser in Stichwortform, für's Erste. Wir fahren nämlich auch schon wieder in einer Dreiviertelstunde, und ich muss noch mein Frühstückszeug spülen.
Also:

  • gestern nachmittag (gegen fünf Uhr) waren wir im Glen Orchy, welches wunder- wunderschön war. Dort ist dann Roger mit ein paar der Jungs in einem Gebirgsbach schwimmen gegangen. Ich war zwar ganz versessen darauf, mich auch in die Fluten zu stürzen (vor allem, weil Roger meinte, das wäre ja so gut für die Haut, dieses torfige, braune Wasser *hähä*).

    Aber ich hatte keine Badesachen da. Dann kamen aber auch Michelle und die eine Sarah ins Wasser, mehr oder minder vollständig bekleidet. Das hab ich spontan (aus der Notlage heraus, dass ich unschuldig weiße Unterwäsche trug) getoppt. In T-Shirt und Hose bin ich also rein ins Wasser. Und es war toll! Ziemlich warm sogar (jedenfalls wärmer als der See in Schweden, aber auch diesen Rekord sollten wir an diesem Tag noch in den Schatten stellen...).

    Kommentar meiner Oma (92) zu diesem Bild: Was für ein netter junger Mann!

    Meine Klamotten hab ich dann im Hostel zum Waschen abgegeben und hab sie nun wieder am Leibe. Ich sollte aber nicht verschweigen, dass das Umziehen nicht ganz so einfach war, ich hatte ja kein Riesenhandtuch. Also ab in den Bus, und dann Akrobatik unter Kleidungsstücken. Das dabei die frischen Klamotten auch wieder nass wurden, ist ja egal...
    Und das war jetzt ein ganz unausführliches Stichwort.

  • Stirling (erste Station des Tages)
    Roger kann toll erzählen, von William Wallace und überhaupt. Noch dazu kindgerecht zensiert, denn am Wallace Monument waren Kinder anwesend. So wurde denn aus "That got him into some serious shit" ein nettes kleines "That got him into some serious... *mit Blick auf den kleinen Jungen neben ihm* pooooo."
    Und Roger hat uns auch sehr überzeugend dargelegt, warum die neue Wallace Statue am Fuß des Berges ganz fürchterlich ist. Sie wurde nämlich nach dem Vorbild von Mel Gibson gefertigt, hat den Mund weit aufgerissen und unten am Sockel steht "FREEDOM". Erstens, so Roger, ist dieses Freedom pure Ironie, denn die Statue wird jeden Abend in einen Gitterkäfig eingeschlossen, und zweitens ist das auch dringend nötig, denn er sei nicht der einzige, der diesem Schandmal Schaden zufügen wolle, denn dieser William Wallace sähe doch nun mal eindeutig aus, als wolle er jeden Moment jemandem einen blasen...
    Recht hat er, muss man ihm lassen.
  • Doune Castle, kurzer Zwischenschlenker, ist das Schloss von dem aus in "Die Ritter der Kokosnuss" die Kühe runtergeworfen werden.
  • Kilchurn Castle am Loch Awe, Mittagspause (nach dem Schwimmen) am gegenüberliegenden Ufer halbe Stunde mit heißem Kakao, Tee und Kaffee, ins Kuh-Horn blasen und zusehen, wie eine pechschwarze Schlechtwetterwand durchs Tal auf uns zurollt.

    Sieht aus wie Afrika, sagt meine Mama...:

  • Abendessen. Gekocht haben Owen, Natasha und Melissa. Viel Wein (wir (die Mädels) sind extra noch ein zweites Mal gemeinsam in den Supermarkt, um welchen zu besorgen), tolles Huhn, Nudeln, Salat und Knoblauchbrot. Der Wein ist mir ganz schön schnell zu Kopf gestiegen, und ich dachte, ich müsste jetzt dringend ins Bett... à propos Bett (kleiner Einschub), unser Zimmer hier in Oban heißt "Diseases" und mein Bett heißt "Drinking"! Die anderen heißen "Cirrhosis", "Smoking", "Lung Cancer", "Cholesterol" und "Heart Disease", wobei immer die Konsequenz unter der Ursache schläft...
    Also, Jozette war jedenfalls der Meinung, dass ich NICHT ins Bett gehörte und schleifte mich einfach mit den anderen ins Pub direkt gegenüber des Hostels (O'Donnolly oder O'Donnel's oder O'Donnelly's oder so?).
    Roger empfahl uns dieses Pub, nicht weil es so tierisch gut sein soll, sondern weil es eben so nah am Hostel ist, dass man zur Not auch heimrollen kann. Und deshalb treffen sich da früher oder später alle Backpacker...
    Im Pub hab ich zwar nichts mehr getrunken (bis auf ein Schlückchen Guinness, das mir Owen freundlicherweise zukommen ließ), aber hatte dafür ne Menge Spaß, tanzenderweise, obwohl's nicht unbedingt immer hundertprozentig mein Musikgeschmack war. Am Ende spielte ne Altherrenliveband, und die hatten auch so Perlen wie "Money For Nothing" und "Make Me Smile" im Programm. Toll, toll.
Danach (so um ein Uhr nachts oder so), kam noch eins der Mädels auf die Idee, zum Strand zu gehen. Zum Schwimmen...
Ich denke, weitere Worte erübrigen sich.
Trotzdem, ich sag noch so viel:
Unterwäsche, halbnackt, ganz nackt, kalt, kalt, kalt, aua Fuß, Steine, Steine, Steine, "Did you too just feel something slimy slipping over your body??? OOOOH, JELLYFISH!!!"
Was cool. Ich hab mich übrigens benommen, was Kleidung ablegen anbetrifft. Hab halt keine so superlangen Haare wie Jozette, die über diesen Umstand sehr glücklich war, da sie ihren BH für "zu schade zum Schwimmen" befand...
Und dann ins Bett. Schon wieder nasse Klamotten.

14Uhr
Craobh
Mittagspause.
Wir sitzen hier im Gras am Hafen dieses kleinen, anscheinend sehr wohlhabenden Örtchens (sehr gepflegt, Segelyachten ohne Ende - Roger hat grad in der örtlichen Kneipe nachgefragt und erfahren, dass der Ort erst 15 Jahre alt ist, und sämtlich aus der Feder eines einzigen Architekten stammt).
Vorher waren wir auf der Isle of Seil, wo wir erst die Atlantic Bridge (weltweit die kürzeste Möglichkeit, den Atlantik zu überqueren) bestaunt haben und dann etwas über die Geschichte des angrenzenden Ortes Tigh-an-Truish (= Ort der Hose) lernten (denn im dortigen Pub haben sich früher die Inselbewohner ihrer Kilts entledigt, um die auf dem Festland unter Strafandrohung verordnete Hose anzulegen).

Tag am Meer:

Hernach fuhren wir weiter ins Inselinnere um auf den "Sheepshit Hill" zu kraxeln (eigentlich wohl Ben Dunmore, aber der Spitzname ist Programm).
Es gibt da zwei Wege hoch, einen Leichten und einen Senkrechten. Abenteuerlustig wie wir Backpacker nunmal sind, sind (fast) alle den nahezu senkrechten Grashang raufgehechtet. Natürlich immer den Tod (oder wenigstens was Gebrochenes) im Nacken, denn wer da einmal abrutscht, ist ganz schnell und schmerzhaft wieder gaaaanz unten (es gibt da noch so eine üble Kurve am unteren Ende des Hangs...). Und reißt vermutlich noch einige Nachzügler mit sich ins Verderben. Aber Roger meinte, er hätte da sogar eine 60jährige hochgepusht, also könnten wir das doch erst recht. Und so einige sind dann trotz Sandalen an den Füßen los und auch oben angekommen. Bin mal auf die Fotos gespannt.

Voilà l'hill du schafmerde et les hinterlonds:

Wo ich grad von Fotos spreche, ich brauch dringend neue Filme. Hab schon 3 1/2 verschossen. Mist, Mist, Mist aber auch, wo die doch hier so teuer sind.
Gerade eben, auf dem Weg zwischen Isle of Seil und hier ist es übrigens zum ersten Mal passiert: Jemand ist eingeschlafen. Genaugenommen gleich drei auf einmal.
Biiige mistake (wie Junko zu sagen pflegte), großer Fehler...
Roger hat uns nämlich gestern schon vorgewarnt, dass es ganz üble Folgen haben kann, sollte man es wagen, in seinem Bus einzuschlafen. Dann erfolgt nämlich eine stillschweigende Absprache per Handzeichen und Rückspiegel, jeder wird auf den oder die Schlafenden aufmerksam gemacht, dann zählt Roger mit den Fingern von drei runter und bei null (logischerweise) bremst er einmal kurz und heftig und alle schreien. Danach erfreuen wir uns dann am panikerfüllten Gesichtsausdruck (oder wie Roger es so schön schöttelt: ixprreeschen of ääpsoluut teerrar) der arglosen Opfer.
Hoffentlich penn ich niemals weg...

Ja, sie sind respektgebietend, die modernen Highlander:

Mehr fällt mir jetzt gerade nicht ein.