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SCHOTTLAND 2001    Teil 1


 
 
 
Vorabinfo: Nachdem Schottland mich im Sommer 2000 komplett um den Finger gewickelt hatte, musste ich baldest möglich wieder hin! Das ging schneller als ursprünglich erwartet, nämlich schon in den Osterferien 2001. Und weil die Osterferien so kurz sind, entschied ich mich ausnahmsweise mal für das Nutzen eines Flugzeugs. Nächstes Mal nehm ich aber wohl doch lieber wieder den Bus... Wie auch immer - Conny, mit der ich ja auch schon in Irland und Schweden unterwegs gewesen war, war zu der Zeit ohnehin in Schottland, da sie dort ein sechswöchiges Praktikum in einer Tierklinik gemacht hatte. Leider musste sie früher als ich wieder nach Hause zurück, also konnten wir nur eine Woche lang gemeinsam durchs Land touren. Connys Eltern waren zeitweise auch dabei. Am Tag der Trennung quartierte ich mich dann erstmal bei meinem guten Freund Mark ein, der zu dieser Zeit in Glasgow lebte. Tatsächlich ist er aber aus L.A. und ist ebenso wie ich bei virtualtourist.com aktiv. Daher kenn ich ihn auch, und übrigens war er vorher schon mal bei mir zu Besuch, also ist's nicht so, als würde ich bei wildfremden Männern übernachten ;oP. Nach einigen Tagen bei Mark fuhr ich dann alleine weiter nach York, wo ich ebenfalls einige Tage blieb, dann nach Edinburgh zurückkehrte und von da aus einmal Stirling einen Besuch abstattete, und zweitens noch ein paar weiteren Freunden aus dem world wide web, nämlich Marie und Anna in Hartlepool/England.
FOTOS KOMMEN NOCH!

7.4.01
Samstag

15h30
Flughafen Düsseldorf, Lounge
Fliegen!
Ich bin ja mal kaum nervös... der Tag fing schon gut an: erstmal Flughafen (Düsseldorf) finden, Parkplatz finden (wobei wir uns natürlich auch direkt verfahren haben, und dann wieder auf der Autobahn gelandet sind)... Oh Gott, meine Maschine rollt gerade ran! Kucken gehn...
Ganz nett. Nett klein. Klein gefällt mir. Weiß zwar nicht, ob es sicherer ist, aber gefällt mir, und das ist ja schon mal was.
Jaaaaanz ruhich.
Bin das letzte Mal 1996 geflogen, aber damals war ich auch nicht allein, sondern Teil einer Sprachreisegruppe. Bis jetzt eben gerade war ich auch nicht allein, Mamsi und Papsi standen mir bei bis ich hinter den Toren der Sicherheitskontrolle verschwunden war. Einchecken und so kann ich also möglicherweise immer noch nicht alleine. Bin von der Info ("Da hinten müssen Sie hin!") zu nem Schalter ("Guten Tag, wollen Sie nach Mombasa?") zu nem anderen Schalter ("Nee, das ist nebenan.") und letztendlich zum Ziel.
Dort wurde mir dann gesagt: "Erstes Mal alleine? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben sich auch gleich einen schwierigen Flug ausgesucht."
In Birmingham wird aufgetankt, vermutlich bedeutet das Aussteigen und durch fremde Gänge und Hallen laufen *schluck*. Ich BIN nicht nervös *bibbber*.
Die Crew ging gerade an Bord. Scheinen größtenteils Engländer zu sein. Was sagt uns das jetzt? Zumindest wird's wohl keine Kommunikationsschwierigkeiten mit der britischen Bodenkontrolle geben. *harhar*. Das Wort eben hat fast eine ganze Zeile eingenommen. Kommunikationsschwierigkeiten. Gut, gut, ich bin nervös.
Ich hab Kopfschmerzen, und warm ist mir auch... aber alles wird gut, ich hab diesmal an Kaugummi gedacht, und von den Flughafensamaritern gab`s drei Reisetabletten gratis.
Ach ja, habe Platz 17 Cäsar, leider kein Fensterplatz. Och menno...

ca 16h30
Gleich geht`s los. Ich kann`s kaum glauben... Der Start ist ja ganz lustig, soweit ich mich erinnere.
Kopfschmerzen, oh... Aber ich kaue Kaugummi, und ich hab noch Mentos griffbereit - alles wird gut.
Jetzt sitze ich übrigens auf Platz 20D, hab mit nem kleinen Jungen getauscht, der neben seinem Daddy sitzen wollte. Ach, I`m very kind.

17h
Schon Verspätung. Oh, jetzt scheint's loszugehen... ui...

Oben.
Kaum brennt die CAMEL, kommt der Bus, man kennt das ja. Der Start war recht cool, aber einige (junge) Leute an Bord scheinen schlimmste Erfahrungen gemacht zu haben. Die kauern in ihren Sitzen wie Embryos.
Wir sind jetzt auf 4800 Metern, Tendenz steigend. Es waren rund 600 km Strecke, jetzt noch 570, Geschwindigkeit 707 km/h. Und draußen is schweinekalt: -37°C. Mann, wie die Zeiten sich ändern. Damals, 1996, gab`s so Digitalbildschirmchen noch nicht, jedenfalls nicht in meinem Flugzeug. Das hier ist jetzt ein Airbus A319. Toll toll.
*iiiiek* Jetzt sind wir ein bisschen durchgeschüttelt worden und scheinen eine konstante Flughöhe erreicht zu haben. Vorher ging`s aber nochmal kurz und heftig runter... das hass ich ja: die Landung, und alles was nach unten zeigt.
Höhe jetzt 9144m, 835 km/h.
Und nu gibt`s Happa-Happa. Chicken & Lettuce on a White Sub Roll with Orange Infused Spread... hä? Naja, wurscht. Sieht jedenfalls fast einheitlich weiß aus. Na dann, bon apetit.

17h20
So. Satt.
Hab aber immer noch Kopfschmerzen. Und langweilig ist mir irgendwie auch. Rausgucken geht nicht ohne Weiteres, und wenn ich`s doch tue, seh ich nix als Wolken unten (grad war da noch das Meer) und ein bisschen Blau oben. Und alles ist so verdammt hell, dass ne Sonnenbrille mehr als angebracht wäre.
Noch etwas über 20 Minuten bis Birmingham. -50°C jetzt draußen. Wie sich das wohl anfühlt? Ich kann übrigens die Tragflächen sehen. Unheimlich aufregend...
Arg, blöde Kopfschmerzen...

16h48 (nach der Zeitumstellung)
Jetzt wird's gleich spannend. Die Landung steht kurz bevor. Hey! Ich krieg das Ganze ja nochmal! Coooool.
Zumindest, was den Start betrifft...

17h30
Birmingham
Lounge, Gate 1
Nein, es wurde mir nicht klar mitgeteilt, wo ich hin muss usw. Einzige Anhaltspunkte waren ein paar "All Connections"-Schilder, ein paar andere verwirrte Leute und ein Mädchen mit Dreadlocks, von dem ich weiß, dass sie auch nach Edinburgh unterwegs ist.
Die sah ich dann hier in dieser kleinen Lounge sitzen, während ich ein wenig verloren nebenan in der Großen hockte. Also bin ich auch rein, und wenn`s doch falsch ist, dann ist halt die da schuld, die da drüben! HA!
Oh, die Landung war übrigens recht gut, nicht so schrecklich wie ich es vom letzten Mal in Erinnerung hatte.

Bin jetzt im Flugzeug, diesmal wirklich Platz 17C.
Mehr fällt mir momentan nicht ein...

MITTERNACHT
Samstag/Sonntag
Eglington Hostel, Zimmer Nr. 33
Edinburgh
Endlich sind die Kopfschmerzen weg! Nach nix Abendessen und sowieso lieber nicht an Nahrungsaufnahme denken, nem schwarzen Kaffee mit ganz viel Zucker, etwas Irn Bru und dann ganz viel Treppensteigen und noch mehr Pläne-Umwerferei.
Was die neuen Pläne nun sind, schreib ich dann später - zunächst wollen wir mal schlafen und dann möglichst morgen bei Sonnenaufgang auf der Spitze von Arthur's Seat hocken. Das Wetter ist im übrigen gut, der Blick vom Zimmerfenster schön und das Hostel als solches auch janz fein. Nr. 33 ist ein Vierbettzimmer mit Waschbecken, Spiegel und sonst ganz wenig Platz. Bevölkerung: Conny, Connys Eltern und ich.
Gedankensprung.
Abholen am Flughafen hat wunderbar geklappt, aber auf der letzten Flugetappe ging`s mir nicht mehr wirklich gut - dürfte vor allem an den Kopfschmerzen gelegen haben. Auf jeden Fall ist Fliegen (ohne Fensterplatz) ziemlich langweilig, finde ich. Da fahr ich doch lieber 30 Stunden mitm Bus... Hätte ich nicht im Flugmagazin einen Artikel mit göttlichen Bildern von Jude Law gefunden...
 

8.4.01
Sonntag

16h32
Glasgow, Queens Street Station
Alles anders als geplant, aber is ja egal.
Eigentlich wollten wir heute früh mit dem Zug nach Inverness, einmal nackt in den Loch Ness hüpfen (getreu dem Motto: "You can`t go to Loch Ness and not nude up." - siehe Schottlandreisetagebuch 2000), in Inverness übernachten, dann weiter nach Kyle of Lochalsh und über die Brücke nach Kyleakin auf Skye, da zwei Nächte pennen, dann runter nach Armadale, wo die Fähre nach Mallaig ablegt, und dann weiter nach Oban, Fort William und zum Glen Coe. Tja, und dann noch nach Glasgow, zu Mark.
Stattdessen haben wir Inverness aus Zeitgründen komplett geknickt (ist sowieso auch viel zu kalt zum Baden... jedenfalls zum Baden im Loch Ness, der ja schon von Natur aus eiskalt ist). Jetzt sind wir mit dem einzigen sonntäglichen Zug unterwegs von Edinburgh nach Mallaig, wo wir um 23h30 ankommen sollen.
Momentan ist Umsteigepause. Der Zug nach Crianlarich (wo wir wohl wieder umsteigen müssen) geht erst um 18h12. Komm ich wenigstens endlich mal zum Tagebuchschreiben. Hmmmm, gut... Der Tag begann folgendermaßen:
Bekloppt wie wir sind, standen Conny und ich um 6h15 *!!!* auf, um möglichst den Sonnenaufgang von Arthur's Seat aus mitzuerleben. Hat nicht ganz geklappt, aber immerhin waren wir so halb oben, und die Sonne auch. Schön war's allemal. Jaja, das Wetter ist fein. Hoffentlich bleibt`s auch so.
Wir fuhren übrigens mit Conny ihre Eltern denen ihr Automobil durch Edinburghs frühmorgendliche Gassen. Noch nicht viel Volk unterwegs (hätte mich auch schockiert), aber aufm Arthur's Seat (und wohlgemerkt ganz oben) war ein Jogger. Muss der fit sein... Beneidenswert.
Es gab dann gratis Frühstück im Hostel, unterbrochen von einer kleinen Vorbuchungsaktion für Mallaig und Kyleakin. In Kyleakin ist übrigens erstmal nur eine Nacht frei, jedenfalls in der Jugendherberge. Vielleicht ist aber im Independent Hostel noch was für uns frei? Hoffen wir`s mal.
Tja, nach dem Frühstück und Dreiviertelauschecken sind wir zum Botanischen Garten Edinburghs gefahren und sind einmal durchmarschiert. Sehr hübsch, selbst schon um diese Jahreszeit. Besonders das Tropenhaus ist toll. Der erste Film ist folglich schon verknippst.
Danach wollten wir irgendwo was essen gehen, aber so einfach ist das gar nicht... nach langer Parkplatzsucherei endeten wir doch wieder bei Brot und Tee in der Hostelküche. Und dann ging`s auch schon los zur Weiterreise. Soweit keine Probleme mit den Fahrrädern im Zug, auch der Britrail-Flexipass wird anstandslos akzeptiert. Allet in Butter.
Muss jetzt mal nach Hause telefonieren...

17h21
Jamm-Jamm! Hier laufen leckere Mannsbilder rum!
Aber das wollte ich doch gar nicht schreiben. Ich wollte die lustige Hinhaltetechnik hier in der Queens Street Station beschreiben. Hier wird das mit der Gleisinformation nämlich etwas anders gehandhabt als in Deutschland:
Es gibt sieben Plattformen (auch Gleise genannt), gegebenenfalls alle mit Zügen bestückt (by the way: Dies ist ein Kopfbahnhof.) - am Kopfende befindet sich die Wartehalle (wo auch sonst). Für alle Insassen gut sichtbar eine Reihe von Bildschirmen auf denen SCOTRAIL steht. Unten drunter papierne Fahrpläne, aber ohne Gleisinformationen eben... die Massen stehen abmarschbereit in der Wartehalle, so ziemlich jeder starrt die Bildschirme an. Und starrt weiter, und wartet.
Auf einmal macht's *DING DONG* und auf den Bildschirmen erscheinen die aktuellen Abfahrten inklusive Gleisangabe. Schlagartig entleert sich die Wartehalle, und die Menschenmassen strömen auf die verschiedenen Plattformen.
Nicht ganz ungeschickt, denn so lässt es sich flexibler planen, wenn mal ein Zug zu spät kommt oder ein Gleis blockiert - sollte sich die Deutsche Bahn vielleicht mal ein Beispiel dran nehmen.
Oh! Lecker! Oh! Aber leider ein Raucher und beweibt. Naja. Oh! Oh oh!!! Ein junger Golfer! Leider auf dem Weg zu nem abfahrbereiten Zug.
Allerdings leider noch kein Zeichen von Billy Boyd bisher. Den soll ich, auf Auftrag einiger Freundinnen aus Übersee, einpacken und verschiffen, aber bitte schön so, dass er bei Ankunft noch in einer "mint condition" ist - zu welcher der Damen soll ich ihn allerdings schicken? Nun, da müsste ich wohl Lose ziehen...
Hab mich gerade mal vor die Tür gewagt (da sind die Chancen größer, Billy Boyd zu treffen, dachte ich mir). Erster Ausblick: der George Square mit einem impressiven Gebäude am einen Ende. Leider kein Billy.

18h
im Zug, noch im Bahnhof
Möglicherweise sitzen wir im falschen Zug. Oder eher im falschen Waggon. Wir sind ein wenig verwirrt. Wahrscheinlich stehen auch unsere Fahrräder nicht ordnungsgemäß in den Ständern. Da gibt`s so ne komische Anleitung... Aber erstmal abwarten.
Wie's so aussieht, fährt dieser Zug jedenfalls in gleich drei Richtungen: Oban, Fort William und Mallaig. Auf dem Bildschirm war zu lesen: vier Waggons gehen nach Fort William und Mallaig, zwei nach Oban. Aber irgendwie stand da nicht, welche welche sind. Conny meinte, nachher waren nur noch zwei für Mallaig angegeben... und wir sitzen jetzt in der goldenen Mitte, Wagon 3. Wohin des Wegs?
Spannend, das.

Irgendwo im Nirgendwo
Boach, is dat schön hier! Da weiß man gar nicht, wo man zuerst hinkucken soll!
Also, jedenfalls mal nicht auf's Tagebuch, soviel ist klar...

19h50
Ardlui
Kurzer Aufenthalt - weiß nicht warum... auf jeden Fall etwas Zeit zum Tagebuchschreiben. Wir waren doch im falschen Wagon. Also mussten wir in irgendeinem Kaff mit unseren Fahrrädern raus, nach vorne spurten und wieder rein. Und hier sitzt jetzt auch das hübsche, beweibte Raucherlein.
Es geht weiter!
Leider wird`s schon langsam dunkel...

Crianlarich
Für einen Eisenbahnknotenpunkt ist das aber ein ganz schön winziger Bahnhof - nur zwei Gleise. Mal sehen wie und wie schnell die Aufteilung von Statten geht. Vor mir aufm Vierer sitzen ein paar Schaffner und spielen Karten. Und ab und zu erzählen sie sich was in ihrem wunderbaren Dialekt: "And I says..." *seufz*

ca 21h
alles dunkel
Wir ziehen durch die pechschwarze Nacht wie ein großes, röhrendes Glühwürchen (nehm ich halt mal an). Das könnte jetzt ein bisschen langweilig werden... spätestens so um 22h30, denn die letzte Stunde ist ja bekanntlich immer die Schlimmste.
Berge im Dämmerlicht haben was verdammt Unheimliches. Irgendwie auch schön, aber eben unheimlich. Die wirken so lebendig... wie schlafende Riesen, mächtig genug, jeden Störenfried plattzumachen.
Muss die ganze Zeit an David Balfour (Romanfigur von R.L. Stevenson) denken...