9.4.01
Montag
Skye Youth Hostel
Lounge - blauer Sessel (as opposed to red)
Uhrzeit? Keine Ahnung, vielleicht irgendwas um die 18 Uhr? Bin total putt... Wo fange ich an? Am besten da, wo ich stehengeblieben war, nämlich beim Zugfahren gen Mallaig.
Bin irgendwann eingeschlafen - hab ich zwar nicht gemerkt, aber muss wohl so gewesen sein, denn auf einmal waren`s nur noch fünf Minuten bis Mallaig. Der Schaffner hat uns sehr nett mit den Fahrrädern geholfen, und das Hostel war tatsächlich gleich rechts um die Ecke.
Ich erinnere mich noch, wie ich letzten Sommer in Mallaig auf dem Pier gesessen hab, dieses putzige gelbe Häuschen mit Veranda betrachtend, und mir dachte, wie nett es doch wohl da drin sein müsste. War's auch. Wir hatten uns ja eigentlich schon ein schlechtes Gewissen aufgebaut, weil wir den armen Hostelbesitzer so spät nachts noch behelligen mussten. Aber wie sich rausstellte, war's für ihn ein ganz normaler Sonntagabend - mit dem einzigen Zug kommt stets ein Schwung Backpacker reingeschneit, denen er dann im Bademantel Tür und Tor öffnet.
Im Hostel gibt's zwei Zimmer à sechs Betten - unseres sehr bequem bestückt mit einer Kuschelcouch unterm Fensterchen mit Hafenblick. Außerdem gibt`s noch ne kleine Küche und einen common room mit TV, die ich aber beide nicht wirklich ausführlich zu sehen bekam (aufgrund späterer spontaner Entwicklungen). Dazu noch ein Badezimmer mit Waschmaschine und zwei komplett ausgestatteten, abschließbaren Kabinen: Dusche, Toilette, Waschbecken. Sehr nett gelöst. Nur ein bisschen doof, wenn man auf's Klo muss, und in beiden Kabinen jemand duscht.
Aber müde wie wir waren, fielen wir recht bald in unsere Betten, ließen aber doch noch das Licht an, für die vier, die da noch kommen mochten. Anscheinend waren die aber im Fernsehzimmer ganz zufrieden und bequemten sich erst so um die 2h morgens ins Bett. Mittlerweile hatten wir dann aber auch das Licht gelöscht, und zumindest ich schlief schon fest genug, um mich nicht mehr an das nächtliche Durcheinander erinnern zu können.
Morgens jedoch wurde ich vom umgekehrten Prozedere wach: Große Aufbruchsstimmung.
*hmmmmmm... ratter ratter...* Aber laut Fahrplan-Faltblatt fährt die erste Fähre doch erst um 10h35 und unser Wecker hielt sich noch konkret bedeckt, also hatten wir offensichtlich nicht verschlafen. Zufällig schnappte ich dann folgende Sätze auf:
"When does the ferry go?"
"Twenty to nine."
Die vermeintlich schlafende junge Dame (mit anderen Worten: ich) zieht erstaunt die Brauen hoch. *hmmmhmmm* Ahaaaa... nun... obwohl ich ja überhaupt keinen Bedarf nach Frühsport hatte, teilte ich die Neuigkeiten der eigens dafür aufgeweckten Conny mit, die auch gleich so Feuer und Flamme war, dass es für uns beide reichte. So endeten wir recht gehetzt am Fähranleger, um 8h38, also zwei Minuten vor Abfahrt... *zack* Tickets gekauft ("Please, hurry up!"), rüber zur Fähre gestrampelt (durch eine Kiste mit Desinfektionsstroh, wegen Maul- und Klauenseuche), Fahrräder an die Seitenwand gebunden (hat netterweise einer der "Matrosen" für uns gemacht)... feddich. Ab an Deck und die See betrachten.
Nach knapp 30 Minuten waren wir schon in Armadale, übrigens immer noch so ziemlich ohne Frühstück, da wir unsere spärlichen Vorräte ja eigentlich morgens in Mallaig aufgestockt haben wollten. Leider musste ich auch feststellen, das Skye Batiks hier nicht mehr existiert... also kein gratis Kaffee. Mist.
Wir sind dann noch eben nach Ardvasar (dem eigentlichen Dorf beim Fähranleger) gefahren, zum Food Store, wo's sehr coolen Joghurt gibt: Vanille mit Apfel und Brombeere. Leeeecker! Außerdem portionsweise abgepacktes Nudelzeugs mit Currymix und Maltesers in der edlen Geschenkbox... Letztere hab ich mir aber nicht gekauft.
Weiter ging's (nach kurzem Frühstück am Meer) bis zur Weggabelung der Weggabelungen: "Easy or dodgy? Hmmmm... never take a bike up there... och, fuck it: Dodgy!!!" (siehe Schottlandreisetagebuch 2000...)
Es war dann auch recht anstrengend. Glücklicherweise folgen aber auf Steigungen immer irgendwann Abfahrten, und wie immer waren diese bis ins Mark erfrischend! 20-25 km Umweg, rauf und runter, durch Sprühregen und Sonnenschein, rundrum nichts als braun-gelb-schwarze Berge mit gelegentlichen Waldflecken und natürlich Lochs (mit Elfen drin). Sehr einsam, auch kaum Autos, nur viele Kühe mit Kälbchen. Putzig. Teilweise senkrechte Anstiege, aber auch beängstigend steile Abfahrten (20% Gefälle).
Beim Schieben (und es hieß oft Schieben für mich) ist gut Festhalten angesagt, besonders mit Gepäck hintendrauf, sonst darf man sein Fahrrad jagen gehen.
Das letzte Teilstück der Strecke ging dann wieder über die normale Autostraße, was natürlich weniger schön war. Nicht nur, dass es mittlerweile konstant regnete, wir hatten auch mit besengten Rasern und dem überaus griffigen Straßenbelag zu kämpfen. Auf dem ließ sich nämlich nur sehr schwer Geschwindigkeit aufbauen (es sei denn, man ist motorisiert). Kann aber auch an meiner allgemeinen Schwäche gelegen haben.
Nach insgesamt ca 55 km kamen endlich die Brücke und Kyleakin in Sicht. Tropfnass tappste ich zum Skye Backpackers rüber, um dort für Unterkunft in der zweiten Nacht zu sorgen, während Conny die Fahrräder im Bike Shed der Jugendherberge unterbrachte ("Bike Shed? Oh, yeah, we have one, we usually use it for the lawnmower."). Betten haben wir im Backpackers jetzt sicher, allerdings ist noch nicht klar, ob wir im Haus oder im Gartencaravan schlafen werden - die JumpOnJumpOff-Tour (MacBackpackers) hat nämlich Vorrang und ist unberrechenbar.
Gut, naja, jetzt sitzen wir also in der Lounge der Jugendherberge, geduscht (schön!) und satt. Hab schon nen Haggis-Bus gesichtet (die Truppe übernachtet hier im Haus) und *tadaaa!* auch einen von MacBackpackers *schnief*.
Ach ja, Conny sagt es gerade so schön: "Was ein Scheißwetter!"
Es ist die Sintflut. In 2000 Jahren wird man sagen: Und sie begann auf der Insel Skye...

10.4.01
Dienstag
22h30
Skye Backpackers
Lounge
Kommen gerade aus King Haakons Bar, wo zunächst alles wunderbar war (gute Musik, Sitzplätze, gutes Essen), bis dann sowas wie eine Schulklasse aufkreuzte, so 17-19 Jahre alt, tippe ich mal, woraufhin nur noch Dancefloor und Techno lief (free Jukebox...).
So verließen wir das Etablissement nach Maccaroni Cheese und 1 1/2 Pints, ein bisschen Frieren auf der Terrasse mit Meeresblick (während wir auf Besserung der Musikauswahl hofften) und einem Gang auf die bekotzte Toilette. Gleich fallen wir in unsere göttlichen Betten, wir, Poseidon und Athena, wobei ich als Wassermann natürlich Poseidon bin (für die Ahnungslosen: Zimmer und Betten haben in dieser Art von Hostel einen Eigennamen).
Och, so viel passiert heute... Nach dem Frühstück klärten wir sämtliche noch vorhandenen Unklarheiten im Skye Backpackers (nix mit Caravan, und Connys Eltern haben ein Doppelzimmer - wir ein Sechser). Und dann ging`s mit dem Auto auf nach Portree, wo wir uns recht lange und kostpielig aufgehalten haben: erstmal das halbe Sortiment der Bakery durchprobiert (die hat Roger damals bei meiner MacBackpackertour empfohlen, und natürlich hatte er recht... lecker lecker lecker!), dann enterten wir Skye Batiks, dessen Filiale hier übrigens vergrößert wurde, während die in Armadale ganz schloss. Nach langem Überlegen und Gewissensprüfungen verließ Conny den Shop mit einem recht teuren Sea Green Frock am Leib, und ich mit einer knallbunten (eingetüteten) Hose und einem gratis Kaffee im Magen.
Als nächstes ging`s zur Bank, 170 Pfund abheben, und gleich darauf nach Hause telefonieren (um sicherzugehen, dass ich überhaupt so viel auf dem Konto hatte...). Geld, das man hat, muss auch wieder ausgegeben werden, also auf zum Shopping durch diverse Läden, Postkarten, Irn Bru, Peatbog Faeries-CD, Briefmarken kaufen, dann viele Fotos von Portree im Sonnenschein!
Weiter ging's Richtung Norden zur Praktizierung des Hielan' Charge. *ahem* Hab die entsprechende Stelle wiedergefunden, aber leider war der Hang ein einziges Moor. Ja egal, Conny und ich also rauf, bisschen gezögert und gewimmert, dann aber los, runter, wenn auch nicht ganz so schnell und ausgelassen wie letzten Sommer... aber genauso laut schreiend. Und dann: *plumps*
Annie setzte sich volle Beinlänge auf den klatschnassen Matsch. Nass bis auf die Haut, buchstäblich. Also hatte ich keine andere Wahl, als meine Hose auszutauschen... naja, zum Glück hatte ich diese Wahl ja überhaupt, denn ich hatte mir ja gerade eine neue Hose gekauft. Also zog ich mich hinter die einzige Deckung zurück, die diese karge Landschaft bot, einen kleinen Erdhügel, wechselte die Hosen und legte nach vollbrachter Tat noch eben einen kleinen Highland Fling auf dem Hügelchen hin. Just in diesem Moment tauchte ein weiteres Auto mit drei englischsprachigen Touristen auf, die das offenbar höchst lustig fanden. Wir sollten sie noch wiedersehen...
Als nächstes hielten wir am äh... an irgendwelchen Klippen. War sehr schön, aber eigentlich hatten wir gedacht, es wär schon der Kilt Rock. Falsch gedacht, der kam später, aber hier begegneten uns wieder einmal die drei Touristen von vorhin, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Beim Kilt Rock, wo der Feengesang diesmal dank des starken Winds noch schöner war, tauchten sie nicht auf. Wunderschöner Anblick der im Meer wogenden Algenteppiche, die in der Sonne glitzerten wie Diamanten!
Wir trafen die Drei wieder beim Museumsdorf bei Flora MacDonalds Grab... erst hatte ich sie gar nicht erkannt, aber auf einmal meinte der eine Typ: "Any more dancing this afternoon?" *hehehe* You never know...
Das Museumsdorf war übrigens ganz nett, bloß zum Textelesen war ich zu faul, dabei waren die bestimmt interessant. Leckere Bonbons gibt`s da auch.
Oh, ich vergaß einen Haltepunkt! Das Quiraing! Suuuuuperschön, diesmal im Sonnenschein, ganz herrlich. Auch MacBackpackers und Haggis waren anwesend, doch leider gerade außer Sichtweite. Wären wir ein paar Minuten später abgefahren, hätten wir noch den MacBack-Fahrer in ganzer Schönheit bewundern können. So sah ich ihn nur von der Straße aus hoch oben auf dem äußersten Rand eines Hügels posen (natürlich im Kilt) - so nach dem Motto "Ich bin der König der Welt!" Ich wär da ja runtergefallen...
Dann weiter... wohin? Ach ja, eigentlich zum Duntulm Castle, aber das war leider geschlossen, wegen MKS. So'n Mist. Kein Fairy Kissing Game (siehe Schottlandreisetagebuch 2000). Dafür aber natürlich ein weiterer Ausflug ins Fairy Glen, das wiedermal ganz und gar wunderschön anzuschauen war. Von unten wie auch von ganz oben. Gab ein paar kleine Höhenangstanfälle, vor allem bei Conny und vor allem in Verbindung mit starkem Seitenwind bei Überquerung schmaler Passagen. Kein Entblößungsopfer diesmal (na, wenn das man gut geht...), stattdessen ein kleiner Highland Fling auf dem Gipfel des Fairy Hill.
Nur wenige Minuten später trödelten auch unsere drei Verfolger ein... tjaha, Tanz verpasst *ätschibätsch*.
Danach ging`s ohne große Umschweife zurück nach Kyleakin, Zeugs im Zimmer abladen, verschlammte Hose auswaschen... Fahrräder aufs Auto packen und dann zum King Haakon's. Ich glaub, ich will jetzt ins Bett.

11.4.01
Mittwoch
10h25
Mallaig Station, im Zug
Jetzt geht`s auf nach Oban, über Crianlarich und Fort William (glaube ich), diesmal nicht nur im Hellen, sondern gleich im strahlenden Sonnenschein! Der Typ vom Vierer nebenan putzt grad von außen sein Fenster... nicht ganz ungeschickt... auf unserer Seite ist aber leider kein Bahnsteig, also keine Chance seinem Beispiel zu folgen.
Begeben wir uns mal wieder gedanklich in die Zeiten der Vielgötterei: Poseidon hat gut geschlafen, obwohl das Bettzeug von der ganz gemeinen Sorte war - sleeping sheet (eine taschenähnliche Konstruktion), rundrum am Laken festgenäht, und die Bettdecke drüber auch so straff reingestopft, das Bewegen praktisch unmöglich war. Naja, nur die Harten komm' in' Garten. Wo ja der Caravan steht. Und wer da drin schlafen will, der muss auch wirklich hart sein, denn die Toilette ist natürlich im Haus, und wenn man dann nachts oder morgens im Schlafzeug in den höchstwahrscheinlich nassen Garten raus muss (bestenfalls nass vom Morgentau)... schöner Garten übrigens. Auch gutes Frühstück, Kostenpunkt 1Pfund60... der Zug startet!!
14h45
Crianlarich Station
Warten auf den Zug.
Take your time. Laut Fahrplan sollten wir bereits seit über zehn Minuten im Zug sitzen, aber gerade kam der (ebenfalls auf Anschluss wartende) Schaffner, und teilte allen Anwesenden mit: Es dauert noch ein Stündchen, sorry. Irgendwas ist kaputt. Naja, könnte schlimmer sein (ich denk da nur an Warten in irgendeinem Rheinkaff mit unbefestigtem Staubboden und ständig vorbeirasenden Durchgangszügen, die einem den ganzen Mist in die Augen und Atemwege wirbeln... hier gibt`s sowohl gepflasterten Boden (schön schwarz, guter Wärmespeicher), als auch keine Durchgangszüge. Außerdem ein paar Berge im Blickfeld, fett Sonne, relative Ruhe und eine handvoll wuselnder Wartender. Ich hab eine Flasche Irn Bru und ein paar Chocolate Cookies. Wir werden`s überleben).
Heute morgen fragten wir Birgit (die deutsche Rezeptionistin im Skye Backpackers) nach ihrem Werdegang und ob sie zufällig einen gewissen Roger, ehemals Fahrer bei MacBackpackers kennt. Es stellte sich raus, dass sie als Erzieherin auf Jobsuche nach Edinburgh kam, leider aber nichts Passendes fand und letztendlich im MacBackpackers-Büro anfing. Und, man höre und staune, sie kennt Roger nicht nur, sie war sogar bei ihm eingemietet! Während er mit ein paar Freunden in dieser vielgerühmten Wohnung mit Klo-Küche-Wohnzimmer-Castle-Ausblick wohnte, vermietete er seine eigene Wohnung eben an Birgit (und scheinbar noch ein paar andere). Und irgendwann ging Birgit dann mal auf eine MacBackpackers-Tour, unterhielt sich auf Skye unverbindlich mit einer Rezepionistin, die Birgits Interesse an einem Job der Managerin gegenüber erwähnte, und *zump* war sie drin.
16h15
Hat dann doch noch ein bisschen länger gedauert bis der Zug kam - es musste erstmal Holz umgeladen werden, hier in Crianlarich. Business ist schließlich business. Jetzt aber wieder Landschaft!
20h10
Oban Youth Hostel
Essraum
Nach Ankunft in Oban, dringendem Harndrang und von daher Stürmen der Jugendherberge, fuhren wir noch zu TESCOS einkaufen. Jetzt macht Conny ne Riesenpfanne Allerlei, und ich Arsch hab Sodbrennen... Sonne scheint in unseren netten Erker hier, fein fein, auch der Blick aufs Meer (die JuHe ist direkt an der Strandpromenade gelegen). Unser Zimmer ist Nr. 302, ein Sechsbettzimmer, aber wir Vier haben es für uns alleine.
Jetzt gibt`s Essen. Toodles-Noodles, wie the Mysterious A_ zu sagen pflegt.