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Schweden_1998  
 
 
 
Teil 3
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
...und wieder Conny, am selben Tag/Morgen/Nacht:
 
Gerade eben ist das Foto "Ich liebe meinen warmen Schlafsack" entstanden - und ich Trottel hocke mich nun so hin, dass mir recht kalt wird, nur um Tagebuch zu schreiben (Anm. d. Red.: Soviel zu der Frage, wann man denn im Urlaub überhaupt die Zeit und Muße hat, so ein Tagebuch zu führen...). Und das noch im Dunkeln, um ca 4.30 Uhr!
Da ich mit dem Aktuellen angefangen habe, muss ich wohl auch damit weitermachen... Also, wir sitzen hier im Park vor der Kirche in Växjö, und die Luft ist nicht besonders warm, aber es ist trocken! Als WC benutzen wir hier Bäume, Sträucher... à propos... bis gleich!
(Kommentar Annie: *Water* Closet? Eher nur Closet, auf Wasserspülung kann ich hier echt verzichten, dazu müsst's ja schon regnen. Abgesehen davon ist es nur EIN ganz *spezifischer* Baum. Der rote (???? (is so dunkel hier)) mit den Hängeästen. Grüßt ihn von mir, wenn Ihr ihn seht, den treuen Gesell!)
(Das heißt, wenn er nicht eingegangen ist, inzwischen *ähä*))
Haben Männer das gut, die kriegen nicht so'n kalten Ar*** beim Pinkeln!!!
Aber, wo hab ich denn aufgehört? Ach ja, bei unserem ungewöhnlichen Nächtigungsort, wo doch eigentlich eine Übernachtung auf dem Campingplatz 6 km nördlich von Växjö geplant war (der übrigens der nächste oder naheste (na, wie auch immer) ist), aber vielleicht werden wir ihn ja in der nächsten Nacht beehren.
Es fing damit an, dass mein eh schon wackliger Lenker meinte, so stark wackeln zu müssen, dass ich eine Untersuchung vornahm, die noch vor'm Anfangen darin endete, dass mit der Abnahme des Frontkorbes mir gleichzeitig der Lenker entgegenkam, mit allen Ringen, etc, so dass nur noch Stangen vom Vorderrad & Rahmen mir entgegenschauten, und mir "freundlich" zu verstehen gaben, dass meine gutgemeinten Reparaturversuche ohne Erfolg bleiben würden.
(Anm. d. Red.: *ÄCHZ* Die Frau kann vielleicht Sätze bauen!!!)
So wurde dann mein Korb an die Stange umgehängt - wie gut, dass es ein Herrenrad ist! - und mein Vorderrad mit Wäscheleine aufgezäumt, so dass man es halbwegs lenken konnte. Tja, und so beendeten wir die letzten Kilometer unserer "Åsnen runt" - ich schiebend, Annika fahrend
(Kommentar Annie: Naja, rollend wäre ein angemessenerer Ausdruck, ne?)
Das Fahrradgeschäft war natürlich schon längst geschlossen, als wir instinktiv, wenn auch zögerlich (Hallo Annie, ja, es ist der Bahnhof) uns den Weg ins Stadtzentrum gebahnt hatten. Da das Ganze eh schon nach 6 Uhr passiert war, hätte selbst ein Telefon - so es denn auf der Straße gewesen wäre - uns nicht weitergeholfen. So mussten wir bzw. müssen wir nun die Zeit bis morgen früh rumkriegen, erst einmal McDo - hot chocolate! & WC... leider wurde es Annie nach einiger Zeit zu peinlich, nur dort rumzusitzen, so dass wir zum Bahnhof umsiedelten. Auf zugigen Bänken haben wir dann eine Fischdose geöffnet, das Mahl jedoch wegen ihres NaCl-Gehaltes und sonstigen Beigeschmackes nicht zur Vollendung gebracht. Nur mit Knäcke, und dann dieser Lorbeerfisch pur, war doch nicht so das Wahre.
Kino war ne weitere Möglichkeit, doch da der letzte Film um 21 Uhr, und dann nur "Lethal Weapon 4" lief, weil (heute) - > jetzt ja doch ja nicht Freitag bis Sonntag, d.h. "Der Pferdeflüsterer" und um 22 Uhr lief, haben wir letztendlich diese Bänke ausgesucht.
(Anm. d. Red.: Ich habe diesen Satz wissentlich genauso wie er im Buche stand abgetippt, weil, er ist ein unwiederbringliches Dokument für den Geisteszustand, den eine Nacht auf einer Parkbank hervorrufen kann =0))
So, dann fang ich mal morgens an. Wir wurden nicht von der Sonne geweckt, denn es war ziemlich neblig, so haben wir auch das Baden sein gelassen. Meine Schuhe waren trocken, und wurden 4x (oder waren es 5x?) eingesprüht, auf dass sie bitte, bitte H2O-dicht bleiben werden, zumindest in Schweden.
Auf dem Weg zu den Duschen sah ich dann die mittlere "Geldverschwendung" ("Katastrophe" wäre doch etwas zu hart ausgedrückt...): irgendwelche Viecher, vermutlich der Art Rattus norwegius forma domesticus hatten meine knapp 1 1/2 Pakete hier gekauften WASAs zu Boden gerissen, und - natürlich das Volle - aufgeknabbert und schön Krümel verteilt *schnüff*. Dann war das Kilopaket Nudeln undicht, so dass wir als Frühstücksnachtisch gut 1/2 Kilo Nudeln mit H2O, oder mengenverhältnismäßig doch eher H2O in Nudeln, probiert haben zu kochen.
Na, diese Aktion hatte jedoch 2 Vorteile (mindestens...)
1) einen vollen Bauch. So voll, dass Annie, als ich meinte, sie möge sich ein bisschen beeilen, es vorzog, eine Nudeltasse dem Boden zu vermachen
(Kommentar Annie: Ach, ich wollte doch bloß zum Essen ein bisschen bequem auf dem Geländer da sitzen... aber erstmal ohne Verluste hochkommen!), und
2) trocknete unser Zelt in der Zeit - nach der altbekannten Klopapiertrockenwischaktion - zum ersten Mal wieder ganz durch!
Nur nützt es uns zur Zeit gar nicht, aber bald hoffentlich!
Die mittlerweile rausgekommene Sonne blieb uns dann auch den Rest der Fahrt erhalten. Mittagessen gab es kurz nach Gemla, frisch eingekauft im kleinen Supermarkt: Erdbeerjoghurt & Rosinenbrötchen.
(Anm. d. schwedischkundigen Red.: Wo Conny das Joghurt grad so schön erwähnt - ich hätt fast nen Schock gekriegt und das Erdbeerzeugs in den falschen Hals, als ich beim gemütlichen Picknick interessiert die Verpackung studierte: ...*blåblåblå* Levande... *IIIIIIIIEJJK* WAS LEBT DA?!?. Aber es waren ja bloß die Joghurtkulturen... Schwedischlernen am lebenden Objekt, jaja, svensk gurka und so...)
Überhaupt habe ich heute auch noch einige meiner letzten Vorräte vernichtet, so dass mir nunmehr 1 Apfel, 2 Möhren, 1 1/2 Pack Finn Crisp, 2 Saletti, 1 Schoko&Keks und Brühwürfel verbleiben - und ich könnte immernoch mehr essen, aber das kenn ich ja...
Nackenkrampf!!! Ich glaub, das war's auch für's erste.
 
Noch ein paar Fotos gefällig? Sonne macht mich immer so knippsgeil...
 
 
18.9.98
Freitag
Müde! Langweilig!
Annie schreibt Karten - ich Tagebuch, auf'm Campingplatz Evedal, auf dem die Rezeption erst um 18 Uhr aufmacht, bzw telefonisch erreichbar ist, was uns leider verwehrt bleibt, in Ermangelung einer Telefonkarte. Aber, wie sind wir überhaupt hierhin gekommen? Man glaubt es kaum. Per Fahrrad, und sie funktionieren beide noch!
Morgen wollen/müssen wir sie schon wieder abgeben, um den IR gen Stockholm zu erwischen. Den sollten wir erwischen, weil wir uns nämlich heute morgen schon Karten geholt haben. Außerdem haben wir mal wieder McDo beehrt, für ca ne Stunde, bis der große Regen vorbei war. Ja, dann ham wa außerdem noch die TI besucht - lange nicht mehr gesehen...
Das alles aber, nachdem wir ca 6 Uhr losdackelten um den Fahrradladen zu belagern. McDo hatte natürlich noch zu - ebenso wie alles andere. Nach einigen kurzen Pausen erreichten wir dann unser Ziel, vor dem schon ne Menge Leute standen - nein, eigentlich standen sie vor'm oberen Laden, kamen dann aber nacheinander, mehr oder weniger Deutsch oder Englisch sprechend, runter, um die kostenlose Attraktion des fehlenden/wackelnden Lenkers zu begutachten, der - laut eines Schweden mit (trockenem) Humor - ein "schwedisches Patent" ist.
Letztendlich bekam ich dann ein neues Rad - dieses mal n Damenrad, ohne Gangschaltung, mit nicht zu stark (so hoffe ich doch zumindest) wackelndem Lenker. Nach mehrmaligen Abklappern von Växjö haben wir diesen Campingplatz anvisiert.
Eigentlich würden wir ja gerne Zelt aufbauen und im See schwimmen, aber wie geschrieben öffnet die Rezeption ja erst um 18 Uhr. *gähn* *langweil*
 
Tja, und da Annika sich nicht dazu überwinden konnte, Leute anzusprechen, quatschte ich solche an, die weder Englisch noch Deutsch sprachen. Beim "Rasenmähermann" rief ich sie dann zur Hilfe, und ihr Schwedisch war echt gut, soweit ich es beurteilen kann. Zumindest bekamen wir die Info (sogar ich verstand sie), dass wir unser Zelt schon am Rand aufschlagen dürften, und uns erst in ein paar Stunden, sprich ab 18 Uhr, anzumelden bräuchten.
Da sah die Welt doch schon viel interessanter aus. Und nach getaner Arbeit wagten wir uns in den "Helgasjö" - Fotos beweisen es, und dick "eingejackte" Leute auf dem Bootssteg applaudierten uns. Es hat aber richtig Spaß gemacht - dank Schlafmangel bin ich eh unempfindlicher, und das Kältegefühl machte bald dem Taubheitsgefühl mit Seeigelstacheln (besonders beim Berühren) Platz. Aber es war klasse. War bloß n büschen eklig, dass aufgrund des dreckigen Wassers alle meine Haare henna-artig gefärbt waren - wie gut, dass sie es sonst nicht sind! Oh, was bin ich haarig... *brrrr*, wie war das noch - stammt der Mensch nicht vielleicht doch von den Affen ab?
Dem haarigen Beweismittel machte ich unter der kostenlosen Dusche (dafür kostet der Campingplatz aber auch 100 Kronen) den Garaus. Ja, und jetzt, nachdem ich bezahlen gegangen bin und meinen Rucksack vorgepackt habe, macht sich eine behagliche Müdigkeit breit, wo ich doch so schön auf meiner feinen Isomatte liege...

Jetzt geht's mir gut. Wir waren gerade schwimmen. Und zwar im Helgasjö. Ganz recht, das ist ein See. Ein echter, natürlicher, ungeheizter, großer, nasser See. Kalt, sehr sehr KALT, wirklich, aber wir waren drin, und wir haben Beweisfotos.
Außerdem wurden wir für unseren heldenhaften Wassergang sogar bejubelt, und das von einem gar nicht mal so kleinen Publikum (in Winterjacken). Jaja. Nach ner Weile konnte man's eigentlich ganz gut aushalten (nicht den Applaus, ich mein das Wasser), und was das Beste ist: Wenn man wieder rauskommt, is einem schöööön warm! Da braucht man die heiße Dusche praktisch gar nicht (und ich dachte, ich überleb die Distanz zwischen See und Dusche niemals...). Aber wenn sie schon für lau ist. Allerdings kostet dafür dieser Campingplatz doppelt soviel wie alle anderen, nämlich 100 Kronen. Ich sitze hier übrigens in einem nicht authorisierten Zelt (aber keine Bange, es ist immernoch dasselbe). Erst in 55 Minuten, um 18 Uhr, wenn die Rezeption geöffnet wird, gibt's es uns hier offiziell.
Beinahe hätten wir bis jetzt und noch länger vor dem Rezeptionshäuschen gehockt, uns schwarzgeärgert, Blümchen gemalt und Bienchen verjagt. Diese Viecher sind beinahe penetranter als Mücken!
Naja, jedenfalls haben wir uns dann ein Herz gefasst (vielmehr, Conny tat das, ich bin ja so feige), und den Rasenmähermann angesprochen:
Conny: "Hej! Do you speak English?"
Er (grinsend): "Nej."
Conny (stirnrunzelnd): "Deutsch?"
Er (fettgrinsend): "Nej. Bara Svenska."
Nun war ich dran. Geliefert, der hungrigen Meute schutzlos ausgesetzt! ICH MUSSTE SCHWEDISCH SPRECHEN!!! Ging sogar. Ich hab zwar nur die Hälfte verstanden, aber was ich verstanden hab, reichte auch völlig. Wir durften unser Lager schon aufschlagen, und später dann offiziell einchecken. So konnten wir endlich schwimmen gehen. *freu*
Wenn ich's genau betrachte, hab ich heute richtig viel schwedische Konversation pflegen müssen. Im Spielwarenladen in Växjö hab ich mir "Kalle Blomkvist lebt gefährlich" und "Taran und der Zauberkessel" auf Schwedisch geholt. Es gibt sogar "Mighty Ducks"! Synchronisiert!!! Wenn ich noch Geld übrig hab, hol ich mir den vielleicht. Wer's glaubt...
Naja, jedenfalls hat mich die Kassiererin gefragt, ob ich die Filme als Geschenk einpacken lassen will. *stolzsei* *dasverstandenhab*
Wie kommt die denn auf die Idee? *ähähä*...
Dann auch noch beim Bike Shop... von meinem toll gekünstelten Satz hat der wahrscheinlich nur das Wort "problem" verstanden, und in Zusammenwirkung mit der Ansicht des amputierten Lenkers - da konnte ja nicht viel schiefgehen. Der fand das wahnsinnig lustig, und hat's gleich allen seinen Kollegen erzählt. Im übrigen, meinte er, sei das ein schwedisches Patent, und von der Sorte gäb's noch jede Menge im Fahrradkeller. Conny hat jetzt ein neues altes Fahrrad.
Mit dem ging's *fahrend* (!!!) weiter zum Bahnhof, wo wir unsere morgige Fahrt nach Stockholm nachfragen wollten. Wie in Schweden allgemein üblich, mussten auch wir eine Wartenummer ziehen. Das wäre theoretisch die 207 gewesen, und eigentlich ist das auch gar nicht so schwer. Aber Conny musste natürlich den versteckten Knopf *hinten* am Gerät drücken, und prompt erscholl eine freundliche Frauenstimme, irgendwas am erzählen von "Guten Tag, Sie sind heute der Erste Kunde..." Wartenummer 001. Peinlich, peinlich.
Hinterher konnte man beobachten, wie der Automat verzweifelt mit diesem Wust an widersprüchlichen Daten fertig zu werden versuchte - mal leuchtete die Nummer 001, mal eine 207, dann wieder 001, 207, 001... wir sind dann lieber gegangen.
Tickets haben wir jetzt jedenfalls. Und die Reslustkort gilt tatsächlich für uns beide. Ich kapier's immernoch nicht. *kopfschüttel*
 
19 Uhr 10
 
Bin mit Umpacken fertig (morgen kommen die Räder weg (auf'n Müll! AUF'N MÜLL DAMIT!!!!)). Ich muss sagen, meine Abfalltüte gefällt mir richtig gut - is so schön schwer.

Gerade nochmal Geld gezählt, übel, übel - diese Bahnfahrten nehmen ganz schön viel Geld in Anspruch - ich hab noch ca 1.100 Kronen = 250 DM, davon brauch ich gut 100 für Gefängnis, Schiff & Zeltplatz, ca 50 für Stockholmkarte & ca 80 für Stockholm-Trelleborg. Ich glaub, ich lass mir 200 DM schicken, mal sehn... weil Futtern & Geschenke. Evtl kann ich ja Annie dann noch was leihen. Ach, noch ne gute Nachricht zum Abschluss: Ich hab die Fahrradschlüssel im Poncho wiedergefunden, und auch mein Taschenmesser war nur tief in meiner Bauchtasche verbuddelt. So, denn gehaben Sie sich wohl.
(Kommentar von Annie: Ja *hahaaa*, die hat gut reden! Von diesem ganzen Hin und Her stolpert man ja von einer Herzattacke zur nächsten: "Du, ich hab dummerweise den und den Schlüssel verloren..." "Ach nee, da isser ja wieder! Aber wo is getz der andere?" "Aaaaaah, daaaaaaa! Aber...hmmmmmmm...")
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