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IRLAND 1997    Teil 1


 
  • Das steht uns allen auf den folgenden Seiten bevor:    
 
 
 
 
25.6.97
Mittwoch

Es ist 8 Uhr morgens, und we are sitting bei McDonalds in der Victoria Station/London. Bin hundemüde, aber vielleicht bringt die medium Cola ja was. Der Typ an der Kasse hätte doch fast meine 4Pfund20 Wechselgeld unterschlagen, aber mit einem glorreich wortgewaltigen: "Change?", konnte ich ihm auf die Sprünge helfen. Klasse.
Ansonsten kommt um 10 Uhr unser Bus Nr.861 Richtung Dublin (Gate 18, das nur für`s Protokoll). Die Hinreise war (bis jetzt) recht angenehm. Conny und ich konnten jeweils einen Doppelplatz entern - viel Platz für zu lang und zu breit geratene Personen... Man konnte sogar etwas schlafen. Wobei mir dann unangenehmerweise das eine Bein weggepennt ist. Aber tüchtig.
Tja, und irgendwann gegen Morgen (genauen Zeitpunkt haben wir natürlich verschlönzt) waren wir dann in Calais (nicht in Oostende, wie eigentlich erwartet! (nichts geht über eine verlässliche Info-Quelle)) am Fährhafen. Ziemlich mickrige Fähre, die "Pride Of Calais", aber dafür war die See schön ruhig (alles ist relativ). Wir waren die meiste Zeit an Deck, weil uns drin eben doch etwa mulmig wurde. Trotz "ruhiger" See.
In Dover dann Buswechsel (so gegen 5 Uhr morgens), wieder Doppelsitze, und genau da ist dann auch mein Beinchen eingeratzt.
7Uhr15 Ankunft an Victoria Station, und Tschüss!!!

Nun ist es 18Uhr30, und wir legen gerade in Holyhead ab. Wie unser Schiff heißt, hab ich nicht mitbekommen. Vielleicht später. Auf jeden Fall mussten wir zu Fuß an Bord, d.h. unser Bus blieb in Great Britain. Tja, was soll ich noch sagen? Hoffentlich wird diese Überfahrt so gut wie die letzte. Bloß nich kotzen...

  • Und so sehen wir aus, wenn wir Fähre fahren:    

26.6.97
Donnerstag

Wir sind im "Isaac's"-Hostel in Dublin, und ob man`s glaubt oder nicht: die Euro>26 Karte bringt was! Sogar Connys Wisch!!! (Soll jetzt keine Schleichwerbung sein) Sie hatte ihre Karte ja zu spät bestellt, und deshalb nur ein Fax als Beweis für ihre "Mitgliedschaft". War jedenfalls ultracool, wie Conny mit großer Gebärde das Fax-in-Folie hervorzauberte, und NIX stand mehr drauf! Dieser Gesichtsausdruck!!!
Zum Glück hatte sie ja noch eine Kopie dabei... so hat es uns nur 7Pfund65 statt 8Pfund50 gekostet.
Wir sind in Zimmer 311, das ist ein 8-Bett-Zimmer ohne Dusche. Aber die ist direkt vor der Tür. Desweiteren befindet sich die Eisenbahnstrecke direkt vor unserem Fenster. Wir hatten eine sehr ungestörte Nachtruhe, auch weil wegen 3 von unseren 6 Zimmergenossinnen erst ziemlich spät reinschneiten. Die anderen drei sind Sonja, Maiko und eine etwas betagtere Dame.

  • Ein Blick ins Foyer    

...
Mittlerweile sitzen wir im Citylink-Bus Richtung Galway.. Ob die schon mal was von "Bezahlung" gehört haben? Bis jetzt haben wir jedenfalls noch kein Ticket...
Naja, wenn die uns irgendwann rausschmeißen, sind wir jedenfalls schon ein ganzes Stück näher bei Galway.
Und nun nochmal zu den Vorgeschehnissen. Also: Sonja (aus der Schweiz) und Maiko (aus Japan) waren die ersten, die auf unseren T-Shirts unterschrieben haben. Nette Mädels, aber leider haben wir sie ja jetzt schon wieder hinter uns gelassen. Mal sehen, wen wir noch treffen.
Vielleicht noch so einen süßen Kerl, wie den an der Rezeption des "Kinlay House Christchurch", wo wir schonmal vorsorglich die letzten vier Nächte vorgebucht haben.
Ob der wohl noch da ist, wenn wir zurückkommen?
Ja, dann waren wir noch beim "USIT"-Büro und beim "Bike Store", aber da mussten wir dann leider vernehmen, dass die Zweigstelle Galway erst im Juli wieder aufmacht. Nun haben wir unter Umständen ein Problem. Aber wir sind ja flexibel.
Außerdem haben wir immerhin schon ein Bett in Galway (netterweise hat Stephen (Rezeptionist) das nötige Telefonat für uns erledigt).
Tja, und mittag gegessen hammwa auch schon: jeder eine Dose Mais. Und ich hab noch mein Joghurt (Conny natürlich NICHT MEHR). Was für ein Flair: Mittagessen direkt aus der Dose, mitten auf der O´Connell Street. Klassisch.
O.K., jetzt schau ich mir mal lieber die Landschaft an, wie sie "vorüberfliegt" (irische Busse fahren ganz schön schnell...).

15 Uhr: es regnet rechts - links nich. Aha.

20 Uhr 30
Wir sind im "Kinlay House Eyre Square" in Galway. Zimmer 209 ...mixed!!! Mindestens ein junger Herr ist mit von der Partie (übrigens ist es ein 6-Bett-Zimmer), und Conny und er haben gleich intime Bekanntschaft geschlossen: Sie war gerade in T-Shirt und Unterhose auf dem Weg zur Dusche (im Zimmer befindlich), und er kam rein, sah, und sagte: "Shock!", mit entsprechendem Gesichtsausdruck... Conny übrigens auch (also gesichtsmäßig).
Und schwupps, war sie in der Dusche verschwunden, und ich hatte no choice. Also: auf ins Gefecht, und den Kerl nach seinem Namen gefragt.
Er hat mich verstanden!!!
Stuart is his name, und als ich ihm sagte, wir hießen Conny und Annika, sagte er: "Oh, Conny`s the naked one!". Nice. Als besagte Dame leicht gepeinlicht aus der Dusche wiederkehrte, und ich (etwas informell) den Vorstellungspart übernahm (zwecks die beiden ja kein Wort mehr rauskriegten), sagte Stuart netterweise: "Nice to see you in your clothes."
Also, ich fand`s witzig :)...
Tja, ansonsten hab ich leider nur die Hälfte von dem was er sagte verstanden. Er ist nämlich aus Schottland, und er hat mir irgendeine tolle Story von einer Begegnung mit einem Mädchen in Connemara erzählt. Muss wohl witzig gewesen sein... lachen wa mal.
In einer Viertelstunde gehen wir mit wie-auch-immer-er-heißen-mag aus Heidelberg ins Pub "The Quays". Den Heidelberger haben wir vor unserer Zimmertür kennengelernt, weil er uns an unserem Reiseführer als Deutsche entlarvt hat und uns sogleich anpalaverte. Nicht ganz so gutaussehend wie Stephen oder Stuart oder der Typ im Bus vorhin (oder...), aber ganz nett, schätze ich. Oh, oh, nur noch zehn Minuten.
Ganz schnell: Fahrrad hammwa (Europa Bike Hire), dazu später mehr. Zu Hause angerufen hammwa auch. Und meinen ersten Travellers Cheque hab ich auch schon entsorgt (100DM - schwupp weg). Oh, und Oughterard (sprich: Ukterard) ist auch schon vorgebucht (by the nice, but unfortunately female receptionist here).
That's it. Machen wir uns fertig für's Pub.

27.6.97
Freitag

Es ist 8 Uhr 25, und wir sitzen mit gepackten Rucksäcken im Aufenthaltsraum (bzw. Fersehzimmer + Küche) und warten, dass die Zeit vergeht. Um 9 Uhr müssen wir nämlich unsere Fahrräder abholen.
Mann, bin ich froh, wenn ich ein bisschen stuff auf die Fahrradtaschen umladen kann.

  • Was aber nicht ganz einfach ist    

Nun zu gestern abend und heute morgen:
Also gestern waren wir ja im Pub "The Quays" mit Ralf (Mr. wie-auch-immer...), sowie Andrea und Regina (irgendwo aus Bayern oder so). War echt nett, wir waren bis 23 Uhr 30 da (dann war ja auch praktisch Schluss), und Conny und ich haben uns ein halbes Pint Murphy's Stout geteilt. Schmeckt recht passabel - allemal besser als Pils (bäääh!).
Ansonsten haben wir halt rumgesessen oder rumgestanden, der Musik gelauscht (ging von "gerade-noch-erträglich" bis "richtig-schön" (The Commitments)), und uns dabei so gut wie möglich angeschrien. Dabei war es ohnehin schon schwierig genug, Ralf zu verstehen (fast schon schlimmer als bei Stuart)... Soviel dazu.
Geschlafen hab ich ganz gut, obwohl die Matratzen einem Durchfall ähnelten (also so weich, dass man meint, man fällt durch...). Um 7 Uhr sind wir aufgestanden (immer noch totmüde!) und runter zum all-you-can-eat Frühstück. Cooler Toaster :)
Irgendwann kam dann auch Stuart, und setzte sich zu uns. Hab auch ein Foto gemacht (gutaussehende Männer muss man ja schließlich vorzeigen können (Anmerkung der Redaktion: Nur schade, dass er auf dem Foto so versoffen ausschaut...)).

  • Wer will ihn mal sehen?    

A propos gutaussehende Männer: Conny hat beim Frühstück einen erspäht, der mir dank meiner ungünstigen Sitzposition glatt entgangen ist. Sie war dermaßen fasziniert und vonne Socken, dass sie ihr Saftglas auf ihre Teetasse knallte... sowas nennt man: "Sie hat nur Augen für ihn."

Nu isses 18 Uhr 30, und wir sitzen im "Lough Corrib Hostel" in Oughterard. Nett hier. Nette... ja, wie soll man sagen? Ne Rezeption gibbet hier nich, aber ein Mädchen (ziemlich tough für'n Mädel), das den Laden schmeißt. Gabby heißt sie.

  • Warten auf Einlass am Lough Corrib Hostel    

18 Uhr 50
Sind wir wach? Jaaaa!
Wir labern nur noch Scheiße.
"Du hast den Deckel vertoastet!" (O-Ton Conny. Ihrer Meinung nach war aber der Blick den ich daraufhin erst ihr und dann dem Kochtopf (der damit aber gar nichts zu tun hatte) schenkte die absolute Krönung, welche bei ihr ein dringendes Bedürfnis auslöste...)
"Damit es schneller trocknet." (Conny in Bezug auf die Proportionalität von Suppenmenge und Löffelgröße)
"Nach dem Essen kann ich gar nichts mehr sehen." (Ich, die Brillenschlange)
Das Essen war mehr eine Art Getränk mit Stippbeilage (Toast), ohne die wir auch gleich Wasser hätten "essen" können.
Fazit:
(Auf der Grundlage von einer Packung Tütensuppe)
Wenn 500ml = 5x55 Kalorien haben, haben dann 1000ml 10x55? Geschmacklos...
Naja gut, jedenfalls sollten wir heute mal früher ins Bettsche. Morgen wollen wir bis nach Letterfrack. Rest hab ich kein Bock zu erzählen. Die Fahrt bis hierher war jedenfalls schön, und auch nicht sehr anstrengend.Und Regen? Was ist das?
Am Lough Corrib waren wir nur mit dem Fahrrad. Nix Kanufahren, wie geplant, weil: mittlere Surfwellen. Für Ameisen ungefähr tödlich (wie der Jahrhundertsturm in "Gefährliche Brandung").

28.6.97
Samstag

Geiler Tag. Ich sitze gerade neben 'ner Katze (wenn das kein Kater ist, heiß ich Hannelore!) auf einem Sofa im Kaminzimmer des "Old Monastery House" in Letterfrack.

  • Das Hostel von außen und innen    

Ein 300 Jahre altes Kloster ist das, und echt gemütlich. Wir sind heute ca 6 Stunden unterwegs gewesen (Oughterard-Inagh Valley-Letterfrack). Es waren "bloß" ca... ach, weiß ich wieviele Kilometer, aber
1. hatten wir die ganze Zeit Gegenwind (über die verschiedenen Windesarten könnte man glatt 'ne Studie machen...)
2. hatte ich einen Platten. Und zwar kurz vor Maam Cross. War toll: Wir wurden von drei (irischen) Jungs - halbe Kinder - auf bikes eingeholt. Der eine fuhr neben mich und fragte wohin, woher, blabla... weshalb ich natürlich kurzzeitig nicht auf die Straße geachtet hab. Fatal, fatal: Steinchen - puff! - "Puncture!" ruft da einer hinter mir. Happy Birthday.
Ab an den Straßenrand und den Reifen geflickt (die Kiddies haben sich selbstverfreilich aus dem Staub gemacht ). Tja, leichter gesagt als getan: es war der hintere Reifen, und wir bekamen die Schrauben nicht los. Wir wollten schon aufgeben und statt einem neuen Schlauch den alten an Ort und Stelle flicken, aber da kam - wie ein rettender Engel - ein Ire auf'm Fahrrad vorbei.
Etwas schwer einschätzbar, aber wahrscheinlich Mitte 30-40. Und ziemlich deftig bäuerlich. Gut, wir also gefragt, ob er uns helfen könnte, und - ach, die Männer! So stark! - er schaffte es ("That's hard work for ladies"). Dafür wollte er 'nen Kuss. Hat er natürlich gekriegt - auf die Backe.
Aber als ich unseren Helden fotografieren wollte, hat er Conny fast niedergeknutscht. Endlich mal Erfahrungen in diesem Bereich!

  • Ein schönes Bild    

    Tja, nach einigen technischen Unklarheiten hatten wir's dann geschafft (gar nicht ladylike... gibt Schmutzhände), und weiter ging's.
    Maam Cross war WAHNSINNIG groß... etwa drei Häuser, soweit ich gesehen hab. Aber vielleicht täuscht das. Recess jedenfalls ist groß (or should I say "lang"?): mindestens 10 km (naja, grob geschätzt (man bedenke auch die Gegenwind-Komponente in dieser Schätzung)). Häuser? Spärlich. Dafür aber "one of the best craftshops in Ireland", wo ich mir dann auch gleich "one of the best Magnums, the best Colas and best biscuits ever" geholt hab.
    Gleich nach Recess dann noch eine kleine Unannehmlichkeit: mein Schnürriemen verfing sich an meinen Pedalen und zerrte mich fast vom Fahrrad. Könnte man ja auch mal einen Film drüber drehen... "Der Schnürriemen". Genausogut wie: "Der Kühlschrank". Nun ja, ich hab den Kampf gewonnen:
    Der Schnürsenkel ist tot. Aber nach einem Wiederbelebungsversuch hat er wieder ergeben seinen Dienst verrichtet.
    Dann ging's runter von der N-Road ins Inagh-Tal auf die R344. Geile Strecke, echt, aber WINDIG!!! Hat sich aber echt gelohnt (30 Fotos sprechen für sich).

    • Hier sind zwei davon    

    Irgendwann trafen wir dann auch Bridget. Das ist eine süße alte Oma, die (O-Ton) sonst nur mit Schafen und Kühen spricht. Aber sie hat uns abgefangen und die Gelegenheit genutzt, uns ungefähr eine halbe Stunde ununterbrochen Storys von irgendwelchen Touristen zu erzählen.
    Es ging von:
    Da-war-ein-Kalb-auf-der-Straße-und-die-Insassen-der-sechs-Autos-in
    -dem-daraus-resultierenden-Ministau-mussten-es-unter'm-Zaun-durchschieben,
    über
    Franzosen-die-sich-ohne-jegliche-Englischkenntnisse-die-Erlaubnis-zur
    -Übernachtung-in-Bridgets-Scheune-erfragten,
    bis zu
    einem-deutschen-Pärchen-dessen-Zelt-von-einem-urplötzlich-auftretenden
    -Wasserfall-übergossen-wurde-so-das-sie-ihre-Zeltwand-aufschneiden
    -mussten-um-wieder-rauszukommen.
    Bridget hat die dann natürlich unter ihre Fittiche genommen. Sie fand's ganz toll, dass die Leute ihr dann immer "Dankeschöns" in Form von Keksen und sowas geschickt haben. Sie war echt süß, und als sie uns "wieder gehen ließ" meinte sie: "You have to go, lovey, it looks like it starts to rain." Caring...
    Hat aber nich geregnet. Natürlich nicht.