29.6.97
Sonntag
Wieder einmal sind wir in Oughterard (wir haben nämlich unsere Aran-Fähre umgebucht, und somit einen Tag in Connemara gewonnen). Heute morgen sind wir gegen 9Uhr30 gestartet (nach einem "lustigen" Frühstück (Porridge...) im garantiert gemütlichsten Frühstücksraum der gesamten Hostelszene!).
Es ging über die N59, über die Sky Road (kleiner Abstecher (mit sämtlichem Gepäck...)) nach Clifden.
- Irgendwo auf der N59
- Ebbe auf der Skyroad
- Ein richtig kitschiger Blick auf Clifden
Von da dann wieder zurück über die N59 bis Oughterard. Dort kamen wir um ca 16 Uhr an (vorausgeplant war eigentlich so etwa 20 Uhr), keiner war im Hostel, aber wir hatten ja noch die Nummer für das Digital-Schloss.
Irgendwann kam dann auch Gabby, aber in null-komma-nix war sie wieder weg im Pub (um einen Boxkampf zu kucken (den mit dem Ohrkauer)). Uns sagte sie noch, wir sollten der finnischen Dame, die ein Fahrrad geliehen hatte, ihren Pass zurückgeben ("Pass" auf Finnisch: Passi Pass...isses nich süß?!).
Also... zu mir ist die nicht gekommen, aber der Passi Pass ist trotzdem weg. Nun ja, dafür kamen ein paar andere: zuerst ein paar belgische Mannen, die jetzt im Pub auf Gabby warten (schade nur, dass die inzwischen wieder hier ist...). Und dann - oh, wie peinlich - ein deutsches Pärchen. Konnten wir natürlich nicht ahnen, und die ja auch nicht, also hat Conny die Tür aufgemacht und erst mal "Hello!" gesagt.
Drückende Stille.
Ich hätt mich ja am liebsten weggeschrien, aber dann fingen die an, was von "accomodation" zu erzählen, und Conny von "we are only guests here"... Und irgendwie muss sie mich wohl auf Deutsch nach Gabby gefragt haben, denn auf einmal meint der Typ: "Ja, wann kommt die denn dann zurück?"
Völlig ohne Übergang. Da hab ich mich dann aber wortwörtlich weggeschrien, denn aus deren Blickwinkel muss ich wohl schreiend hinter der Tür verschwunden sein. Nun, die sind jetzt auch im Pub... Gabby will sie suchen gehen.
Ansonsten haben wir zu Hause angerufen, bzw. uns zurückrufen lassen, und was soll ich sagen: Es regnet in Deutschland. In England übrigens auch. Im restlichen Irland probably too... aber HIER NICH!!! Höhö. Ich hab Sonnenbrand. Aua.
Außerdem seh ich aus wie 'ne gescheckte Kuh: weiße Finger, roter Handrücken, rosa Arme, über'm Ellenbogen knallrot und von da aufwärts schneeweiß. Die Beine sind leicht rosa, und meine Ohren...ich schätze die Proteine haben schon mit der Denaturierung begonnen...
Noch eins: bei der Verrichtung eines dringenden Geschäfts hat sich eine Bremse an meinem Allerwertesten festgebissen, und - Hallelujah! - sie war noch dran, als wir wieder losfuhren.
Sie ruhe in Frieden. Ihre zerstückelte Leiche schwamm wenig später in meinem Waschwasser. Pech.
Dann hätte ich noch fast ein Schaf plattgemacht. Es kam plötzlich aus dem Gebüsch geschossen, und rannte dann etwa 100m panisch blökend vor mir her. Ein wahrhaft göttlicher Anblick: ein hektisches Wollknäuel auf X-Beinen. Dummes Vieh.
Di kurante bissifil indi verti fung...
30.6.97
Montag
Wieder einmal sind wir in Galway im "Kinlay House". Ich warte gerade bis die Hühnersuppe etwas abkühlt, während Conny schon fleißig löffelt. Weit wird sie mit diesen Löffeln auch nicht kommen... Wieder ein Tropfen!!!
Gestern abend waren wir noch im Pub in Oughterard (keine Ahnung wie's hieß). Da spielte eine Band namens "Shout" (alles Coverversionen, von Bob Dylan bis Folk). War ganz gut. Ich hab auch neue Grenzen ausgetestet, und 1 1/2 Pint Guinness gesüppelt (gab kein Murphy´s) während Conny sich diesmal ein "ganzes" halbes Pint genehmigte. Wir stehen beide noch...
Gabby hat aber offensichtlich etwas mehr zu sich genommen, jedenfalls fing sie auf einmal an, vor der Bühne zu tanzen.
Heute morgen sind wir dann mit dem Fahrrad zum Pier gefahren, um einen Fährausflug nach Cong zu machen. Während wir (ziemlich lange) auf den Kapitän warten mussten, wurden wir von einem netten kleinen Schauspiel unterhalten: eine Gruppe von Halbwüchsigen wurde ins Wasser getrieben (die werden doch bestimmt nicht freiwillig gegangen sein?). Es war schweinekalt, und noch dazu windig, aber die guten Kinderchen durften halt jetzt Sicherheitstraining machen. Oder sollte es doch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für das örtliche Krankenhaus sein?
Wie dem auch sei, irgendwann kam der Kapitän angehetzt, und los ging´s. Das Schiffchen hieß "Corrib Queen", und brachte uns zur Insel Inchagoill, wo man erstens umsteigen musste, und zweitens ein altes Kloster vorgeführt bekam.
Ziemlich fascinating. Allein der Wald auf der Insel war wie im Märchen. man kam sich fast wie im Phantasialand vor - es sah irgendwie beinah künstlich aus. Trotzdem: superschön. Bei dem Kloster stand der Grabstein von St.Patricks Neffen. Er soll aus dem 4.Jahrhundert sein. ALT! Und St.Patrick persönlich hat ihn aufgestellt! Was für eine Vorstellung!!
- Welcome to the Jungle

Von der Insel aus fuhren wir weiter mit der "Lady Ardilaun" bis Cong, wo ein wunderbares Schloss steht... tausend Fotos. Und im Supermarkt gab´s lecker Kekse und Speiseröhrenschlitzer (sowas wie Toppas, bloß in groß, und das TROCKEN! Nächstesmal nehmen wir "bitesize", jetzt kennen wir ja den Unterschied...).
Tja, nach einigen mehr oder weniger albernen Spielereien im Schlosspark (Rapunzel, Höhlenforscher, Treppendekoration... die Möglichkeiten waren unbegrenzt), ging´s wieder zurück. Und von Oughterard dann auf nach Galway. Wir haben für den Weg etwas über eine Stunde gebraucht. Auf dem Hinweg drei...
Hier angekommen mussten wir (bzw Conny) mal wieder feststellen, dass jeder zweite, den man auf Englisch anlabert, ein Deutscher ist. Nicht mal an Hostel-Rezeptionen ist man vor denen sicher... Naja, jetzt haben wir Zimmer 213, das wir uns mit drei Australiern teilen. Weiteres wissen wir noch nicht über sie... scheinen aber einigermaßen machomäßig zu sein (nichtsdestotrotz ganz o.k.). Als wir reinkamen, war natürlich mal wieder einer halbnackt (scheint am Hostel zu liegen). Wenige Minuten später kam ein anderer aus der Dusche, mit notdürftig um die Hüften geschlungenem Handtuch, und irgendwas von "Slip into something more comfortable..." am Brabbeln. Scheint bisher der netteste von denen zu sein. Sie sind jetzt irgendwo den Abend feiern.
1.7.97
Dienstag
Jetzt sind wir auf der Fähre nach Inishmore (fährt noch nicht, aber jetzt ist 10Uhr30, und die Gangway wird gerade eingeholt (nach dem Krach zu schließen)).
Wir sind nicht so richtig fit, weil unsere Herren Zimmergenossen erst um etwa 3Uhr morgens von ihrer Pubtour zurückkamen. D.h., der eine kam schon früher, und lag dann auch schon im Bett, als die beiden anderen wiederholt an die Tür pochten, um Einlass zu finden. Betrunken funkioniert die Schlüsselkarte wohl nicht. Auf jeden Fall war der Bettlägerige gar nicht begeistert, und fing an zu fluchen ("Oh, Daniel, open the FUCKING door!"). Ans Aufstehen dachte er nicht, darum musste dann Conny raus (wie schön für mich, dass ich oben schlief).
Kaum waren die Typen drin ("Sorry, sorry, sorry!") ging die große Pinkelei los. Von der Akustik her zu schließen, haben sie aber nicht immer so hundertpro getroffen *grins*. War aber wohl doch reine Täuschung...
Dann mussten die zwei ihrem Kumpel natürlich noch gottweißwas für tolle Geschichten erzählen, immer unterbrochen von "shshshsh", um dann genausolaut weiterzumachen. Nun ja, der Gedanke zählt ja.
Heute morgen schliefen die Herren noch ihren Totenschlaf. Das wird wohl auch noch´ne Weile so bleiben. Was soll´s? Das Frühstück haben sie eh schon verpasst. A propos Frühstück: Conny hat glatte 11 Scheiben Toastbrot und 6 Scheiben Sodabrot verdrückt. Ich hab´s nur auf 8 Toasts gebracht... Damit habe ich dann wohl das Gratisfrühstück nicht gerade gut ausgeschlachtet.
11Uhr: Ein Wunder!!! Conny "braucht" keinen Joghurt!