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IRLAND 1997    Teil 3


 
 
 
(1.7.97 Fortsetzung)
Es ist mittlerweile 22Uhr35 auf den Aran Islands. Wir sind trotz Reservierungslücke in unserem Wunschhostel "Mainistir House", dessen Besitzer ein Schwarzer ist, der meiner Meinung nach schwul ist. Redet jedenfalls so. Aber macht ja auch nix. Wie auch immer, wir sind in Raum 14 mit zwei deutschen Mädels (aus Bochum und Wuppertal) und drei Irinnen (aus Athlone). Ausnahmsweise mal nur Mädchen.
Mit den drei Irinnen (Aisling, Aislinn und Elaine) waren wir gerade im Pub "Joe Watty´s". Dort sind wir aber nur "1 Pint Murphy´s lang" geblieben. War nicht wirklich viel los. Aber die drei sind nett, und sie sprechen Deutsch. Ziemlich gut sogar.
Ansonsten waren wir bei Dun Aenghus, wo wir einige schwindelerregende Fotos von den Klippen gemacht haben.

  • Woher die Insulaner die Steine für die Steinmauern haben...    

  • Fall bloß nicht runter!!!    

2.7.97
Mittwoch

Es regnet. Klasse. Meine Kette ist gerissen. Superklasse. It could be worse...
Jetzt ist es jedenfalls 22Uhr25, und ich sitze auf dem Fensterbrett im Zimmer 6 im "Lahinch Hostel". Das Fensterbrett ist so ziemlich der letzte Freiraum und Zufluchtsort in diesem vollgestopften 8-Bettzimmer, das wir uns mit einem älteren Herrn, drei obskuren Weibern und Nicole und Rut teilen. Letztere sind die beiden Deutschen von Inishmore.
Mit denen sind wir mit der Fähre von Inishmore über Inish Man und Inisheer gefahren (diese Fähre kam übrigens zu spät... ich war schon fast zu Eis erstarrt), um dann in Doolin erstmal lecker "Fish´n Chips" in einer ihnen bekannten Imbissbude zu essen. Von Doolin ging´s dann ca 5km stetig bergauf, zu den allseits berühmten Cliffs of...
Mich haben die ehrlich gesagt nicht so umgehauen. Da fand ich die Klippen von Dun Aenghus besser. Lag vielleicht am Regen und an den vielen Touris. Was mich aber fast vom Fahrrad gehauen hätte, war eben meine Kette, die etwa 4 Meter vor Bergende aufgab. *PENG!!!*
Immerhin ging´s danach hauptsächlich bergab, so dass ich den Großteil der Strecke bis Lahinch nicht-pedaltretend zurücklegen konnte. Nur gelegentlich musste ich etwas "pumpen", was dann wohl einige Ähnlichkeit mit einer Taube beim Radeln hatte. Nun ja, irgendwann war aber dann doch nichts mehr mit Rollen, und weil Conny die längeren Beine hat (und weil sie ja auch so unbedingt wollte), haben wir die Räder getauscht. Muss witzig ausgesehen haben: Eine "läuft" auf ihrem Fahrrad, und die andere ist zu kurz, um gleichzeitig im Sattel zu sitzen, und zu treten...
"On and on,`cause the road is never ending. At least we know, that we are on our way..." So singend kamen wir IRGENDWANN auch mal in Lahinch an, wo uns aber unser Hostelrunner gleich alle Hoffnung nahm: "No, no chains available around here." Morgen will er mal rumtelefonieren. Mal sehn.

3.7.97
Donnerstag

Scheißtag. Hab eigentlich keine Lust zu schreiben, weil Stress. Meine Kette ist schon wieder gerissen, obwohl wir sie bei "Raleigh Rent A Bike" hier in Tralee haben reparieren lassen. Für drei Pfund... morgen mach ich denen die Hölle heiß. Immerhin ist das Hostel schön (10 Bettzimmer mit 2 Belgierinnen, die aber ausgeflogen sind). Es ist ein Herrenhaus, und so richtig schön zum Verlaufen.

  • *sehenwill*    

Naja, jedenfalls sind wir mit dem Bus von Lahinch hergefahren (hat uns fast 40 DM gekostet, wegen den blöden Fahrrädern!), und sind dann duch die Stadt geirrt, bis zu diesem blöden Fahrradshop. Als das Fahrrad "repariert" war, sind wir erstmal zu irgendeinem Kaufhaus mit dem Schild "Bureau de Change". Ich brauchte dringendst Geld, bin also rein, Schecks raus (200 DM), hab unterschrieben - und dann wollen die meinen Perso nicht akzeptieren!!!
Die wollen ´nen Passport, und partout nichts anderes. Klasse, sowas besitze ich gar nicht. Ich war echt schon nahe am Nervenzusammenbruch, weil der Typ in der Bank damals meinte: "Bloß niiiie unterschreiben, wenn gerade keiner hinkuckt, dann können die glatt die Auszahlung verweigern und das Ding ist wertlos!" Toll, 200 DM sind ja kein Pappenstiel... Und ich war sowieso schon nervlich vorbelastet, weil in Lahinch ja mal wieder gar nichts in Bezug auf Geld umtauschen geklappt hat: Im Wolladen nahmen sie keine DM, im "blabla"-Hotel war neuerdings kein Büro mehr, und im Aberdeendingsbumms Hotel war dieser Dienst nur für Gäste vorgesehen.
GROSSARTIG!!!
So dachte ich dann in Tralee nach diesem erneuten Reinfall, ich würde kein Wort Englisch mehr rauskriegen, und beim leisesten Anzeichen eines "Nein"s, der Umtauschtante (diesmal im offiziellen Büro) heulend in den Armen liegen.
Aber die "Tante" da war sehr verständnisvoll, und meinte, das mit dem Passport wär ja Quatsch, den bekäme man ja eh nur mit Perso. Ich durfte dann nochmal auf die Rückseite kritzeln, und war ihr auch wirklich sehr dankbar dafür. Endlich wieder Geld...
Aber dann brach das Unglück schon wieder über mich herein, oder vielmehr: es brach unglücklicherweise meine Kette. Und zwar direkt beim ersten Fahrversuch, den ich geschickterweise bei einer Straßenüberqueerung unternahm. War mir dann auch egal, und ich bekam mitten auf der Straße einen handfesten Wutanfall. Der Fahrer eines der wartenden Wagen stieg denn auch sehr belustigt grinsend aus, und trug mir netterweise die Kette hinterher.
Mein "Hero Of The Day" wartete etwa 2km weiter in einem Tante Emma-Supermarkt auf mich ("Ich brauch jetzt ´ne Cola!"). Es war der Verkäufer, und wie die Iren nunmal sind, fragte er mich direkt erstmal: "How R U?", und ich sag: "More or less fine. My chain broke TWICE today (stimmte nich ganz...), although they fixed it at the bike shop."
"Oh, so you´re walking now?"
"Ja." *grummel*
"Well, at least you can´t fall off now."
Great. It could be worse. Der Mann hat einen Gutteil meiner Laune gerettet. Ein anderer Lichtblick war unser Hostelwarden in Lahinch. Er hat extra für uns rumtelefoniert, ist dann in die Stadt gegangen, um ein "link" zu kriegen, hat es eingebaut und sich dabei total schmutzig gemacht... leider war es zu groß... und er wollte nichts dafür haben!
Das ging natürlich so nicht, also haben wir ihm wenigstens eine Mini-Packung After Eight gekauft, und zum Abschied gegeben. Er war auch total gerührt, wollte es erst nicht annehmen, aber mit ein bisschen Überzeugungskraft ging´s dann. War richtig süß, wie er so verstohlen gegrinst hat :). Wir haben ihm den Namen "geschuppter Engel" gegeben, weil er Schuppen hat...
Von Nicole und Rut haben wir uns nach Adressentausch vorerst verabschiedet.

4.7.97
Freitag

Hollahitti!!! Meine Kette ist wieder ganz (vorerst). Der Typ im Bike Shop meinte, das wäre nicht wirklich ein gutes Fahrrad. Außerdem meinte er, SIE würden Räder für 45 Pfund für 2 Wochen vermieten (statt 50, wie bei unserem "billigsten" Verleih), und zwar NEUE. Hab ich ihm gesagt, es gäbe aber nunmal kein Raleigh in Galway, und er grinst, und sagt: "I know, I know!" *lachtot* Scherzkeks...
Tja, dann sind wir halt losgefahren. Etwas am Regnen (Feinstfizzel), aber alles gut und schön.
Dann, ca 3 Meilen vor Killarney: *PUFF!* Connys Reifen ist platt! Der Hintere, ist klar. Aber wir sind ja schlimmeres gewohnt. Also stehen wir am Straßenrand, tauschen den Schlauch aus und singen Opern (Königin der Nacht in voller Lautstärke). Ich schätze, wir haben mittlerweile einen kleinen bis mittelgroßen Hau weg.
Fein, dann waren wir also fertig, steigen wieder auf, fahren los... *pffffff*. Luft raus. Es war der "geflickte" Schlauch vom 1. Platten. Tja, öhm. Leider hatten wir keinen Ersatzschlauch mehr.
Conny wollte es nochmal mit Flicken versuchen, aber ich hab mich durchgesetzt: wir haben bis Killarney geschoben. Ich mit allem Gepäck, Conny mit Rucksack auf.

  • Blick auf Killarney    

Als wir endlich ankamen, war natürlich der Mantel im Arsch, aber dafür hatten wir ja noch Ersatz. Nur Ersatzschläuche schien es mal wieder nirgends zu geben, und erst im dritten Bike Shop haben wir einen (vielmehr zwei, zur Sicherheit) gefunden. Jetzt sind wir ziemlich fertig, aber geduscht und gefüttert im Fossa Hostel, etwas außerhalb von Killarney. Wir haben praktisch das Hostel für uns.
übrigens, mittlerweile knallt wieder die Sonne (schon seit wir den Platten hatten), und mein rechter Ellenbogen hat sich in eine Art Wasserblasenlandschaft verwandelt. Von wegen Insel des Regens...
Heute haben wir zum ersten Mal eine Waschmaschine benutzt. Und einen Trockner. Man glaubt ja gar nicht, wie WUNDERBAR frischgewaschene, noch vom Trocknen warme Wäsche sein kann! Wir hätten fast einen Freudentanz aufgeführt! Aber der Trockner war komisch... die Tür war offen, ich steck unsere Wäsche rein, und wollte dann die Tür eigentlich nur anlehnen - da fängt das Teil auf einmal an zu laufen, und hätte doch fast das Zeug wieder ausgespuckt! Anscheinend steckte noch Geld drin, und der Trockner lief, und lief, und lief, und lief dann auch stundenlang, ohne Nachschlag. Praktisch.

5.7.97
Samstag

BERGTAG
Heute waren wir im Gap of Dunloe. Aber watt erzähl ich denn hier? Immer der Reihe nach, ich wollte ja erstmal von heute nacht erzählen:
Da haben wir nämlich eine echt spukige Stimmung gehabt. Wir sind ja mutterseelenallein hier im Hostel, und der Flur ist ohnehin schon ziemlich dunkel. Noch dazu ziemlich verwinkelt, und unser Zimmer liegt am einen Ende, während das Klo am anderen ist.
Es war nun ungefähr 23Uhr, und mein kurz zuvor getrunkenes Pint Murphy´s trieb, wie´s sich gehört. Ich also auf zum Klo. Durch den dunklen Flur (nur mit Zentrallichtschalter zu erhellen), dann durch die Tür zu den Toiletten. Dort befanden sich zwei Lichtschalter. Einer funktionierte auf Anhieb, der andere nicht. Dies war der für´s Damenklo. Ich bin halt trotzdem rein.
Da war dann diese Tür, die immer verschlossen ist, und sie hatte unten eine Lücke, durch die schien Licht. Flackerndes Licht, wie Feuer.
Anni wird´s irgendwie leicht mulmig, aber: tapfer auf´s Klo gegangen... und dann nichts wie raus!!!
Weiß auch nicht, was ich gedacht hab... war irgendwie wie Hexenfeuer oder so. Oder wie der Goldtopf von ´nem Leprechaun. Himmel, da bin ich aber zurückgespurtet!
Dummerweise mussten wir beide etwa zehn Minuten später schon wieder pinkeln (Connys Bailey´s meldete sich auch endlich). Aber: nee. Nee, nee, nee.
Um zwei Uhr nachts hielt´s Conny dann nicht mehr aus. Sie konnte auch wegen diverser technischer Unzulänglichkeiten ihres Bettequipments nicht schlafen. Ich zwar schon, aber ich musste ja zu ihr halten. Wir also raus aus dem Zimmer... siehe da: LICHT! Im ganzen Flur, und sogar auf dem Klo! Man musste nur etwas warten, bis es endlich anging. Und das seltsame Feuer war weg...