(5.7.97 Fortsetzung)
Und nun zu heute:
Wiegesagt waren wir im Gap of Dunloe. Zuerst sind wir mit´m Rad zum Ross Castle gefahren, wo es zu meiner Freude einen Ruderclub gibt. Soweit ich gesehen habe, hatten die ganze zwei Gigvierer und ´n Haufen Neonplätten in ihrem Besitz. Eigentlich wollte ich ja ein Foto von diesem peculiarischen Bootshaus machen, aber leider hatte ich meinen neuen Film vergessen *grrrrr*. naja, dann sind wir halt mit einem von den bunten Motorbötchen durch die Seen kutschiert worden.
- Typisch touristisch zwar...
Mit uns im Boot waren zwei französische Jungs, ein australisches Ehepaar, drei Schweizer und ein Kapitän höheren Alters. Schwitzertütsch ist ja einigermaßen unverständlich... "Seid ihr mit den Wählern unterwegs?" Hä!?!? Aber ich hab ja Conny...
Die Schweizer gehörten zu einer ganzen Reisegruppe, deren Rest in einem anderen Boot untergebracht war (unseres hieß übrigens "Swan"). Wir hatten den Führer erwischt... Laber, schwafel, quäk...
Ja, ja, die Fahrt war dann auch sehr schön (mit Zwischenstop auf der Insel Inishfallen), und lang (die 7 Pfund haben sich echt gelohnt). Es ging durch die drei Seen, die Verbindungsflüsschen, durch wunderbare Umgebung... und durch viele "Riffe" (also Steinchen).
- Vorbeischippern an grünen Hängen...
Manch einer ist jedoch nicht unbedingt "durch" gefahren, sondern DRÜBER, und sowas kann ja gar nicht gutgehen... Schon gar nicht, mit einer schweizer Reisegruppe an Bord. Der (sehr viel jüngere und unerfahrenere) Kapitän dieses Bootes manövrierte sich also geschickt in eine total hilflose Position. Es war einfach klassisch! Wir durften am nächsten Strand aussteigen, während der australische "husband" coole Sprüche abließ: "O.k., you six people stand on that stone..." "I hope you realize, that you are on a diet now!".
Unser Capi fuhr dann raus, und lud einige Leute in sein Boot um, woraufhin der andere loskam, und er festhing. Aber nicht sehr lange. Er war schließlich ein alter Seebär :)
Jedenfalls ging dann die Fahrt weiter, bis zum Brendan´s Cottage, wo ich mir bei einer kleinen Hügelauffahrt glatt den Rücken verspannte. Cooooool!!!
Tja, ich bin dann erstmal auf´s Klo, und hab Rückengymnastik gemacht. Wirklich viel gebracht hat´s eigentlich nicht, aber es reichte. Nach zwei Sandwiches sind wir dann losgefahren (erst nur schiebend, dann gaaaanz langsam fahrend). Den gesamten Pass haben wir zu Fuß zurückgelegt, wodurch wir immerhin intimere Bekanntschaft mit einer Schaf-a-cappella-Combo machen konnten. Ihr Leadsänger klang nach einer Mixtur aus Schaf und kranker Taube. War vielleicht erkältet, es war nämlich ein gemähtes Schaf.
Naja, nach der Kuppe ging´s dann naturgemäß bergab. Allerdings auf Schotter (Bremskrämpfe!).
- Auf, auf zum fröhlichen Schieben und Schottern!



An einem eiskalten Flüsschen haben wir eine wohlverdiente Fußbadepause eingelegt, und dann ging´s weiter nach Killarney. Da sind wir nun.
6.7.97
Sonntag
Noch ein Bergtag. Aber richtig! Wir sind von Killarney über Kenmare nach Glengarriff gefahren. Betonung auf ÜBER. Auf den läppischen 60 km lagen zwei Bergketten im Weg.
Nun ja, nachdem wir die letzte Nacht im Fossa Hostel auf dem Boden verbracht hatten (weil von wegen Rücken - weiche Betten - schlecht), und am nächsten Morgen nach einer Telefonodyssee (Auskunft, Glengarriff Hostels, Killarney Hostels, Busunternehmen, Tourist Office...) erfahren hatten, das KEIN Privatbus nach Glengarriff fährt (wie im Reiseführer behauptet), fuhren wir eben per Rad. Dolle Sache, es ging etwa dieselbe Strecke lang, wie gestern mit dem Boot; nur ist die auf´m Wasser weniger bergig...
Wie kann einer denn auch ahnen, dass man bis zum Ladies' View und noch höher strampeln muss? Zum Glück haben wir das gestern nicht auch noch gemacht, wie wir eigentlich wollten... Sooooo toll ist der Ladies' View anyway nicht, weil zuviele Leute, und zu anstrengende Steigung (ich hab mehr so geschoben - Conny war unterdess schon längstens oben und wurde von Touristen begafft, weil sie eben offensichtlich den ganzen Weg hochgestrampelt war: "This lady earned this view!").
- Bei besserem Wetter wär's vielleicht doch schöner gewesen
Aber irgendwann, irgendwann geht´s auch mal wieder bergab, und das nur noch. Das macht Laune! Vor allem, wenn einem in einer uneinsehbaren Kurve ein Fahrzeug mit einem Schild entgegenkommt, auf dem steht: "CAUTION! Cyclists following."
Ich denk nur so: "Hä?", als auch schon eine Riesengruppe Rennradfahrer auf mich zurast. Oder besser, ich auf sie (weil, ich war ja bergab, höhö!!!).
Die Gruppe stellte sich als noch viel größer heraus, denn noch Kilometer später begegneten uns Teilnehmer des Rennens. War echt ein Heidenspaß, die immer im Vorbeirasen zu grüßen - die Eifersucht war nicht zu übersehn. Tja, und dann waren wir in Kenmare, Mittageisessen, und dann weiterfahren. Oh weh, was sollte da auf uns zukommen?! Noch ein Pass! Und von wegen, bis dahin führt die Straße durchs Tal! Stetig bergauf führt sie!!! Eklig! Uns verließ dann auch bald jegliche Lust und Kraft - sogar Conny musste mal schieben. Aber wir schafften es, und als wir - oben angekommen - vor dem Tunnel Pause machten, zeigte uns eine vorbeifahrende Autofahrerin anerkennend den Daumen.
Verfickte Straße, echt.
Aber dann ging´s ja wieder bergab, mit toller Aussicht, und qualmenden Bremsen.
Nun sind wir im Hostel. ein ganz neugenautes, mit sehr netten Wardens. "Murphy´s Village Hostel" heißt es. Oh, muss pennen...
7.7.97
Montag
Nun sind wir im "Garranes Hostel" in der Nähe von Cahermore. Eigentlich wollte wir mit dem Privatbus von Glengarriff bis Castletownbere fahren, aber der war zu voll, und wollte uns nicht. Also sind wir spontan per Rad gefahren. War auch schön.
- Irgendwo auf der Strecke


In Castletownbere haben wir erstmal fett eingekauft, und zu Mittag gegessen. Auf der Hafenmauer sitzend, im Sonnenschein unter Palmen, mit Katze zur Gesellschaft - herrlich!
Aber dann, kurz nach Castletownbere: Platten.
Bei Conny, selbstverfreilich... die Gegend war so schön. Auf solche Schwächen des menschlichen Geistes warten diese kleinen spitzen Steinchen auf den Straßen ja
nur...
- Wer denkt da noch an platte Reifen?

Tjo, hammwa halt den neuen Schlauch reingepackt, und weiter ging`s. Wieder mal über eine Art Pass, aber war echt läppisch. Seit dem Mörderpass kann mich echt nichts mehr umhauen (hoffe ich). Ja, und gleich nach dem Pass ging´s dann auch links rein zum Hostel, und - oh, meiner Güte!!! - das ist vielleicht superschön! Direkt am Klippenrand! Wir haben im Garten mit Meeresblick zu Abend gegessen - superromantisch.
Und jetzt muss ich endlich etwas gestehen (was ich bisher wohl verdrängt hatte):
In Lahinch haben wir um ein Haar die Küche abgefackelt! Und das auch noch während der Sperrstunde... War echt funnig: Von den vier Herdplatten hatten wir eine schon an und mit Topf bestückt. Dann wollte Conny die diagonal gegenüberliegende Platte anmachen. Sie stellte das Gas an, und... *fupp*!!! Auf einmal brannte es, aber richtig. Wir natürlich voll reaktionsschnell: *kuck* !?! Ich versuchte dann intelligenterweise zu pusten, aber Conny stellte glücklicherweise das Gas ab, bevor ich eine echte Chance hatte, die Handtücher in Brand zu setzen...
8.7.97
Dienstag
Fluch und Schande! Diese Bremsen machen mich rammdösig! Ich hasse sie!!!
Aber ansonsten is´schön hier. Wir sitzen am Glenmore Lake (ich in der Sonne, Conny im Schatten, weil sie Sonnenbrand fürchtet), und lassen die Seele baumeln. Endlich. Zwar war die Fahrt heute (zeitlich) viel kürzer als erwartet, aber dafür eine echte Belastungsprobe. Berge und Hügel und wieder Berge. Wobei ich festgestellt hab, das Pässe, die auf der Karte als Bergumgehungsstraße gekennzeichnet sind, mitunter steiler und länger und überhaupt sind, als solche, die schon auf Papier abschreckend aussehen.
Jedenfalls war´s echt assig; vor allem mit der Kombination Bauchschmerzen + Nebenhöhlenentzündung im Schlepptau. Aber jetzt sind wir ja da, und kurz nach uns kamen zwei Amerikannerinnen, die auch schon mit uns im Garranes waren. Sie sind mit dem Auto gefahren, und konnten gar nicht glauben, dass wir eher angekommen sind als sie. Und das wir das überhaupt geschafft haben.
Fällt mir auch schwer.
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Das Hostel mit drei albernen Tanten davor
9.7.97
Mittwoch
Heute morgen haben wir in aller Frühe das "Glenmore Lake Hostel" und unsere Amerikannerinnen Annalisa und Julie (35 und 36 Jahre alt, und trotzdem herrlich young at heart) verlassen, und zogen gen Healy Pass.
PANIK!!!
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Das Tal von hoch oben

Aber sooo schlimm war der gar nicht. Zumindest nicht von unserer Seite aus (wie anscheinend immer ...). Auf der anderen Seite machten endlos Serpentinen selbst die Abfahrt anstrengend. Ansonsten ging aber alles mal wieder herrlich schnell. Und da wir uns _VOR_ Aufbruch mit Sonnenmilch zugekippt hatten, wurden wir auch wunderbarerweise von weiteren Verbrennungen verschont. Conny wollte aber eigentlich gerne die Grenzen ihrer Sonnencreme austesten, indem sie auf den Sugarloaf klettern wollte. Ich wollte aber nicht, und netterweise ging man auf meine Bedürfnisse ein.
DANKE!
Also zurück nach Glengarriff (unterwegs hupte uns fast noch ein Ar*#@ vom Fahrrad. Weil, er konnte ja unmöglich bremsen auf dieser langen, ebenen, geraden Straße, wo er dummerweise durch einen - durch ein entgegenkommendes Auto und zwei total verblödete Radfahrer ("Auch noch auf MEINER Seite!") verursachten - Engpass musste. Und, nicht, dass der auch nur einmal kurz hupt, nein, wir hätten es ja überhören mögen... *huuuuuup*).
Nun ja, jedenfalls sind wir nun im Common Room im Murphy´s, und zum Abendessen gab´s Fish&Chips aus´m Caravan. Lecker. Teuer.