12.7.97
Samstag
I did it! I did it! Ich habe Sheena angerufen. Nachdem ich ihre Nummer im Telefonbuch gefunden hatte (zu einer gut vorbereiteten Verabredung per Brief war es ja leider schon zu spät gewesen), stand ich erstmal 5-10 Minuten vor dem scheiß Telefon, und bibberte. Aber irgendwann hab ich´s dann einfach getan, und Sheena´s Mutter ging dran. Sehr freundliche Stimme, mir war gleich leichter ums Herz. Und mit Sheena konnte ich mich auch relativ gut verständigen. Ich fragte sie, ob sie vielleicht morgen (heute) bis 12Uhr Zeit hätte, aber sie muss arbeiten (im Supermarkt), und nach einigen Minuten war das Geld alle, und Telefonat Schluss. STOLZ!!! Nachdem das erledigt war, wollten wie eigentlich duschen, doch gerade als ich mich mit meinen sieben Sachen auf den Weg machen wollte, kam die Rezeptionsdame ins Zimmer, und sagte: "Brock? There´s a penpal of yours downstairs!"
Ja, heißa! So wurden wir also von Sheena und ihrem Vater zum Tee abgeholt. Und das witzige war, auf der Busfahrt hatte ich natürlich fleißig nach möglichen Hinweisen auf Sheena Ausschau gehalten. Bei einer Häusersiedlung am Rand der Stadt meinte ich zu Conny: "Ich wette, da wohnt sie." War nur so ein Gefühl, und als wir dann näher dran vorbeifuhren, stand da doch tatsächlich "Silverwood" dran. Und das war´s dann auch. Da angekommen wurden wir erstmal herzlichst in Empfang genommen (supernette Eltern! Und auch nette Geschwister.), es waren gerade auch noch Onkel, Tante und Cousine zu Besuch.
Nun, dann haben wir uns erstmal mit Sheena alleine unterhalten, und ihr ein bisschen "Fiddler's Green" vorgespielt. Sie ist jetzt auch Fan *grins*. Nachher saßen wir dann alle im Wohnzimmer, und wurden mit Tee, Sandwiches, Kuchen und Keksen vollgestopft. Great. Und alle haben uns verstanden!!!
Um ca halb eins wurden wir dann wieder zum Hostel gebracht ("Viking House" - sehr schön!), und Sheena durfte noch auf unseren T-Shirts unterschreiben.
Nee, war schon schön...
Immer noch Samstag...
Nun sind wir im Dubliner "Kinlay House", mit dem cuten Stephen an der Rezeption. Immer noch süß *smile*.
- Unser schicker Schlafsaal
Wir sind also heute von Waterford mit dem Bus nach Wexford gefahren. Dort hatten wie etwa eine Stunde Aufenthalt, den wir nicht so richtig nutzen konnten, weil´s geregnet hat. Naja, jedenfalls ging´s dann weiter nach ENNISCORTHY, wo ich leider direkt feststellen musste, dass "Spouzz" nicht mehr existiert. (Kleine Erläuterung am Rande: Vor vier Jahren war ich mit meiner Familie 4 Wochen lang in Enniscorthy, und da gab es diesen tollen Fish&Chips-Laden...) Der neue Laden "Roma Take Away" ist um Klassen schlechter! Viel zu fettig, und gar nicht mehr das gute alte Zeitungspapier...
Der Supermarkt war nahezu der alte, nur die superleckeren Minz-Bonbons fehlten... natürlich.
Ansonsten war´s aber pretty much the same, sogar die Spütoilette war noch da (bin ich natürlich gleich rein *rumpel* *ratter* *spül*). Nachdem wir ein wenig durche Stadt gelatscht waren, riefen wir nochmal im Kinlay House an, um sicherzugehen, dass wir nicht zu spät ankommen. Wenn wir nämlich nicht bis 20Uhr dagewesen wären, bzw diesen Termin telefonisch nach hinten verschoben hätten, wären alle vier reservierten Nächte wieder in den freien Unterkunftsmarkt entlassen worden....
Conny erledigte dieses Telefonat, weil meine Stimme sich langsam aber sicher verdünnisierte (wie´s morgen wird, bleibt abzuwarten). Vermutlich war Stephen am Apparat, jedenfalls sollte sie den Namen (meinen) sagen, auf den gebucht worden war, und den hat er wohl nicht ganz verstanden. P... statt B..., oder so. Da sagte Conny:
"B like (*denk* Baum? neee, Birne? neee, Scheiße..)... beer."
Jaja, Conny.
Wobei es an der Zeit wäre, noch eine andere Anekdote zu erzählen:
Es war einmal im Staate Irland in einer grooooßen Stadt namens Cork. Zwei Jungfern, auf dem Heimweg nach einem minder-exzessiven Pub-Aufenthalt, schlenderten die Straße entlang. Da begab es sich, dass in einer Ausfahrt ein junger Herr mit seinem dicken zweirädrigen Motorgefährt stand. Ob es nun jener holde Jüngling, oder aber die atemberaubend unspektakuläre Straßenführung war, was die eine Jungfer aus dem Gleichgewicht brachte, sei dahingestellt. (Nun, es sei dazugestellt, dass eben jener Vertreter des männlichen Geschlechts nicht unbedingt der auffallenden Gattung angehörte...). Auf alle Fälle traf die Jungfer den Bordstein nicht, und knickte gewissermaßen um. Dieser klägliche Gehversuch veranlasste den anwesenden Herrn zu folgender Bemerkung:
"I wish I was that drunk!"
Ob er der Jungfer C. aus E. an der R. nun den verzweifelten Ausruf:
"I´m not drunk!!!"
glaubte oder nicht... wer weiß das schon?

13.7.97
Sonntag
Es ist 22Uhr15, und wir können uns nicht entscheiden, was wir morgen machen: Newgrange, Great Sugar Loaf, Kilkenny, Ashford oder gar nix?
Jetzt ist es 22Uhr30, und wir waren gerade an der Rezeption, um uns mal genauer über das komische Bussystem hier zu informieren. Zugegeben, nicht nur darum (zumindest in meinem Fall... scheinbar hatte dieser Ausflug aber auch Nebenwirkungen bei Conny, denn auf dem way back waren wir doch sehr albern...). Nun sieht es so aus, als machten wir den Great Sugar Loaf und Ashford. Wir werden sehen.
Heute jedenfalls waren wir in Glendalough. Dort wollten wir ja eigentlich eie Bergtour machen, aber für meinen Geschmack war die Zeit zu knapp, und mein Gesundheitszustand zu bedenklich. Hab ich schon erwähnt, dass meine Stimme weg ist/war/kommt und geht? Heute morgen hab ich einfach keinen Ton mehr rausgekriegt. Ziemlich peinlich, wenn man das an einem wildfremden Menschen im Waschraum erprobt... "Good Morning... oh, I got no voice today...". Auch peinlich, beim Frühstück die ganze Zeit im Flüsterton zu sprechen. Noch viel peinlicher, im Bus nach Glendalough um eine Fahrkarte zu bitten...
Busfahrer, total routinemäßig: "To Glendalough?"
Ich, krächz, quiek: "Ja."
Busfahrer, voll am Grinsen: "Are you sure you want to go to Glendalough?"
Ich, genervt, und in meinem Stolz getroffen: "Jaaa."
...
Nun, zurück zum Ziel der Busfahrt: Glendalough.
- Da wollten wir hin
Wir sind dann da halt bis zum Upper Lake gelatscht, mit Riesenstop am Friedhof, zwecks Grabstein-Fotos, und sind dann noch rauf zur "Site of Kevin´s Cell", oder so ähnlich. Dann wurd´s witzig, denn spontan entschlossen wir uns für den "kürzeren" Abstieg. Ging ungefähr senkrecht runter, zumindest im zweiten Teil, und als wir das endlich rafften, war´s längst zu spät. Kein Zurück mehr, wir wollten uns wahrscheinlich auch irgendwas beweisen...
Es hatte natürlich geregnet (wie anscheinend immer, wenn ich in Glendalough bin), und von daher war´s auch etwas rutschig. Besonders eine Stelle war seeeeehr haarig. Ca 10cm breite Glitschkanten zum Fußabstellen, und daneben ein 2m-Sturz in eine Matschgrube. Conny wollte doch tatsächlich springen!!!! Das hätte sie aber bestimmt bereut, denn sie hat ja nur die eine Jeans... und da unten war genug Schlamm für ein kleines Moor!
Und mit ein bisschen Geduld und Dreck am Stecken kamen wir auch über dieses Hindernis hinweg. Das eigentliche Problem war ja auch gar nicht die schmale Kante, sondern vielmehr der breite Vorsprung dadrüber, der einen beim Passieren ein wenig in die Rückenlage drängte. Wir waren jedenfalls mächtig von unserer eigenen Leistung überwältigt :))))
Anschließend sind wir noch zum anderen Ende des Sees gegangen, und dann back zum Friedhof. Nach einigen weiteren Fotos, setzten wir uns zur Ruhepause auf einen Stein. Daneben, im Farnkraut, saß eine junge Katze, die aber nicht daran dachte, da mal rauszukommen. Nein, sie legte sich schlafen. Witzigerweise hatten Conny und ich denselben komischen Gedanken: "Das ist eine verwandelte Katze, wahrscheinlich der Geist vom heiligen Kevin." Selettsam...
- Für ein bisschen Gruselstimmung
Nun, jetzt sind wir jedenfalls wieder zurück.
P.S.: Wir waren noch kurz im St.Stephen´s Green. Nett. Nette gesprächige irische Opas... "When I was young......."
14.7.97
Montag
Wir sind NIRGENDWO hingefahren, weil wir haben den Bus verpasst. Also morgen - höchstwahrscheinlich.
Dafür waren wir gerade im Dublin Castle und in der St.Patrick´s Cathedral. Beides superschön (interessant), ganz besonders das Castle.
...
Irgendwie stimmt das mit dem "gerade" jetzt nicht mehr.
Es ist mittlerweile 20Uhr30, und wir sitzen im TV Room... es läuft Werbung. Besser als im Bett rumliegen - ich hab Kopfschmerzen. Vielleicht zuviel Kultur an einem Tag. Nach St.Patrick´s Cathedral (und nachdem wir in unser neues 6-Bett-Zimmer gezogen sind, und eine kleine Mittagsliegepause eingelegt hatten), ging´s auf zur St.Michan´s Church. Dank unaufmerksamen Reiseführerstudierens (meinerseits), nahmen wir einen kleinen Umweg über die Guinness-Brauerei. Aber nur von außen.
In der St. Michan´s war mal wieder Führung angesagt, aber der Führer war total witzig. Er konnte auch etwas Deutsch, und hat ab und an mal ein deutsches Wort eingebaut: "...this window would be kaputt."
Die Kirche selber war weniger interessant, es gab allerdings eine uralte Orgel (auf der schon Händel gespielt hat), eine Schnitzerei mit 17 Instrumenten aus einem Stück Holz (beeindruckend!), irgendwelche Representalien für Cromwell (so´n Schädel) und sonstwen, und ein grünes Netz, welches als Auffangstop für diverse Deckenteile diente. Aber wegen der Kirche war ja auch keiner gekommen; alle wollten die mummies sehen! Dazu musst man raus aus der Kirche, und eine total unebene, superschmale Treppe runter (es nutzt gar nichts, dass man weiß, man muss auf seine Birne aufpassen, man stößt sie sich trotzdem...jedesmal). Unter der Kirche sind so eine Art Katakomben mit jeder Menge Seitenzimmern, gefüllt mit mehr oder weniger chaotisch gestapelten Särgen. Wie der Führer meinte, liegt die Unordnung wohl daran, das man früher kaum Licht darein kriegen konnte, und deshalb die Sargträger wohl nur dachten: "Rein mit dem Mist, und dann nix wie raus!"
Einige der Särge waren im Laufe der Zeit irgendwie aufgegangen (aufMACHEN tut sowas natürlich keiner, wär ja Grabschändung), und die darin befindlichen Leichen durfte man nun betrachten. Dabei handelt es sich um je zwei Frauen und zwei Männer, die auf irgendeine ungeklärte Weise mumifiziert sind (der Rest der Toten dann wahrscheinlich auch, aber das weiß ja keiner so genau). Bei einer der Frauen (vermutet wird, sie war Nonne), kann man noch die Finger- und Fußnägel erkennen, bei einer männlichen Leiche ist die rechte Hand abgehackt, deshalb nimmt man an, er war ein Krimineller. Außerdem fehlten seine Füße, was aber angeblich darauf zurückzuführen ist, dass er zu groß für den Sarg war... Noch schlimmer hat es den zweiten Kerl erwischt: Er war Kreuzritter, und ihm wurden die Arme und die Beine gekreuzt... und dabei auch mal eben gebrochen, weil´s halt sonst nicht gepasst hätte. Ein ziemlicher Lulatsch das.
Leider konnte man die Atmosphäre nicht so richtig einsaugen (wär vielleicht auch gar nicht gesund gewesen...). Die Gruppe war zu groß, und bestand noch dazu großenteils aus Schülern (österreichische und italienische). Furchtbar... "DAS war ALLES?!?! Booooah, ey.... Scheiße..."
Dabei war es so schön unheimlich, als der Guide _versuchte_ die Geschichte von zwei in den Katakomben begrabenen Brüdern zu erzählen, die auf ziemlich bestialische Weise hingerichtet wurden. Sie waren wohl irgendwie an der Revolution in Frankreich beteiligt, und irgendein französischer Königsknilch wollte ihre Köpfe in den Thronsaal gebracht kriegen. Nicht jedoch, ohne sie vorher ein bisschen aufzuhängen, die Gedärme rauszurupfen und ihre Gesichter mit einer Fackel anzukohlen... wenn sie dann noch nicht tot waren (was eigentlich nicht der Plan war), dann spätestens bei der Enthauptung. Erinnerte mich spontan an "Braveheart". Was aber das faszinierendste an der Geschichte war, war der Todestag: Nämlich der 14.7.1798. Das war genau heute vor 199 Jahren...