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IRLAND 1997    Teil 7


 
 
 
15.7.97
Samstag

Irgendwo komm ich mit dem Schreiben nicht recht nach. Und jetzt muss ich auch schon wieder gehen. Zum Musical Pub Crawl.

16.7.97
Sonntag

Heiliger Strohsack, ich komm nicht mehr zum Schreiben!
Jetzt ist aber gerade Conny irgendwo einkaufen, und ich sitz im Eßsaal des Kinlay House, mit Logenblick auf die Rezeption mit Stephen (na endlich mal wieder, wo er doch die letzten Tage nicht aufzufinden war). Heute morgen hab ich mir in einem mittleren Kaufrausch eine Bodhrán, ein indisches Hemd, Doc´s Schuhcreme (kirschrot), Taschentücher, Fresschen, eine Zeitung, ein Comic-Buch, ein Murphy´s T-Shirt, ein Kettchen (na rate mal! Mein gefallener London-Engel ist´s!), Schokolade (oh, diese herrliche Cadbury´s Mint Crisp!!!!!) und eine Kugelkette für Birger (mein Bruder) gekauft. Die Bodhrán steht jetzt backstage in der Rezeption. Wenn Stephen mal alleine ist, hol ich sie vielleicht :). Wehe, der fehlt was!
Nun zu gestern abend, und dann immer rückwärts bis zum Bastille-Tag:
O.k., gestern abend haben wir also den Musical Pub Crawl mitgemacht. War sehr schön. Zwei junge Musiker (Geige und Gitarre) haben uns und etwa 40 andere Leuts von Pub zu Pub geschleift und jedesmal ein paar Liedchen gespielt. Unter anderem sowas wie "As I Roved Out".
Halt, halt, halt! Erstmal die Pub´s aufzählen:
1. Gogarty´s
2. Ha' Penny Bridge Inn
3. Turks Head
4. Isolde´s Tower
Jetzt aber: Am allerschönsten war unsere "after Pub Crawl"-Unternehmung... ab ins Pub. Und zwar ins "Fitzsimon´s" (zumindest so in der Art hieß es). Dort wurde auf einer Bühne gespielt und getanzt. Riverdance ganz umsonst!!!! Abgesehen von den nicht geringen Kosten für Bier... Es war saugeil, um nicht zu sagen wunderschön, und sie haben sogar "The Mermaid" und "Wild Rover" gespielt. Nach 4 Pints (haupts. Murphy´s), die übrigens einen neuen Rekord darstellen, ging´s mir dann... irgendwie ganz gut, aber nicht mehr gut genug, um noch mehr zu vertragen. Geschwankt hab ich jedenfalls noch nicht (nicht richtig). Aber als ich ins Bett wollte (Conny war noch im Waschraum) und dazu das Rollo über meinem Bett runtermachen wollte ("Stirb!"), hatte ich erstmal die ganze Konstruktion in der Hand. Nicht wirklich geräuschlos, versteht sich... und es waren noch 4 andere im Zimmer.
Tjooo, hab ich halt irgendwie wieder raufgeklemmt, und heute morgen hab ich´s schätzungsweise ganz kaputt gekriegt. Weil, als ich´s wieder hochmachen wollte, ging das auch nicht so reibungslos. Und, schlau wie ich bin, entdecke ich einen Knoten, der störend erscheint... war aber wohl gar kein Knoten, sondern mehr so eine Art ausgeklügelter Überkreuzmechanismus. Naja, wiegesagt, es _war_.
Soll sich der nächste Schläfer den Kopf darüber zerbrechen.
So, und als ich dann im Bett war, drehte sich einmal kurz das Zimmer, und schwupps - waren meine Lichter ausgeknippst. Zumindest meinte Conny, ich wäre schnell eingeschlafen. Möglich.
Conny ist heute morgen frühstmöglich zum Zuckerhut aufgebrochen, während ich... naja wiegesagt.
Aber nun rückwärts. Gestern waren wir noch in Kilkenny. Da wir aber nicht viel Zeit hatten, stiegen wir bloß auf den Turm der St. Canices Church. War aber recht amüsant, weil eng. Mehr gibt´s dazu eigentlich nicht zu sagen. Außer vielleicht, das unser erster Bus nach Kilkenny vollkommen überfüllt war, so das wir den zweiten nehmen mussten. Der kam aber eine halbe Stunde zu spät. Als wir in Kilkenny ankamen hatten wir nur noch 20 min Verspätung. Soviel zu seinem Fahrstil.

Jetzt ist es 21Uhr25, und wir sind auf der Riesenfähre "Isle of Inishmore" der Irish Ferries Company. Zur Abwechslung fahren wir mal nicht von Dun Laoghaire los, wo wir ja schließlich angekommen sind, sondern direkt von Dublin Port. Und wir mussten auch nicht den Bus zurücklassen, nein, er kommt mit. Außerdem noch zwei andere. Es wollen viele Leute nach London. Aber wir sind sad, sad, sad...
Vor allem wegen... ach, weiß nicht. Wegen allem. Wegen Stephen. Wir haben noch nicht mal ein Foto von ihm, weil ständig jemand vor ihm stand. Unter anderem seine offensichtliche Freundin. "See you, honeybunny!"... Schnackeltussi.
Mann, sah der gut aus. Sowas sieht man nicht alle Tage...
Was soll ich noch sagen? Ich hoffe, meine Bodhrán überlebt die Reise in ihrem Müllsack...

Mir fällt da gerade noch ein Geschichtchen von vor ein paar Tagen ein. War irgendwie witzig :)
Es war im Kinlay House, beim Frühstück. Alle waren halt mit irgendwas essensmäßigem beschäftigt, als der Feueralarm losging.
Alles kuckt, grübelt... und ißt weiter. Ich hab mein Brot getoastet, die anderen unbeeindruckt ihren Tee aufgebrüht - kein Schwein hat sich drum gekümmert. War wohl auch nur ein Fehlalarm, denn keine Minute später war´s wieder vorbei.
Aber von wegen: "In the unlikely event of an emergency... please stay calm at all times."
Stay calm - cool as dead.

5Uhr25, wir sind weißdergeierwo in einer Raststätte. Ich habe gerade Rice Crispies und einen Kakao weggezogen (TEUER!)... und Conny erzählt mir unterdessen, dass sich der Typ neben ihr tatsächlich heftigst übergeben hat. Es hat sich also nicht nur so angehört als ob...
Seltsamerweise hat´s in keinster Weise gerochen. Gesegneter Knabe.
Sowas passt doch richtig zum Essen.

Nu isses schon 10Uhr25, und wir sitzen vor dem "left luggage"-Schalter in der Londoner Victoria Station und essen. Soweit war die Fahrt ganz angenehm, bis auf das ich ununterbrochen Schiss um die Bodhrán hatte. Erst hatte ich sie auf dem Sitz neben mir, aber nach der Fährüberfahrt wurde der Bus seltsamerweise noch voller... war sowieso sehr originell das Ganze. Unser Busfahrer kam und kam nicht. Alle Motoren waren schon am Laufen, das Tor ging auf, die ersten fuhren raus - wir standen da so rum... die anderen Busse fuhren... wir schauten zu... unser Busfahrer kam angerannt, wie nett von ihm... wir stiegen ein, und mussten feststellen, dass es tatsächlich an Bord auch noch Menschen gab, die _noch_ langsamer als unser Busfahrer waren. Nämlich ein paar partygeile Engländerinnen, die eigentlich in einen der anderen Busse gehörten. Eine davon wollte natürlich neben mir sitzen, obwohl meines Wissens auch noch woanders etwas Platz war. Aber dann hätte sie ja nicht mit ihren Freunden quatschen können. Toll. Ich hab mich auch schweren Herzens von Conny getrennt, damit ich etwas Platz für die Trommel hatte. Aber beschweren wir uns nicht. Ich hab sie dann halt auf den Schoß genommen. Tierisch bequem, wirklich.
Ein bisschen unmöglich so zu schlafen, aber gut.
Nach einigem Bäumchen und Büs-chen wechsel dich, saß dann eine ältere Dame neben mir, die kurzerhand das Teil packte, nach oben ins Gepäckfach verfrachtete, und mit ihrer eigenen Tasche verkeilte. Erst meinte sie, ich könnte das Paket doch auf den Boden stellen, und ob es eine Brotschale wäre, oder sowas.
Sag ich:" It´s a bodhrán."
Und sie: "Oh! No, not on the floor!!!"
Die Frau versteht mich.
So verstaut hat´s dann auch gehalten, aber bei den ersten 20-30 Kurven hab ich echten Seelenschmerz gelitten. Es klapperte immer so... das war der Klöppel, der am Kreuz festgemacht war. Das hat mich jedesmal aus meinem eben erreichten leichten Schlummer gerissen. Irgendwann bin ich dann aber doch eingepennt, und als ich zwischendurch mal aufwachte, war draußen die schönste Landschaft, die ich je gesehen hab: graues Zwielicht, Nebel, Bäume und hügelige Wiesen, und drin verstreut kleine gelbe Lichter. Das war echt wie in einem Märchen. Leider konnte ich es mir nicht lange ankucken. Meine Augen wollten einfach nicht offenbleiben. So müde war ich schon lange nicht mehr. Conny hatte an genau derselben Stelle genau dieselbe Erfahrung. Lediglich um mehrere Sitzreihen versetzt. Was mir den Schluss aufdrängt, das uns irgendwer oder irgendwas geweckt haben muss, damit wir diese unglaubliche Szenerie wenigstens einmal kurz genießen durften. Würde ich nicht sowieso schon an Schutzengel glauben, dann täte ich es jetzt.

4.8.97
Donnerstag

Gut, es ist schon irgendwie etwas Zeit vergangen, aber irgendwann muss ich das hier ja mal zu Ende bringen (nicht das jemand glaubt, ich wäre auf der Fahrt von London nach Essen mit dem Bus verunglückt und somit leider aus dem Leben geschieden!)
Nun, in London verlief alles planmäßig, bis auf die "ruhige" Abkürzung über den Buckingham Palace... ich wollte eigentlich meine Bodhrán (die ich natürlich keinesfalls in der Gepäckabgabe lassen wollte) auf menschenleeren Wegen zum Covent Garden transportieren, aber leider fand wohl gerade eine Parade statt... nun ja, es ging trotzdem alles soweit glatt. Und im Covent Garden bin ich dann endgültig bankrott gegangen, aber sowas hatte ich ja erwartet. Nach 10 Stunden Aufenthalt ging es weiter mit dem Bus. Diese Fahrt war insofern etwas unangenehmer, als ich die Bodhrán die ganze Zeit auf dem Schoß hatte... auch beim Schlafen (zu kleine Ablagefächer) - festgeknotet an meinem Halstuch...
Dafür waren unsere Busfahrer sehr unterhaltsam. Scottie, ein Schotte, machte dauernd witzige Ansagen in Deutsch und Englisch, so zum Beispiel über´s Rauchen auf der Toilette ("Wir sehen das!").
Noch besser war der Fahrer, der die beiden dann ablöste: "So, wir kommen in Kürze nach Brüssel. Kennt sich da jemand aus? Ich war da noch nie..."
Eine Stunde Verspätung.

Fazit: Einfach unvergesslich war´s!!!!!!!!